Zwei Frauen laufen im Nieselregen mit Schirmen durch eine Fußgängerzone.
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Immer mehr Frauen schränken aus Angst vor digitaler Gewalt ihr Verhalten im Netz ein.
Bildrechte: picture alliance / Panama Pictures | Christoph Hardt
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Wegen sexualisierter Gewalt im Netz: Frauen ziehen sich zurück

Wegen sexualisierter Gewalt im Netz: Frauen ziehen sich zurück

Immer mehr Frauen schränken aus Angst vor digitaler Gewalt ihr Verhalten im Netz ein. Viele von ihnen sind bereits Opfer geworden. Der Deutsche Frauenrat sieht Plattformen wie Instagram in der Pflicht und fordert den Gesetzgeber zum Handeln auf.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die Angst vor sexualisierter Gewalt im Netz ist unter erwachsenen Frauen in Deutschland weit verbreitet. Die Mehrheit der Bundesbürgerinnen schränkt aus diesem Grund das eigene Verhalten im Netz ein und zieht sich aus digitalen Räumen zurück.

Das ist das Ergebnis einer am Montag vorgestellten repräsentativen Online-Umfrage im Auftrag des Deutschen Frauenrates. Befragt wurden Frauen zwischen 18 und 74 Jahren. Neun von zehn wünschen sich besseren Rechtsschutz und acht von zehn bessere Bildungsangebote für Jungen und Männer zu Sexismus.

Zwei Drittel aller Frauen ziehen sich zurück

Eine Mehrheit hat laut der Umfrage das Gefühl, dass Frauen im Netz gefährdeter seien und vorsichtiger sein müssten als Männer. Zwei Drittel aller Befragten ändern demnach aus Sorge vor einer missbräuchlichen Nutzung von Fotos und Videos ihr Verhalten im Internet; sie teilten etwa weniger Bilder oder verzichteten ganz auf Online-Aktivitäten.

In der Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen sind es mit 76 Prozent gut zehn Prozent mehr. Dabei sei mehr als die Hälfte der Befragten bislang gar nicht wissentlich persönlich von digitaler Gewalt betroffen gewesen.

Hoher Anteil: Viele Frauen haben bereits Gewalt erlebt

Knapp ein Drittel der Frauen zwischen 18 und 39 Jahren und insgesamt 14 Prozent aller befragten Frauen hat laut dem Befund bereits erlebt, dass intime Bilder ohne Einwilligung digital verbreitet worden seien. Dazu gehörten etwa Nacktfotos oder private Videos, die in Chats oder auf Pornoseiten landeten. 13 Prozent hätten bereits Erfahrungen mit sexualisierten Deepfakes und durch Künstliche Intelligenz erstellten Darstellungen gemacht.

Frauenrat nimmt Plattformen und Gesetzgeber in die Pflicht

Der Deutsche Frauenrat fordert ein Umdenken beim Schutzgedanken. Betroffene müssten schnell und wirksam vor sexualisierter Gewalt geschützt werden. Dazu gehöre ein umgehendes Löschen der betreffenden Inhalte. Auch brauche es mehr Prävention. "Nicht die Frauen müssen im Netz verschwinden, sondern die problematischen Bilder", sagte die Geschäftsführerin des Frauenrates, Judith Rahner.

Zudem müssten Plattform-Betreiber und KI-Anbieter in Verantwortung genommen werden. Dafür, dass es KI noch gar nicht so lange gibt, sei die Zahl der von KI generierten Gewaltbilder bereits hoch. "Da rollt noch eine große Welle auf uns zu", warnte Rahner. Die staatliche Verantwortung beginne nicht erst, wenn die Gewalt bereits stattgefunden hat.

Extreme Inhalte verbreiten sich stärker

Der Jenaer Soziologe Matthias Quent sprach von einer Einschüchterung von Frauen im Netz, die Konsequenzen habe. Während sie weniger sichtbar würden, würden Inhalte auf sozialen Netzwerken immer mehr von Männern geprägt. Diese sogenannte Manosphere lasse ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit entstehen. Die Juristin Theresia Rasche vom Deutschen Juristinnenbund betonte, dass Plattformen wie Instagram oder X keine neutralen Anbieter seien. Sie profitierten von extremen Inhalten. Je krasser das Bild oder das Video sei, desto mehr Menschen klickten auf den Inhalt. Daher müssten sie ihrer Verantwortung für das Verbreiten solcher Inhalte gerecht werden.

Hubig-Pläne noch nicht umgesetzt

Die Schauspielerin Collien Fernandes, die ihre Erfahrungen mit digitaler sexualisierter Gewalt im Frühjahr öffentlich gemacht und damit eine Debatte ausgelöst hatte, sprach sich dafür aus, bei dem Thema mehr Druck auf die Politik zu machen, damit gesetzgeberische Konsequenzen gezogen werden. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hatte im Mai Pläne vorgestellt, nach denen etwa schon das Erstellen ungewollter sexualisierter Darstellungen unter Strafe gestellt wird. Sie müssen noch von der gesamten Bundesregierung gebilligt und dann im Bundestag beraten werden.

Mit Informationen von KNA, EPD

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