Zu wenig Regen, zu viel Hitze – laut Bauernverband fällt die Ernte in diesem Jahr mager aus. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer versucht, Verbraucherinnen und Verbraucher zu beruhigen: Brot, Fleisch und andere Lebensmittel würden wegen der Ernteeinbußen nicht sofort teurer.
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Preise in den vier Vorjahren um ein Drittel gestiegen
Über einen längeren Zeitraum sind die Nahrungsmittelpreise in Deutschland allerdings deutlich gestiegen – nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) erhöhten sie sich zwischen 2021 und 2025 um fast 32 Prozent. Damit stiegen die Preise für Lebensmittel deutlich stärker an als die Verbraucherpreise insgesamt. Laut Bundesregierung wurden besonders Geflügel, Milchprodukte, Eier, Speisefette und Zucker teurer. Bei Obst, Fisch, Getränken und Fertiggerichten stiegen die Preise weniger stark.
Ein "Deutschland-Korb" voller Grundnahrungsmittel
Die bayerische SPD-Bundestagsabgeordnete Carmen Wegge schlägt deshalb vor, dass Handelsketten einen "Deutschland-Korb" nach dem Beispiel Griechenlands zusammenstellen: "Da würden zum Beispiel große Supermarktketten die Grundnahrungsmittel wie Obst, Gemüse, Mehl, Brot zu einem gesicherten niedrigen Preis anbieten, damit eben die Grundversorgung der Bevölkerung bezahlbar gewährleistet ist." Nach Ansicht der SPD sollte außerdem eine Aufsichtsbehörde den Markt beobachten und Preissteigerungen nachvollziehbar machen.
Marktmacht von Edeka, Rewe, Aldi und Lidl
Denn in Deutschland teilen sich die großen Vier das Geschäft mit Lebensmitteln weitgehend auf: Edeka, Rewe, Aldi und die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland. Das sieht auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Artur Auernhammer kritisch: "Wir haben vier große Anbieter, die 85 Prozent des Lebensmittelhandels haben in Deutschland. Diese Strukturen müssen wir hinterfragen. Und wir müssen vor allem auch die Regionalität stärken, damit die Menschen mehr regional bewusst einkaufen." Zuletzt hielt sich der Preisanstieg in den Supermärkten allerdings in Grenzen. Im vergangenen Monat lag die Teuerungsrate für Lebensmittel im Vergleich zum Vorjahr bei unterdurchschnittlichen 0,4 Prozent.
Keine explodierenden Preise erwartet
Thomas Els von der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) in Bonn, die für Akteure der Branche Daten erhebt und auswertet, erwartet auch nicht, dass sich das aufgrund von Ernteeinbußen durch den trockenen Sommer ändert: "Aktuell sehe ich keine explodierenden Nahrungsmittelpreise". Nach Els' Worten könnten zwar Obst und Gemüse teurer werden. Kirschen, wo viel importiert wird, und Äpfel, die aus dem vergangenen Jahr gelagert wurden, seien dagegen günstiger.
Viele Faktoren bestimmen den Preis
Lebensmittelpreise hängen nicht nur von Quantität und Qualität der Ernte ab, sondern auch von den Kosten für Personal, Energie und Transport. Und von der Weltpolitik: Dass Weizen teurer wurde, liegt an Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine, die einer der wichtigsten Getreideexporteure der Welt ist. Nach Angaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) täuscht deshalb der Eindruck, die Preise stiegen kontinuierlich und gleichmäßig immer weiter an: "Vielmehr wechseln sich enorme Preisanstiege und Phasen stabiler oder sogar fallender Preise ab."
Aufsicht wie in Frankreich
Trotzdem sieht die Verbraucherorganisation Foodwatch im trockenen Sommer einen Weckruf für die Politik. Ihr Sprecher Andreas Winkler fordert, die Landwirtschaft klimasicher und zukunftssicher umzubauen und Verbraucherinnen und Verbraucher vor steigenden Lebensmittelpreisen zu schützen: "Zum Beispiel durch eine Streichung der Mehrwertsteuer auf Obst und Gemüse und durch mehr Transparenz über Lebensmittelpreise, damit es nicht zu Gewinnmitnahmen und ungerechtfertigter Preisabzocke kommt."
Auch die Linksfraktion im Bundestag verlangt, die Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zu streichen und eine Preisbeobachtungsstelle einzurichten. Foodwatch-Fachmann Winkler verweist auf Frankreich, wo es eine Behörde gibt, die potenziell ungerechtfertigte Aufschläge meldet. Allerdings sind Lebensmittel dort trotzdem deutlich teurer als bei uns.
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