Die Festnahmen von Ex-BND-Chef August Hanning und seinem ehemaligen Büroleiter haben jüngst international für Schlagzeilen gesorgt. Doch die Liste von Doppelagenten, Maulwürfen und deutschen Spionagepannen ist legendär und lang.
Die Festnahmen von Ex-BND-Chef August Hanning und seinem ehemaligen Büroleiter haben jüngst international für Schlagzeilen gesorgt. Doch die Liste von Doppelagenten, Maulwürfen und deutschen Spionagepannen ist legendär und lang.
Bild
Die Festnahmen von Ex-BND-Chef August Hanning und seinem ehemaligen Büroleiter haben jüngst international für Schlagzeilen gesorgt.
Bildrechte: picture alliance / Geisler-Fotopress
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Geisler-Fotopress
Videobeitrag

Die Festnahmen von Ex-BND-Chef August Hanning und seinem ehemaligen Büroleiter haben jüngst international für Schlagzeilen gesorgt.

Videobeitrag
>

Von Maulwürfen, Agenten und Verrätern: Die Skandale des BND

Von Maulwürfen, Agenten und Verrätern: Die Skandale des BND

Die Festnahmen von Ex-BND-Chef August Hanning und seinem ehemaligen Büroleiter haben jüngst international für Schlagzeilen gesorgt. Doch die Liste von Doppelagenten, Maulwürfen und deutschen Spionagepannen ist legendär und lang.

Über dieses Thema berichtet: Kontrovers am .

Es ist Dienstagmorgen, der 6. Oktober 2026, als Ermittler den früheren Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) aus seinem Haus führen. August Hanning kommt in Untersuchungshaft. Der Vorwurf wiegt schwer: versuchter Landesverrat, ausgerechnet gegen einen ehemaligen Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes.

Auf die mutmaßliche Spionage stoßen Ermittler der Hamburger Polizei zufällig. Im September 2025 prüfen sie Hinweise, wonach eine von Hannings Sicherheitsfirmen in die Entführung der Kinder von Christina Block verwickelt sein könnte. Bei einer Durchsuchung stellen sie 2.000 Dokumente des Bundesnachrichtendiensts sicher.

Über Jahre hinweg soll Hanning während seines Ruhestands von seinem früheren Büroleiter vertrauliche Geheimdokumente beschafft und teilweise weiterverwertet haben – gerade in einer Zeit, in der der BND um Vertrauen wirbt. Es ist bereits der zweite Verratsfall innerhalb weniger Jahre. "Das ist schon ein einmaliger Vorgang, muss man sagen, der die Züge einer Staatsaffäre hat", sagt Konstantin von Notz dem BR-Politikmagazin Kontrovers. Der Grünen-Politiker sitzt im Parlamentarischen Kontrollgremium des Bundestags, das die Nachrichtendienste kontrollieren soll.

Selbst Experten überrascht

Erst Anfang September saß der Politikwissenschaftler und Historiker Helmut Müller-Enbergs neben Hanning auf einem Podium im Deutschen Spionagemuseum in Berlin. Müller-Enbergs kennt den ehemaligen BND-Chef seit Langem, war Lehrer an seiner BND-Schule: "Er machte einen seriösen, aber leicht angespannten, erschöpften Eindruck."

Wurde Hanning da schon observiert, war seine Festnahme schon beschlossen? Für Müller-Enbergs kam sie überraschend.

Verrat und Täuschung, das zeigt der Blick in die Geschichte der Geheimdienste, waren schon immer Teil des Geschäfts – mit einigen Spionen und Verrätern, Agenten und Doppelagenten bei den deutschen Nachrichtendiensten. Doch gerade, weil Nachrichtendienste auf Vertrauen angewiesen sind, wiegt jeder dieser Fälle schwer. Müller-Enbergs warnt: "Wenn dieses Vertrauen beschädigt wird, tritt eine unglaubliche Unsicherheit ein. Die Frage: Kann dem Dienst noch vertraut werden? Wie geht er mit Informationen um?"

Der Fall Felfe: Tausende Geheimdokumente für Moskau

Der erste große Spionagefall beim BND passiert 1961. Heinz Felfe, damals Leiter des Referats Gegenspionage Sowjetunion, wird verhaftet. Er entscheidet sich, für den sowjetischen Nachrichtendienst zu arbeiten. Mitten im Kalten Krieg schickt er Tausende von geheimen Dokumenten nach Moskau. Dazu kommt: Erst nach seiner Verhaftung wird öffentlich, dass Felfe während des Zweiten Weltkriegs SS-Mann war – und mit ihm Dutzende weitere Mitarbeiter des BND. Der Skandal trifft den Dienst schwer. Jahrelang wird sich der BND davon nicht erholen.

Spionage im Kanzleramt

Den folgenreichsten Spionagefall in der deutschen Geschichte löste 1974 ein DDR-Spionagepaar aus: Christel und Günter Guillaume werden jahrelang aus der DDR als Agenten in den Westen geschickt – und arbeiten dort fast 20 Jahre unentdeckt. 1974 arbeitet Günter Guillaume in engster Nähe beim damaligen Bundeskanzler Willy Brandt, da werden sie enttarnt. Ihr Sohn Pierre Boom erinnert sich bei Kontrovers: "Mein Vater hat im Moment der Verhaftung, noch in der Wohnung, allerdings nicht in meiner Gegenwart, zu einem der BKA-Beamten gesagt, er sei Bürger der DDR und Offizier damals der Nationalen Volksarmee."

Der Skandal ist riesig, die Stimmung aufgeladen. Als Folge tritt am 6. Mai 1974 Willy Brandt als Bundeskanzler zurück. Anderthalb Jahre später werden Günter Guillaume zu 13 Jahren und Christel Guillaume zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Was bedeutet der Fall Hanning für den BND?

Für August Hanning gilt die Unschuldsvermutung. Ob sich die Vorwürfe bestätigen, muss das weitere Verfahren zeigen. Was folgt für den BND? Konstantin von Notz hält es für entscheidend, künftig zu verhindern, dass hochrangige Geheimnisträger ihr Wissen im Ruhestand zu Geld machen.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!