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Sudan versinkt im Krieg – UN appelliert an Konfliktparteien

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Während im Sudan weiter schwere Kämpfe toben, will die Militärführung des Landes über einen US-Vorschlag für eine Waffenruhe beraten. UN-Generalsekretär Guterres fordert die verfeindeten Parteien auf, die Gewalt zu beenden und endlich zu verhandeln.

UN-Generalsekretär António Guterres dringt angesichts der sich ausweitenden Kämpfe im Sudan auf ein Ende der Gewalt in dem afrikanischen Land. Guterres forderte am Dienstag die Konfliktparteien auf, "sich an den Verhandlungstisch zu setzen und diesem Albtraum der Gewalt ein Ende zu setzen - jetzt". Er warnte davor, dass "die schreckliche Krise im Sudan (...) außer Kontrolle gerät".

Souveränitätsrat im Sudan berät über US-Vorschlag für Waffenruhe

Wie die Nachrichtenagentur AFP aus sudanesischen Regierungskreisen erfuhr, soll bald der Souveränitätsrat des nordostafrikanischen Landes zusammenkommen. Bei einer Sitzung unter dem Vorsitz von Armeechef Abdel-Fattah al-Burhan soll demnach ein Waffenruhe-Vorschlag der USA erörtert werden. 

Im Sudan kämpfen seit April 2023 die Armee von Militärherrscher al-Burhan und die Miliz Rapid Support Forces (RSF) seines früheren Stellvertreters Mohamed Hamdan Daglo gegeneinander. Mit der Einnahme der Stadt Al-Faschir vor mehr als einer Woche kontrolliert die RSF inzwischen alle fünf größeren Städte in der Region Darfur. Aus Angst vor den sich ausweitenden Kämpfen flohen zuletzt auch aus der Nachbarregion Kordofan zehntausende Zivilisten.

Angriff auf Kinderkrankenhaus

Aus Al-Faschir konnten nach UN-Angaben 65.000 Menschen fliehen, zehntausende weitere sind noch in der Stadt gefangen. Es gibt zahlreiche Augenzeugenberichte über Massenhinrichtungen, Vergewaltigungen und weitere Gräueltaten in der Stadt. Dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag zufolge könnten diese Handlungen "Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Sinne des Römischen Statuts" sein.

Kürzlich gab es etwa einen Angriff auf ein Kinderkrankenhaus in der sudanesischen Darfur-Region. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden dort mindestens vier Menschen getötet. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus forderte am Montagabend auf der Internetplattform X einen Stopp der Attacken gegen das Gesundheitswesen. Nach Angaben von Tedros wurde das Krankenhaus im Bundesstaat Nord-Darfur am Montag angegriffen. Zu den Toten zählten auch Kinder. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. Zu den Tätern machte der WHO-Generaldirektor keine Angaben.

Grüne beantragen Aktuelle Stunde

Der sudanesische Ärzteverband "Sudan Doctors Network" macht die paramilitärische RSF-Miliz für die Attacke verantwortlich.

Die Bundesregierung soll nach Worten der Organisation Ärzte ohne Grenzen umgehend auf die Einrichtung von Schutzkorridoren für die Zivilbevölkerung im Sudan drängen. Es müsse freier Zugang für Hilfe gewährleistet werden, sagte Lara Dovifat, Leiterin der politischen Abteilung von Ärzte ohne Grenzen in Deutschland, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) angesichts der Lage in der Stadt El Fasher. Die Grünen im Bundestag beantragen derweil eine Aktuelle Stunde zur Lage im Sudan und forderten von der Bundesregierung mehr Druck auf die Konfliktparteien.

Seit Monaten bemüht sich eine Vermittlergruppe aus Vertretern der USA, Ägyptens, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate um eine Feuerpause im Sudan. Ihre jüngsten Vorschläge von Mitte September blieben jedoch ohne Ergebnis. 

Goldhandel und die Rolle der Emirate

Insbesondere die Rolle der Emirate bleibt fragwürdig. So haben die Ausfuhren von Gold aus dem Bürgerkriegsland Sudan in die Vereinigten Arabischen Emirate nach Angaben einer Schweizer Nichtregierungsorganisation im vergangenen Jahr stark zugenommen. 2024 seien 29 Tonnen des Edelmetalls aus dem Sudan in die Emirate verkauft worden – gegenüber 17 Tonnen im Vorjahr, erklärte die Organisation Swissaid am Dienstag unter Verweis auf Daten aus einer UN-Datenbank. Hinzu kämen weitere Importe über Nachbarländer des Sudan.

Swissaid sieht in den Zahlen zum Handel mit Gold ein weiteres Indiz für die Verflechtungen der Emirate in dem blutigen Konflikt. Sudans Nachbarländer Tschad und Libyen seien "Ausgangstore" der RSF für sudanesisches Gold. "Dieses Schema und diese Ströme bestätigen die Rolle der Emirate als wichtigstes Ziel für sudanesisches Schmuggelgold", erklärte die Organisation. Die Emirate seien "eine Drehscheibe für Gold zweifelhaften Ursprungs, vor allem Gold aus Konfliktgebieten".

Mit Informationen von AFP, KNA und epd.

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