Die Zahl der Toten nach der verheerenden Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und China ist auf nepalesischer Seite auf 389 gestiegen. Das teilte die Polizei mit. In China sind dem Staatsfernsehen zufolge bisher drei Tote gefunden worden.
Auf beiden Seiten der Grenze werden mehr als 1.400 Menschen vermisst, darunter etwa 650 Ausländer, wie Behörden mitteilten. Andere Quellen sprechen von 517 Vermissten. Nach Auskunft der nepalesischen Tourismus-Organisation sind acht davon Deutsche. Die Himalaya-Region ist ein bedeutendes Trekking- und Pilgergebiet.
- Zum Artikel: Sturzflut in Nepal: Mehr als 1.300 Menschen vermisst
Nepal: 7.400 Rettungskräfte im Einsatz
Nach Angaben der US-Erdbebenwarte hat vermutlich ein Gletscherabbruch die Flutwelle ausgelöst. Videos der Katastrophe zeigen, wie die Wassermassen am Mittwoch Menschen verschlangen, als sie zu fliehen versuchten. Gebäude und Brücken wurden zerstört.
Drohnenaufnahmen aus Nepal zeigten zerstörte Straßen und Gebäude, die von tosendem, zementgrauem Wasser begraben wurden. Im schwer getroffenen Distrikt Nuwakot waren offenbar auch obere Stockwerke mit Schlamm bedeckt. Trümmer hingen in Bäumen und Stromleitungen, Fahrzeuge wurden verschüttet. Fassungslose Überlebende waren schlammverschmiert. Die Überschwemmungen legten in einigen Gebieten den Verkehr lahm.
Viele Rettungsteams im Einsatz
Rettungsteams suchen auf beiden Seiten der Grenze nach Vermissten. In Nepal waren mehr als 7.400 Retter im Einsatz. Fast 240 Menschen konnten nach Behördenangaben bislang lebend per Hubschrauber geborgen werden.
Die dicken Schlammmassen am schwer getroffenen Grenzübergang Gyirong erschweren die Rettungsarbeiten. Straßen sind für schweres Gerät und größere Fahrzeuge unpassierbar, zudem brachen die Kommunikationsnetze teilweise zusammen.
Tourismus-Organisation: Auch Deutsche unter Vermissten
Der Chef der nepalesischen Touristenpolizei, Bishow Raj Adhikari, bestätigte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), Hunderte Touristen seien weiter nicht erreichbar. Nach Angaben des Nepal Tourism Board befinden sich darunter acht Deutsche und eine Person aus der Schweiz. Die Mehrheit der Vermissten sind demnach indische Staatsangehörige, die auf einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash in Tibet unterwegs waren.
Das Auswärtige Amt hatte am Mittwoch auf Anfrage zunächst erklärt, bislang keine Kenntnis von deutschen Staatsangehörigen unter den Betroffenen zu haben.
Im Video: Sturzflut im Himalaya - Tausende Helfer im Einsatz
Inzwischen sprechen die Behörden von über 360 Toten. Außerdem werden mehr als 1.400 Menschen vermisst – auch acht Menschen aus Deutschland.
Was ist genau passiert?
Am Mittwoch hatten gewaltige Schlamm- und Gesteinsmassen in der Gebirgsregion zwischen Nepal und dem Südwesten Tibets entlang des Bhotekoshi eine Schneise der Verwüstung geschlagen.
Klimaexperten des International Centre for Integrated Mountain Development gehen inzwischen davon aus, dass eine Eis- und Gerölllawine von einem Gletscher die Sturzflut auslöste. Die Flutwelle sei außerordentlich hoch und schnell gewesen, teilten sie mit. An einer Stelle stieg der Pegel des Flusses Trishuli innerhalb einer halben Stunde um bis zu neun Meter.
Eine Eis- und Gerölllawine habe das Flusssystem Lhende Khola zunächst blockiert und anschließend eine plötzliche Flutwelle flussabwärts ausgelöst, sagte der Katastrophenschutzexperte Saswata Sanyal. Frühwarnsysteme seien angesichts eines sich erwärmenden Himalayas besonders wichtig.
Hilfen aus dem Ausland zugesagt
Die indische Regierung flog nach eigenen Angaben bislang 47,5 Tonnen Hilfsgüter nach Nepal, darunter Medikamente, Zelte, Decken, Solarlampen und Lebensmittel. Weitere Unterstützung werde geprüft, unter anderem Behelfsbrücken für die Rettungsarbeiten.
Auch aus anderen Ländern wurden Hilfen zugesagt. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, Deutschland sei bereit, Nepal zu unterstützen. UN-Generalsekretär António Guterres sagte der Regierung in Kathmandu Hilfe durch UN-Teams zu. Die USA stellten 500.000 US-Dollar für Notunterkünfte, Trinkwasser und weitere Hilfsgüter bereit. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte europäische Unterstützung an.
Hilfe auch von Humedica aus Kaufbeuren
Die internationale Hilfsorganisation Humedica bereitet Hilfe für die betroffenen Menschen vor. Mit Thomas Meier sei ein Humedica-Mitarbeiter vor Ort in Nepal, teilt die Hilfsorganisation aus dem bayerischen Kaufbeuren mit. Man stehe in engem Austausch mit einer örtlichen Partnerorganisation und prüfe, wo Unterstützung am dringendsten sei. Neben sauberem Wasser würden nach solch einer Katastrophe häufig weitere Dinge des täglichen Lebens gebraucht.
Mit Informationen von dpa, AP und AFP
Im Video: Mehr als 1.300 Vermisste nach Sturzflut im Himalaya
Mehr als 1.300 Vermisste nach Sturzflut im Himalaya
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