In seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekräftigt US-Präsident Trump seinen Anspruch auf Grönland.
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In seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekräftigt US-Präsident Trump seinen Anspruch auf Grönland.
Bildrechte: picture alliance/KEYSTONE | LAURENT GILLIERON
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In seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos bekräftigt US-Präsident Trump seinen Anspruch auf Grönland.

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Trumps "Kampfansage an die freie Welt" – Alles schaut auf Merz

Trumps "Kampfansage an die freie Welt" – Alles schaut auf Merz

In seiner Rede auf dem Weltwirtschaftsforum bekräftigt US-Präsident Trump seinen Anspruch auf Grönland – und stößt seine europäischen Partner vor den Kopf. Als erster hat Bundeskanzler Merz am Donnerstag Gelegenheit zu reagieren. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Ein "großes, schönes Stück Eis" – das ist es, was Donald Trump will. Immer wieder kommt der US-Präsident bei seiner Rede in Davos auf den Kern der jüngsten Aufregung zurück: Er verlangt Grönland. Von einer gewaltsamen Übernahme Grönlands wolle er zwar absehen. Aber über einen Deal will er unverzüglich verhandeln.

Trump verwechselt Island mit Grönland

Rund 70 Minuten redet der US-Präsident auf der Bühne des Weltwirtschaftsforums. Er teilt in bekannter Manier aus, er degradiert die Europäer, die aber doch stets vor ihm einknicken würden. Trump spart nicht mit Desinformationen, zum Beispiel über Erneuerbare Energien. Und immer wieder knöpft sich Trump die Nato vor. Die USA seien es, die das Bündnis fast vollständig finanzierten, so der Vorwurf. Und das Einzige, was er im Gegenzug wolle, sei doch nur dieses Stück Eis namens Grönland. Wie ein Mantra zieht sich das durch die Rede. Manchmal verspricht er sich dabei und redet von Island ("Iceland").

"Ich habe großen Respekt sowohl gegenüber den Menschen in Grönland als auch gegenüber den Menschen in Dänemark", versichert er. Aber jeder Nato-Verbündete müsse eben sein eigenes Territorium verteidigen können – und das könnten Grönland und Dänemark nicht. Immer wieder klingt durch: Die USA sind stark, die USA sind das angesagteste Land der Welt.

Trump spricht von Gewaltverzicht

Der Befürchtung, er könne US-Militär nach Grönland entsenden und die größte Insel der Welt gewaltsam an sich reißen, tritt Trump entgegen. "Aber ich muss keine Gewalt anwenden. Ich will keine Gewalt anwenden. Ich werde keine Gewalt anwenden", verspricht der Republikaner. Kann man ihm glauben?

Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen hat Trumps Rede zwar nicht gehört, reagiert aber sofort: "Das ist an und für sich positiv, aber es löst das Problem nicht." Und er macht klar: Verhandlungen über eine Übergabe Grönlands an die USA kommen für Dänemarks Außenminister nicht infrage. Trump ist es, der einen Deal machen will: Er strebt "unverzügliche Verhandlungen" mit Europa an. Mit wem verhandelt werden solle, sagte Trump nicht.

Zuletzt drohte Trump den Unterstützern Dänemarks und Grönlands Strafzölle ab Februar an - darunter auch Deutschland. Im Gegenzug stoppt das EU-Parlament die Ratifizierung des Handelsdeals mit den USA. Die neuen US-Zölle sollen so lange erhoben werden, bis der Verkauf der Arktisinsel an die USA abgeschlossen ist.

Trump will "Golden Dome" in Grönland errichten

Es schält sich immer mehr heraus, warum Trump Grönland besitzen will. Auf der Insel plant er den Bau des größten "Golden Dome", den es je gegeben hat. Das wäre ein Verteidigungssystem, ähnlich wie Israel es nutzt. Der Schutzschild soll Nordamerika verteidigen. Eine Antwort auf die Frage, warum das nicht auch im Rahmen der Nato möglich wäre, bleibt er schuldig.

Mögliche Ansprüche auf Bodenschätze wie seltene Erden wies Trump zurück. "Es gibt so viel seltene Erden, dass es gar keine 'seltenen' Erden sind", sagte Trump. Dies sei jedenfalls nicht der Grund, warum die USA Grönland bräuchten. Ob Trump die Bodenschätze aber dort belassen würde, darf stark bezweifelt werden.

Rede am Donnerstag: Alles schaut auf Merz

Trump hat klar gesagt, was er will. Nun ist es an den Europäern zu reagieren. Auf derselben Bühne wie Trump hat dazu am Donnerstagvormittag als erstes Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Gelegenheit. Wird er weiter auf Beschwichtigung setzen oder Trump in seiner Rede ein klares Stoppschild vorhalten?

Die Grünen fordern von Merz eine "sehr robuste Antwort". "Die Zeit der Selbstverzwergung muss vorbei sein", sagte Grünen-Chef Felix Banaszak. Auf diese Rede antworte man nicht, "indem man sich vor dem Bully in den Staub" werfe. "Trumps Rede sei "eine lange Liste von Lügen" gewesen und "eine unmissverständliche Kampfansage. Eine Kampfansage an Grönland, an Kanada, an Europa. An die freie Welt", so Banaszak. "Es war die Ansprache eines Gangsters, der die Welt erpresst." Die einzige Sprache, die Trump verstehen werde, sei die Sprache europäischer Entschlossenheit und Stärke.

Im Video: ARD-Korrespondent zu Trump in Davos

Wie kommt die Trump-Rede in der Bundespolitik an? Ist die Welt jetzt eine andere?
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Wie kommt die Trump-Rede in der Bundespolitik an? Ist die Welt jetzt eine andere?

Mit Informationen von dpa

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