(Symbolbild) Ein Löschhubschrauber der Bundeswehr lässt Wasser über einem Waldstück ab.
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(Symbolbild) Ein Löschhubschrauber der Bundeswehr im Einsatz im Sommer 2025 bei einem Waldbrand an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg.
Bildrechte: picture alliance/dpa | Robert Michael
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(Symbolbild) Ein Löschhubschrauber der Bundeswehr im Einsatz im Sommer 2025 bei einem Waldbrand an der Grenze zwischen Sachsen und Brandenburg.

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Was Verteidigung mit Klima und Katastrophenschutz zu tun hat

Was Verteidigung mit Klima und Katastrophenschutz zu tun hat

Der Klimawandel sorgt für mehr Extremwetter. Wir müssen Städte umbauen, um uns vor Hitze und Hochwasser zu schützen. Doch Experten mahnen, auch das Sicherheitsrisiko zu bedenken: Der Klimawandel kann ganze Staaten destabilisieren – auch bei uns.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Steigende Meeresspiegel, steigende Temperaturen, Dürren und Überschwemmungen: All das wird Menschen in vielen Regionen der Welt in Zukunft immer stärker in Bedrängnis bringen. Im schlimmsten Fall kann das sogar zu bewaffneten Konflikten führen oder sie verstärken. Forschende und NGOs mahnen schon länger, den Klimawandel als Sicherheitsrisiko nicht aus dem Blick zu verlieren. Das ist nicht nur ein Thema für ferne Kontinente. Auch hier in Deutschland könnte der Klimawandel ganz konkret destabilisieren.

  • Zum Artikel: Dürre, Migration, Krieg: Der Klimawandel als Sicherheitsrisiko?

Kritische Infrastruktur gefährdet

Konstantinos Tsetsos forscht am Metis Institut für Strategie und Vorausschau der Universität der Bundeswehr in Neubiberg. Er entwirft fiktive Szenarien, wie so eine Lage entstehen könnte. Eines dieser Szenarien beschreibt, wie Deutschland durch massive Waldbrände an die Belastungsgrenze geführt wird.

Waldbrände könnten in Zukunft häufiger vorkommen, aber auch gezielt als Mittel einer hybriden Kriegsführung genutzt werden, skizziert der Politikwissenschaftler: "Wenn ich der russische Geheimdienst wäre und Deutschland wirklich mal im Sommer schachmatt setzen will, dann würde ich 100 Feuer legen und zwei Wochen zugucken, wie wir uns intern selbst zerfleischen."

Käme dann zum Beispiel ein gezielter Cyberangriff auf die kritische Infrastruktur dazu, könne Deutschland über Wochen lahmgelegt werden. Szenarien, die nicht eintreffen müssen, aber auf die Deutschland vorbereitet sein sollte, so der Forscher.

Germanwatch: Klimawandel eine der größten Sicherheitsbedrohungen

Für Laura Schäfer von der Nichtregierungsorganisation Germanwatch ist klar: "Die Klimakrise ist eine der größten Sicherheitsbedrohungen unserer Zeit und wir können es uns gar nicht mehr leisten, Sicherheit und Klima getrennt zu betrachten." Zwar sei der Klimawandel meistens nicht der alleinige Grund für einen bewaffneten Konflikt, sagt die Bereichsleiterin für internationale Klimapolitik gegenüber der ARD-Klimaredaktion, aber er könne Risiken verstärken: "Wir sehen jetzt schon ganz deutlich, dass klimabedingte Extremwettereignisse Menschenleben fordern, sie zerstören Lebensgrundlagen, sie verstärken Nahrungsmittelunsicherheiten, sie beschädigen aber auch kritische Infrastrukturen und beeinträchtigen globale Lieferketten."

Vom Klimawandel betroffene Regionen oft auch politisch fragil

Das betrifft bisher vor allem große Teile Afrikas, aber auch den Nahen Osten und viele Inselstaaten in tropischen und subtropischen Gebieten, sagt Benjamin Pohl von der Nachhaltigkeits-Denkfabrik Adelphi: "Leider ist es so, dass sich die fragilsten Regionen eben auch mit den vulnerabelsten Regionen weitgehend überlappen." Dort sei der Druck auf die Gesellschaften am größten.

Klimawandel als Kernfrage der Sicherheitspolitik

Die Folge ist dann häufig Migration in Ballungsräume hinein oder auch die Flucht aus diesen Regionen. Für Laura Schäfer von Germanwatch bleibt wichtig, Emissionen zu reduzieren, um die Erderwärmung möglichst in Grenzen zu halten. Doch der Ausbau erneuerbarer Energien ist für sie auch eine Frage der Unabhängigkeit von Rohstoffen, wie Öl und Gas. All das seien Sicherheitsfragen, die zusammen gedacht werden sollten: "Deswegen gehört für uns Klima auch auf die Agenda der Münchner Sicherheitskonferenz als eine Kernfrage von vorausschauender Sicherheits- und Außenpolitik."

Militärisches Gerät auch für zivile Nutzung

Laut Konstantinos Tsetsos vom Metis Institut müssen die Herausforderungen durch den Klimawandel auch bei der Beschaffung von militärischem Gerät mitgedacht werden. Ein Panzer müsse sowohl bei minus als auch bei plus 50 Grad funktionieren. Und das Gerät müsse auch für zivile Einsätze im Katastrophenschutz geeignet sein. Ein Helikopter sei zunächst dafür da, Personal, Munition oder anderes Gerät von A nach B zu fliegen. "Aber man kann ihn ja so beschaffen, dass man da am Ende auch einen 3.000-Liter-Löschwassersack unten dranhängen kann", sagt Tsetsos.

Forscher: Sicherheitskreise haben den Klimawandel auf dem Schirm

Der Politikwissenschaftler hat auch eine beruhigende Botschaft: Auch wenn der Klimawandel in den vergangenen Jahren weniger als Thema öffentlich im Fokus der Sicherheitspolitik steht, hätten Militärs und Sicherheitsbehörden diese Herausforderungen durchaus auf dem Schirm und in wichtigen strategischen Papieren mit bedacht.

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