Nummerierte Goldbarren der Bundesbank liegen aufgeschichtet auf einem Tisch.
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Gut diversifiziert: Die Bundesbank lagert Goldreserven in Milliardenhöhe in den USA und in Großbritannien.
Bildrechte: picture alliance / Arne Dedert/dpa | Arne Dedert
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Gut diversifiziert: Die Bundesbank lagert Goldreserven in Milliardenhöhe in den USA und in Großbritannien.

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Wie sicher sind Deutschlands Goldreserven in den USA?

Wie sicher sind Deutschlands Goldreserven in den USA?

Deutschland hat – nach den USA – die weltweit größten Goldreserven. Doch nicht alles lagert hierzulande. Gut ein Drittel der Vorräte liegt in New York – aus Sicherheitsgründen, wie die Bundesbank sagt. Doch wie sicher ist unser Gold dort wirklich?

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Gold ist für viele Menschen der Inbegriff von finanzieller Stabilität – auch die Bundesrepublik Deutschland setzt darauf. Die Bundesbank verfügt weltweit sogar über den zweitgrößten staatlichen Goldbestand – hinter den USA. Doch erhebliche Teile des deutschen Goldes befinden sich gar nicht hierzulande, sondern in den Vereinigten Staaten. Seit Donald Trump im Weißen Haus sitzt, fragen sich viele: Könnte "America First" auch unser Gold betreffen?

Wie viel Gold hat die Bundesbank und wie viel liegt in den USA?

Genau 3.351,546 Tonnen Gold – über so viel verfügt die Deutsche Bundesbank laut ihrem jüngsten Geschäftsbericht von 2024 (externer Link). Die deutschen Goldreserven haben damit aktuell einen Wert von etwa 456 Milliarden Euro (Stand: 23. Januar 2026). Zum Vergleich: Damit könnte man rund 100 Mal den FC Bayern kaufen, den Forbes zuletzt auf rund 4,5 Milliarden Euro geschätzt (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt) hat.

Der Großteil der deutschen Goldreserven wird tatsächlich in den Tresorräumen der Bundesbank aufbewahrt: Etwa 1.710 Tonnen, das entspricht rund 51 Prozent, lagern tief unter der Erde in Frankfurt am Main. Weitere 1.236 Tonnen, also knapp 37 Prozent, sind bei der US-Notenbank, der Federal Reserve Bank (Fed), in New York untergebracht. Die restlichen 405 Tonnen, gut 12 Prozent, liegen bei der Bank of England in London.

Warum wird das deutsche Gold teilweise im Ausland gelagert?

Das hat einerseits historische Gründe, anderseits mit dem Charakter von Gold als Krisenwährung tun. Wie die Deutsche Bundesbank BR24 auf Anfrage erklärt, sind die Goldreserven der Bundesbank im Wesentlichen während der Nachkriegszeit entstanden. Dabei sei der Lagerstätte Fed New York, die seit über 100 Jahren eine Goldlagerstelle der deutschen Zentralbank ist, ein wesentlicher Teil zugeflossen.

Der Vorteil der US-Metropole: Am Handelsplatz New York treffen Handelspartner, die Goldterminbörse COMEX und die Emittentin der wichtigsten Reservewährung US-Dollar, die Fed, zusammen. Für den Fall, dass der Euro zusammenbrechen sollte, könnte das deutsche Gold so schnell in die Ersatzwährung US-Dollar umgetauscht werden.

Wer lagert noch alles Gold bei der Fed in New York?

Deutschland ist nicht der einzige ausländische Staat, der Gold in den Sicherheitsräumen der Fed geparkt hat, wie die Bundesbank versichert. 2015 befanden sich im unterirdischen Tresor der Fed im Stadtteil Manhattan 6.350 Tonnen Gold. Nach Informationen der Bundesbank gehört davon aber nur ein geringer Teil zu den staatlichen amerikanischen Goldreserven.

Allerdings hat der französische Präsident Charles de Gaulle in den 1960er Jahren mehrere Tonnen Gold der französischen Nationalbank aus den USA nach Europa zurückführen lassen – aus Sorge, Washington könnte es als Druckmittel gegen Paris einsetzen. Die Bundesbank jedoch betont auf BR24-Nachfrage, dass sie keine derartigen Pläne verfolgt und nach wie vor auf die Sicherheit und Unabhängigkeit der Fed setzt.

Kann man auf die sichere Verwahrung und den geschützten Zugriff vertrauen?

Grundsätzlich gilt, dass Währungsreserven eines Staates durch das Völkerrecht geschützt sind. Christian Marxsen, Rechtsexperte an der Humboldt-Universität zu Berlin, verweist im BR24-Interview auf den Ukraine-Krieg. Auch hier hätten manche Politiker überlegt, das Vermögen der russischen Zentralbank zur Entschädigung der Ukraine zu verwenden. Das sei aber eben wegen rechtlicher Bedenken nicht gemacht worden, erläutert er.

Ähnlich sieht es Pierre Thielbörger von der Ruhr-Universität Bochum. Zwar habe US-Präsident Trump wiederholt betont, dass er nicht allzu viel für das Völkerrecht übrighabe. Laut Thielbörger stehen die betreffenden völkerrechtlichen Regeln aber auch größtenteils im US-Gesetz. "Solange man davon ausgehen kann, dass die Gewaltenteilung in den USA noch funktioniert, ist ein Zugriff auf die deutschen Goldreserven also momentan eher unwahrscheinlich."

Thielbörger ergänzt: Sollte die US-Regierung deutsches Vermögen konfiszieren, würde das mit dem breiten Abzug anderer ausländischer Vermögenswerte beantwortet werden. Dadurch würde der Investitionsstandort USA erheblich geschwächt. Marxsen sieht noch einen anderen Grund: Denn auch die Vereinigten Staaten hätten weitreichende Vermögenswerte im Ausland. "Um ein 'Wie Du mir, so ich Dir' zu vermeiden, müsste Washington ein Interesse daran haben, Goldreserven anderer Staaten zu respektieren."

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