Beispiellose Waldbrände in Frankreich und Spanien haben nach offiziellen Angaben bis Samstag über 300.000 Menschen in die Flucht getrieben.
In Südwestfrankreich brannte im Département Gironde bislang eine Fläche von der vierfachen Größe der Hauptstadt Paris ab, wie Laurent Nuñez sagte. Im Département Gironde mussten sich demnach 220.000 Menschen in Sicherheit bringen, außerdem etwa 30.000 im benachbarten Département Landes.
Für Spanien gab das zuständige Innenministerium die entsprechende Gesamtzahl am Samstagmittag mit mehr als 60.000 an. Laut dem Innenministerium wurden alleine im Raum der Hauptstadt Madrid rund 25.000 Menschen zur Evakuierung aufgefordert. Den Behörden zufolge war das Feuer dort "nicht zu löschen".
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Frankreich beruft Krisenstab und setzt Militär ein
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron schrieb auf X, sein Land mobilisiere "alle zivilen und militärischen Mittel". Bei mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland und der Schweiz, bedankte er sich für die Unterstützung.
Die Zahl der Soldaten, die die 1.200 Feuerwehrleute bei den Löscharbeiten unterstützen, werde von 500 auf 1.000 erhöht, teilte Premierminister Sébastien Lecornu nach einer Sitzung des interministeriellen Krisenstabs mit. Schon jetzt habe das Feuer in dem Gebiet bereits eine Fläche von 42.000 Hektar verwüstet. Damit zählen die Brände in der Gegend zu den größten in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg. 1949 hatte ein Großbrand im Gebiet der Gascogne etwa 50.000 Hektar zerstört.
Auch in anderen Regionen Frankreichs, darunter im Département Var und auf der Insel Korsika, kämpfen Feuerwehrleute gegen weitere Brände.
Evakuierung von Cap Ferret angeordnet
Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Rund 44.000 Einwohner und Urlauber verließen das Gebiet. Außerdem wurden Orte nahe Bordeaux evakuiert.
Die Autobahn A63 zwischen der Großstadt Bordeaux und Spanien wurde laut der Präfektur wegen der Brände auf einer Länge von 60 Kilometern für den Autoverkehr gesperrt. Der Bahnverkehr in Gegenden südlich von Bordeaux wurde ausgesetzt, wie die Bahngesellschaft SNCF mitteilte. Reisen in die betroffenen Gebiete können kostenlos verschoben oder storniert werden.
Die Waldbrände bei Bordeaux wirken sich auch auf die Tour de France aus: Die letzte Etappe wird verkürzt und komplett in Paris ausgetragen, wie die Tour-Organisation und die Polizei mitteilten. Demnach hat das Innenministerium entschieden, einen Teil der ursprünglich für die letzte Etappe eingeteilten Sicherheitskräfte abzuziehen, um die Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten zu verstärken.
60.000 Menschen in Spanien evakuiert
Spanien kämpft ebenfalls gegen zahlreiche Waldbrände. Wegen der schweren Feuer rief die Regierung für die Umgebung der Hauptstadt Madrid sowie für die Region Ávila den Notstand aus. Wie das spanische Innenministerium auf der Plattform X mitteilte, mussten inzwischen 59.488 Menschen ihre Häuser verlassen. Weitere 28.262 Menschen waren demnach von den Bränden betroffen, konnten ihre Wohnungen oder Häuser aber wegen der Lage nicht verlassen.
Zwei von drei Bränden westlich von Madrid waren nach Behördenangaben zu einem Großfeuer verschmolzen, das sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León verbinden könnte. Der größte Brand in Spanien in der Provinz Guadalajara nordöstlich von Madrid loderte am Samstag weiter. Dort vernichteten die Flammen bislang etwa 32.000 Hektar Land.
Bei einem Brand unweit der Stadt Valencia im Osten des Landes kam ein Mensch ums Leben. Die Stadtverwaltung des Ortes Manises teilte auf X mit, das Feuer sei unter Kontrolle gebracht worden, es habe aber ein Todesopfer gegeben.
Merz erklärt Bereitschaft zur Unterstützung
Die EU entsandte nach Angaben der Europäischen Kommission vier Löschflugzeuge nach Spanien und drei nach Frankreich. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, Deutschland sei bereit, Frankreich im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzmechanismus zu unterstützen.
Auch in Italien kämpften Einsatzkräfte weiter gegen zahlreiche Brände. Besonders betroffen waren Sizilien und Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden am Freitag Dutzende Feuer gemeldet.
Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet und erschwerten die Löscharbeiten.
Im Video: Waldbrände in Frankreich und Spanien
Kampf gegen Waldbrände
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