Nach der Messerattacke mit einem Toten gestern Nachmittag in Regensburg hat die Polizei heute bei einer Pressekonferenz neue Details zur Tat bekanntgegeben.
So war der bei dem Messerangriff getötete Bankmitarbeiter nach ersten Erkenntnissen der Ermittler wohl ein Zufallsopfer. Das Motiv des 20 Jahre alten mutmaßlichen Täters sei bislang noch "relativ unklar", sagte Robert Fuchs von der Kriminalpolizei Regensburg bei einer Pressekonferenz.
Mehrfach auf Bankmitarbeiter eingestochen
Der mutmaßliche Angreifer habe einen Zettel in der Bank dabeigehabt, auf dem etwas von einem Überfall und einem Bankraub gestanden habe, sagte Fuchs. Es habe ein Küchenmesser in die Luft gehalten, sei an dem Tresen vorbei zu dem Mitarbeiter gegangen und habe mehrfach auf den Bankmitarbeiter eingestochen. Danach habe sich der Angreifer in andere Räume zurückgezogen.
Bargeld hätte der 20-Jährige in der Filiale laut Polizei ohnehin nicht erbeuten können. Es handle sich um eine bargeldlose Filiale. Hinweise auf eine psychische Erkrankung des deutschen Staatsbürgers lägen nicht vor, sagte Thomas Schug von der Staatsanwaltschaft Regensburg.
Tatverdächtiger stellte sich kurz zuvor in anderer Sache der Polizei
Der Tatverdächtige war weniger als 24 Stunden vor der Tat in Polizeigewahrsam. Er sei zur Polizei gekommen und habe sich selbst stellen wollen, unter anderem weil er seinen Angaben zufolge eine Bierflasche auf ein Polizeigelände geworfen habe, sagte Polizei-Einsatzleiter Erwin Frankl. Es habe jedoch keine Haftgründe gegeben, weswegen der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt worden sei.
Der junge Mann sei in den vergangenen Jahren wiederholt polizeilich wegen kleinerer Delikte in Erscheinung getreten. Unter anderem sei er mehrmals vermisst worden, als er nicht rechtzeitig in eine Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung zurückgekehrt war. Zudem war in der Vergangenheit bereits ein Waffenbesitzverbot gegen ihn ausgesprochen worden, nachdem er mit einem Messer und einem Elektroschocker angetroffen worden war.
Bankkunden mit Kleinkind durch Fenster in Sicherheit gebracht
Die Polizei schilderte bei einem Pressetermin am Freitag auch die dramatischen Stunden nach dem Notruf. Demnach hat auch ein Elternpaar mit Kleinkind die Gewalttat in der Regensburger Bank miterlebt. Ihm und einem Kundenberater sei es gelungen, mit dem schwer verletzten Opfer in einen anderen Raum zu gelangen. Dort leisteten sie Erste Hilfe. Die inzwischen eingetroffene Polizei konnte die Gruppe mit dem Opfer über ein Fenster nach draußen holen. Der Schwerverletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht, wo er wenig später starb. Der Täter hatte sich währenddessen in den hinteren Teil der Filiale geflüchtet.
Spezialkräfte konnten später zwei weitere Bankmitarbeiter ebenfalls aus der Bankfiliale holen. Sie hatten sich in einem Büro verschanzt und dort Kontakt mit der Polizei gehalten - per Telefon und durch eine Glasscheibe.
Ein Großaufgebot der Polizei war am Einsatzort
Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen
Gegen 18 Uhr führten die Polizeikräfte schließlich den Tatverdächtigen aus der Filiale. Er habe sich in der Toilette befunden und ohne Widerstand festnehmen lassen. Der 20-Jährige sitzt nun unter anderem wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Das gab Staatsanwalt Thomas Schug bekannt. Ein von seiner Behörde beantragter Haftbefehl sei von einer Ermittlungsrichterin erlassen worden. Es gebe derzeit keine Anhaltspunkte dafür, dass der Mann schuldunfähig sei. Er werde aber untersucht. Drogen seien bei dem 20-Jährigen nicht gefunden worden, hieß es von der Polizei.
Bei dem tödlichen Messerangriff hat der Täter nach Erkenntnissen der Polizei ein Küchenmesser benutzt. Die Klinge sei zwölf Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit. Man habe es in der Nähe der Toilette gefunden. Es sei wohl saubergemacht worden. In der Küche habe man entsprechende Spuren gefunden.
Die Kriminalpolizei Regensburg ermittelt in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Regensburg wegen Mordes sowie eines versuchten Raubdelikts.
Am Tag nach dem Angriff drückten Menschen an der Filiale ihre Trauer aus, indem sie Blumen ablegten und Kerzen aufstellten. Die Belegschaft der Bank trauert nun um ihren Kollegen. "Wir sind zutiefst bestürzt über den Verlust eines unserer Kollegen infolge dieses tragischen Vorfalls", teilte die Bank nach der Tat mit.
Mit Material von dpa
Im Video: Messerangriff in Regensburg – der Tag danach
Nach Messerattacke: Ermittlungen in Regensburg
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