Nach der Einnahme der letzten von der sudanesischen Regierung kontrollierten Großstadt in der Region Darfur durch die RSF-Miliz warnen die Vereinten Nationen vor einer weiteren Eskalation. UN-Generalsekretär António Guterres forderte die Miliz und die sudanesischen Streitkräfte zu Verhandlungen auf. Die Bundesregierung zeigte sich erschüttert und forderte ein sofortiges Ende der Gewalt. Die UN beschreiben die Lage in dem Land als die größte humanitäre Krise der Welt.
Humanitäre Katastrophe in eroberter Stadt befürchtet
Im Sudan herrscht seit April 2023 ein brutaler Machtkampf zwischen De-facto-Machthaber Abdel-Fattah al-Burhan und seinem einstigen Stellvertreter Mohamed Hamdan Dagalo, der die RSF kommandiert. Am Montag hatte die sudanesische Armee bestätigt, dass sie sich nach anderthalbjähriger Belagerung durch die RSF aus El Fascher, der Hauptstadt des Bundesstaats Nord-Darfur, zurückgezogen habe.
In der Stadt leben nach UN-Schätzungen über 260.000 Menschen, die meisten unter katastrophalen humanitären Bedingungen. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher berichtete, Hunderttausende von Zivilisten säßen in der Stadt fest. "Sie werden beschossen, hungern und haben keinen Zugang zu Nahrung, medizinischer Versorgung oder Sicherheit", sagte er und forderte "sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für humanitäre Hilfe".
Berichte über willkürliche Hinrichtungen
Stattdessen wird nun befürchtet, dass den Menschen durch die RSF schwere Gewalttaten, Tötungen, Folter sowie ethnische Vertreibung drohen. Dem UN-Menschenrechtsrat zufolge mehren sich Berichte, wonach die Miliz in der Stadt willkürliche Hinrichtungen durchführt. So berichtete das sudanesische Ärztenetzwerk, RSF-Kämpfer hätten Dutzende Zivilisten getötet und Krankenhäuser geplündert. Zudem soll es mehr als 1.000 Festnahmen gegeben haben.
In einem Video aus El Fascher war zwar Abdulrahim Dagalo - der stellvertretende RSF-Anführer und Bruder von RSF-Chef Mohamed Hamdan Dagalo - zu sehen, der seine Leute aufforderte, nicht zu plündern und Zivilisten in Ruhe zu lassen. Andere Aufnahmen zeigten aber RSF-Kämpfer, die auf fliehende Menschen schossen und auf diese einprügelten. Einige der Einwohner wurden rassistisch beschimpft.
Guterres warnt vor Verstößen gegen Völkerrecht
UN-Generalsekretär Guterres sagte nach Angaben seines Sprechers Stéphane Dujarric, die sudanesischen Streitkräfte und die RSF-Miliz müssten unverzüglich mit seinem Gesandten für den Sudan, Ramtane Lamamra, in Kontakt treten und Schritte zu einer Verhandlungslösung unternehmen. Er sei zutiefst besorgt über die Eskalation im Sudan und verurteile berichtete Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht.
Guterres sei alarmiert darüber, dass weiter Waffen und Kämpfer in den Sudan gelangten und damit die Lage im Land weiter verschärften, so Dujarric. Humanitäre Hilfe für die bedürftigen Zivilisten müsse schnell geliefert werden können. Seit mehr als 18 Monaten sei El Fascher ein Epizentrum des Leids. Täglich forderten Unterernährung, Krankheiten und Gewalt Menschenleben.
Auswärtiges Amt: RSF muss sich für Gräueltaten verantworten
Das Auswärtige Amt teilte auf X mit: "Wir sind erschüttert über die Berichte aus El Fasher, Sudan." Kämpfer der RSF seien tief in die Stadt vorgedrungen und töteten wahllos Zivilisten. "Das muss sofort aufhören", hieß es weiter. Die RSF hätten öffentlich zugesagt, Zivilisten schützen zu wollen: "Sie werden sich für diese Taten verantworten müssen."
Bürgerkrieg könnte schon 150.000 Tote gefordert haben
Die RSF steht bereits im Verdacht, in den bisherigen Kämpfen zahlreiche Grausamkeiten begangen zu haben (Link zum Podcast). Die Miliz ging aus der arabischen Dschandschawid-Miliz hervor, denen vorgeworfen wird, vor gut 20 Jahren für einen Genozid an nicht-arabischen Bevölkerungsgruppen in Darfur mit bis zu 300.000 Toten verantwortlich zu sein. Damals kämpften sie noch gemeinsam mit der sudanesischen Armee.
Für den aktuellen Bürgerkrieg seit 2023 gibt es keine belastbaren Opferzahlen, Schätzungen zufolge könnten aber bis zu 150.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Mehr als zwölf Millionen Menschen sind auf der Flucht. Mehr als 26 Millionen Menschen, etwa die Hälfte der Bevölkerung, sind von Hunger bedroht.
Während die Armee zwischenzeitlich die Hauptstadt Khartum zurückerobern konnte, hat die RSF-Miliz zuletzt ihre Kontrolle über die Region Darfur an der Grenze zum Tschad verfestigt. Beobachter fürchten nun eine dauerhafte Spaltung des Landes. Die RSF hatte mehrmals erklärt, in den von ihr "befreiten" Regionen einen neuen Staat errichten zu wollen.
Mit Informationen von dpa, AP und epd
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