Maracaibo, Venezuela: Türme und Ölplattformen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA am Ufer des Maracaibo-Sees
Maracaibo, Venezuela: Türme und Ölplattformen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA am Ufer des Maracaibo-Sees
Bild
Maracaibo, Venezuela: Türme und Ölplattformen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA am Ufer des Maracaibo-Sees
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Jose Isaac Bula Urrutia/ Eyepix
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Jose Isaac Bula Urrutia/ Eyepix
Audiobeitrag

Maracaibo, Venezuela: Türme und Ölplattformen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA am Ufer des Maracaibo-Sees

Audiobeitrag
>

Trumps Öl-Pläne in Venezuela – und die Folgen fürs Klima

Trumps Öl-Pläne in Venezuela – und die Folgen fürs Klima

Venezuela besitzt rund 17 Prozent der weltweiten Ölreserven. Doch in den letzten Jahren wurde nur ein Bruchteil davon gefördert. Präsident Trump möchte, dass US-amerikanische Ölkonzerne in Venezuela investieren. Das beschäftigt auch Klimaforscher.

Über dieses Thema berichtet: Politik und Hintergrund am .

Paasha Mahdavi, Direktor der Forschungsgruppe für Energiepolitik und Politische Ökonomie an der University of California, Santa Barbara, betont mit Blick auf die Ölpläne des US-Präsidenten: "Die Auswirkungen auf das Klima sind ziemlich schwerwiegend." Denn: "Venezuelas Öl ist besonders CO₂- und methanintensiv, beides starke Treibhausgase, die für die globale Erwärmung verantwortlich sind."

Umweltschäden in artenreichen Ökosystemen Venezuelas

Ein Großteil der Ölreserven liegt im Osten Venezuelas, nahe des Orinoco-Flussgebiets und des venezolanischen Amazonas-Waldes. Mahdavi betont: "Das ist eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt, ganz zu schweigen von einem der größten Kohlenstoffspeicher des Planeten." Dass durch die Bohrungen Umweltschäden entstehen, daran bestehe "kein Zweifel".

Marode Infrastruktur und Sicherheitsfragen: Risiken für US-Ölkonzerne

Obwohl Recherchen des "Wall Street Journals" (externer Link) darauf hindeuten, dass Trump einzelnen Chefs von amerikanischen Ölkonzernen frühzeitig Hinweise auf "große Veränderungen" in Venezuela gegeben hat, sind die Unternehmen teils zurückhaltend, beobachtet Energiepolitik-Experte Paasha Mahdavi: "Die Unsicherheit in diesem Sektor ist recht hoch und es gibt viele Zweifel daran, wie schnell die Produktion wiederbelebt werden kann." Denn die Infrastruktur zur Ölförderung in Venezuela ist marode: Pipelines sind undicht, Anlagen veraltet.

Hinzu kommen politische Unsicherheiten nach dem US-Eingriff in Venezuela, der laut Juristen als völkerrechtswidrig gewertet werden könnte. Miranda Schreurs, Lehrstuhlinhaberin für Climate and Environmental Policy an der Technischen Universität München, beschreibt mögliche Investitionen wie folgt: "Für die Ölkonzerne ist es natürlich ein gewaltiges Risiko, wenn man in ein Land wie Venezuela investieren soll, ohne zu wissen, wie es sich politisch entwickelt." Großinvestitionen könnten sich erst nach vielen Jahren rechnen.

Strategische Interessen der USA

Sabrina Schulz, Deutschland-Direktorin der Denkfabrik "European Initiative for Energy Security", analysiert die Ölpläne der USA als Teil einer größeren Strategie: "Die Trump-Administration spielt die strategische Doktrin der Energiedominanz voll aus." Es gehe unter anderem um die Energiesicherheit der USA und um Kontrolle der globalen Energiemärkte.

"Weckruf für Europa": In erneuerbare Energien investieren

Für Europa sieht Schulz darin einen Handlungsauftrag: "Es sollte definitiv ein Weckruf sein. Wir geben seit sehr vielen Jahren in der EU etwa 400 Milliarden Euro jedes Jahr für fossile Importe aus. Dieses Geld könnten wir in erneuerbare Energien, Netzausbau, Speicher, Batterien und Elektrifizierung von Mobilität und Industrie investieren."

Obwohl erneuerbare Energien weltweit wachsen, haben laut dem Jahresbericht des Londoner Energy Institute fossile Energieträger 2024 mehr als 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs gedeckt. Die USA unter Trump sind zum zweiten Mal aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen.

Szenario: Konsequenzen für das Klima

Sollte in Venezuela in den kommenden fünf Jahren zweieinhalbmal so viel Öl gefördert werden wie jetzt, hätte das messbare Folgen fürs Klima, warnt Paasha Mahdavi von der University of California, Santa Barbara: "Das wäre ein Anstieg von etwa 550 Millionen Tonnen CO₂, die jährlich in die Atmosphäre ausgestoßen würden. Zum Vergleich: Das ist mehr als die Hälfte aller Benzinfahrzeuge, die in den Vereinigten Staaten ein Jahr lang fahren."

Miranda Schreurs von der TU München weist darauf hin, dass sich zwar argumentieren ließe, neue Investitionen könnten die Ölförderung modernisieren und damit die einhergehende Umweltverschmutzung reduzieren – entsprechende Effekte würden jedoch erst nach Jahren eintreten.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!