Nach der Teilveröffentlichung der Akten über den verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat das US-Justizministerium ein zuvor entferntes Foto wieder öffentlich zugänglich gemacht. Auf der besagten Aufnahme sind zum Teil eingerahmte Fotos zu sehen. Eines der Fotos zeigt den heutigen US-Präsidenten Donald Trump mit seiner Frau Melania in Begleitung von Epstein und dessen langjähriger Vertrauten Ghislaine Maxwell, auf einem, anderen posiert Trump mit Frauen, die nur Bikinis tragen.
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Das Bild, das die Fotografien zeigt, sei "aus reiner Vorsicht" vorübergehend gelöscht worden, um zu prüfen, ob Epstein-Opfer darauf abgebildet seien, erklärte das Ministerium auf der Plattform X. Es werde nun "ohne jegliche Änderung oder Schwärzung" wieder veröffentlicht, nachdem eine Überprüfung "keine Hinweise" darauf ergeben habe, dass darauf Opfer Epsteins zu sehen seien.
Demokraten warnen vor riesiger Vertuschungsaktion
Am vergangenen Freitag hatte das US-Justizministerium nach Druck der Öffentlichkeit zunächst Tausende Dateien über den 2019 tot in einer Gefängniszelle aufgefundenen Epstein veröffentlicht, der jahrelang einen Missbrauchsring betrieben hatte, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Kommentarlos hatte das Ministerium dann jedoch gut ein Dutzend Dateien plötzlich wieder von der Seite genommen – auch das Foto mit den Trump-Bildern.
Politiker der oppositionellen Demokraten hatten daraufhin Antworten vom Justizministerium gefordert. "Wenn sie dieses Bild herunternehmen, stellt Euch vor, was sie noch alles verbergen wollen", hatte der Chef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, erklärt. Dies könne "eine der größten Vertuschungen in der US-Geschichte sein". US-Medien zufolge wurden mehr als ein Dutzend weiterer Bilder aus dem Aktenfundus entfernt.
Justizministerium nennt Vorwürfe "lachhaft"
Vize-Justizminister Todd Blanche erklärte dazu, die Dateien auf Bitten von Betroffenen vorübergehend entfernt worden, es habe "Bedenken" wegen einiger der abgebildeten Frauen gegeben. Den Vorwurf, dass das Foto gelöscht worden sei, weil darauf Präsident Trump zu sehen war, nannte Blanche "lachhaft", dies habe "nichts mit Präsident Trump zu tun". Es habe nur geprüft werden müssen, ob auf den Fotos Opfer von Epstein zu sehen seien, nachdem klar sei, dass dies nicht der Fall ist, seien die Fotos wieder freigegeben worden.
Im Gespräch mit NBC News sagte Blanche auch, dass in den Akten keine Informationen zu Präsident Trump bearbeitet worden seien – außer, wenn diese aufgrund gesetzlicher Vorgaben geschwärzt werden müssten. Dies sei etwa dann der Fall, wenn sich Informationen auf persönliche Details von Missbrauchsopfern beziehen oder unter das Anwaltsgeheimnis fallen.
Ex-Präsident Clinton ist sehr oft in den Dateien zu finden
Für Kritik hatte schon vor der Lösch-Aktion gesorgt, dass das Justizministerium trotz der vom Kongress gesetzten Frist zur Veröffentlichung aller Epstein-Akten bis vergangenen Freitag nur einen Teil der Dokumente freigegeben hatte. Zahlreiche Dateien waren vorab unleserlich gemacht worden wie etwa ein komplett geschwärztes, 119-seitiges Dokument der New Yorker Justiz.
Bei den US-Demokraten sorgte zudem für Unmut, dass auf den bisher veröffentlichen Epstein-Fotos neben Rockstar Mick Jagger, Pop-König Michael Jackson und Schauspieler Kevin Spacey unverhältnismäßig oft Ex-Präsident Bill Clinton zu sehen sei. Immer wieder taucht er auf Bildern auf – zum Beispiel beim Schwimmen im Pool mit Ghislaine Maxwell. Der Clinton-Sprecher Angel Urena kritisierte dies als gezieltes Manöver des Weißen Hauses.
Regierung kündigt weitere Veröffentlichungen an
Das Justizministerium kündigte inzwischen an, in den kommenden Wochen hunderttausende weiterer Dateien zu veröffentlichen, eine Version des New Yorker Dokuments mit weniger Schwärzungen wurde bereits zugänglich gemacht.
Einigen Mitgliedern des US-Kongresses ist das nicht genug – sie wollen Justizministerin Pamela Bondi in einem parlamentarischen Verfahren zur Veröffentlichung aller restlichen Epstein-Akten zwingen. Vize-Minister Blanche halte für seine Chefin derzeit den Kopf hin, Bondi sei aber die eigentlich Verantwortliche.
Ob die Justizministerin noch das Vertrauen des Präsidenten hat, ist unklar. In einem Interview mit "Vanity Fair" warf Trumps Stabschefin Susie Wiles Bondi bereits vor, beim Umgang mit den Epstein-Akten "völlig versagt" zu haben.
Mit Informationen von DPA, AFP und Reuters
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