18.06.2026, Belgien, Brüssel: Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, kommt zum Nato-Verteidigungsministertreffen
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Vor dem Ankara-Gipfel: Die Nato braucht inzwischen die Ukraine

Vor dem Ankara-Gipfel: Die Nato braucht inzwischen die Ukraine

Das Kräfteverhältnis zwischen Nato und Ukraine hat sich zugunsten Kiews gewandelt: Die Allianz betrachtet die Ukraine nicht mehr als Last, sondern als unverzichtbarer militärisches Schutzschild gegen Putin. Die Nato braucht inzwischen die Ukraine.

Über dieses Thema berichtet: Die Entscheidung am .

US-Präsident Donald Trump ändert seinen Tonfall gegenüber dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj: "Er macht das sehr gut. Zumindest hält er ganz allein durch", lobte Trump vor wenigen Tagen in Anwesenheit von Nato-Generalsekretär Mark Rutte in Washington. "Ich finde, er schlägt sich ziemlich gut. Man muss sagen, er ist mutig. Er hat eine großartige Ausrüstung. Er hat sehr viel davon."

Politische Lichtjahre liegen zwischen diesen Aussagen Trumps über die jetzigen militärischen Fähigkeiten der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russlands Invasionstruppen und der öffentlichen Demütigung Selenskyjs durch den US-Präsidenten Ende Februar 2025 im Oval Office. Das damalige Verdikt Trumps, "you don't have the cards", gehört der Vergangenheit an.

Stattdessen macht sich in Washington die Erkenntnis breit, dass die Ukraine vieles zu bieten hat, was selbst die US-Streitkräfte nicht besitzen: eine weltweit dominante Vorreiterrolle in der Drohnentechnologie, eine hoch innovative und rasch reagierende Rüstungsindustrie und jahrelange Kampferfahrungen unter grundlegend neuartigen Gefechtsfeldbedingungen.

Warum braucht die Nato die Ukraine?

Erstens: Die Allianz verändert sich sehr zügig unter Trump. Die USA dringen darauf, dass die europäischen Nato-Partner den ganz überwiegenden Teil der Verteidigungslasten für die Sicherheit Europas übernehmen. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Status der Ukraine als ultimativer Schutzschild gegen die russische Expansion für die europäische Sicherheit nochmals deutlich an Bedeutung. Denn die USA werden zwischen einem Drittel bis zur Hälfte ihrer militärischen Hardware aus Europa abziehen – von Kampfflugzeugen, über Raketensysteme und Betankungsflugzeugen bis hin zum einzigen mit Marschflugkörpern bestückten U-Boot.

Zweitens: Die ukrainischen Streitkräfte sind mit ihren rund 800.000 Soldaten und ihrem jahrelangen erfolgreichen Abwehrkampf gegen Russlands Invasionstruppen die kampfkräftigste Armee zwischen Russland und der Nato. Die Mitgliederländer der Allianz lernen von den ukrainischen Erfahrungen, Kenntnissen und Fähigkeiten im Drohnen- und Drohnenabwehrkrieg und wollen davon profitieren. Deutschland etwa kann nach Worten von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius vor drei Wochen "dabei auch von den Erfahrungen profitieren, die die Ukraine auf dem Gefechtsfeld im russischen Angriffskrieg macht und auch bei der Entwicklung und der Produktion von Drohnen". Kein anderes Land als die Ukraine verfügt über dieses Know-how.

Der Krieg in der Ukraine, so die US-Senatorin Jeanne Shaheen vom Streitkräfteausschuss des Senats, "hat uns gezeigt, wie sehr sich die Natur des Krieges verändert". Und Krieg sehe heute ganz anders aus als noch zu Beginn des Krieges in der Ukraine und er werde "aufgrund von KI und dessen, was das bedeutet, noch ganz anders aussehen". Das Fazit der Senatorin wenige Tage vor dem Nato-Gipfel: "Gott sei Dank leisten die Ukrainer dabei so hervorragende Arbeit. Wir brauchen ihre Hilfe, damit wir, die Nato und der Rest des Bündnisses herausfinden können, wie wir es besser machen können."

Weitere Unterstützung der Ukraine auf dem Nato-Gipfel

Sollte die Abschlusserklärung des Nato-Gipfeltreffens in Ankara, deren Text am Freitag von der Nachrichtenagentur Reuters eingesehen werden konnte, unverändert bleiben, dann wird die Ukraine mit weiteren massiven Finanzzusagen rechnen können. Die Mitgliederländer sagen demzufolge der Ukraine für 2026 Militärhilfe in Höhe von 70 Milliarden Dollar zu sowie für 2027 Unterstützung in "mindestens gleicher Höhe".

Es dürfte in Ankara nicht allein bei den materiellen Hilfen für die Ukraine bleiben: So wird in dem Abschlusstext des Nato-Gipfels hervorgehoben, dass Russland eine "langfristige Bedrohung für die euroatlantische Sicherheit und Stabilität" darstelle. Dies wäre, falls der Text von den 32 Staats- und Regierungschefs einschließlich des US-Präsidenten angenommen werden sollte, geradezu eine 180 Gratwende der amerikanischen Sicherheitsstrategie.

Im vergangenen November war in dem offiziellen Dokument, der "National Security Strategy", davon nicht die Rede. Vielmehr wurde betont, die USA wollten eine "strategische Stabilität mit Russland" anstreben. Ob der US-Präsident in Ankara diese Kehrtwende billigen und auch die Beistandsklausel 5 im NATO-Vertrag ausdrücklich bestätigen wird, wie es in dem Kommuniqué heißt, bleibt daher offen.

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