Symbolbild: Mutter und Tochter im Gespräch
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Wie spricht man mit Kindern über den Iran-Krieg?

Wie spricht man mit Kindern über den Iran-Krieg?

Ukraine, Gaza und jetzt Iran - auch Kinder erfahren von Kriegen. Oft reagieren sie darauf anders, als es Erwachsene erwarten. Wie Eltern erkennen können, was Kinder beschäftigt und welche Medien kindgerechte Informationen bieten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Seit Ende Februar prägen Bilder und Meldungen aus dem Nahen Osten die Nachrichten: Raketeneinschläge, Feuer, Verletzte. Auch Kinder nehmen das intensiv wahr – zum Beispiel auf Bildschirmen in der S-Bahn, auf Smartphones oder über Gespräche. "Wir denken oft, wir könnten Kinder vor schlechten Nachrichten beschützen. Aber das geht nicht", sagt die Psychologin Elisabeth Raffauf. Kinder hören Begriffe wie "Krieg", "Bomben" oder "Drohnen" – und spüren gleichzeitig die Anspannung der Erwachsenen. Das kann bei Kindern Ängste und Unsicherheit auslösen.

Kinder zeigen Sorgen oft indirekt

Wie sehr Kinder Bilder und Meldungen von Kriegen beschäftigen, ist nicht immer leicht zu erkennen. Raffauf empfiehlt, genau auf ihr Verhalten zu achten. Zum Beispiel spielten sie manchmal Kriegsszenen nach. "Das ist ein Zeichen, die Kinder haben was mitgekriegt und das beschäftigt sie." Auch wenn das vielleicht verstörend wirkt, rät die Psychologin dazu, ruhig zu bleiben. "Es ist nicht sinnvoll zu sagen, du darfst das nicht." Stattdessen gehe es eher darum nachzufragen: "Was beschäftigt dich eigentlich?"

Ernst nehmen statt abwiegeln

Zentral sei es, zuzuhören und Gesprächsbereitschaft zu zeigen, betont Raffauf. Dabei sollten Eltern oder Bezugspersonen die Ängste der Kinder unbedingt ernst nehmen. Es sei wichtig, dass die Kinder wissen, wir können darüber sprechen und Sorgen sind erlaubt. Wer sie kleinredet oder sagt, "da ist nichts", erreiche oft das Gegenteil, so Raffauf. Kinder merken, dass etwas nicht stimmt – und fühlen sich im Zweifel nicht ernst genommen. Eine häufig genannte Faustregel: Kinder müssen nicht alles wissen, aber das, was man ihnen sagt, sollte stimmen.

"Wissen hilft gegen Angst"

Die Medienpädagogin Maya Götz rät dazu, eigene starke Emotionen möglichst zurückzuhalten. Wut oder Fassungslosigkeit über politische Akteure oder Angriffe könnten Kinder zusätzlich verunsichern. Stattdessen sorgen klare, altersgerechte Einordnungen häufig dafür, dass diffuse Sorgen abgemildert werden können. "Wissen hilft gegen Angst", sagt Götz, die auch Leiterin des Zentralinstituts für Jugend- und Bildungsfernsehen beim Bayerischen Rundfunk ist. Zum Beispiel könne man erklären, dass der Krieg in einem weit entfernten Land stattfindet. Je älter Kinder sind, desto differenzierter können diese Erklärungen werden.

Nachrichtenangebote speziell für Kinder

Das komplexe Geschehen verständlich zu erklären, ist nicht leicht. Es gibt allerdings Unterstützung im Internet, zum Beispiel von Maya Götz auf den Seiten der Sendung mit der Maus (externer Link). Dort gibt es auch einen Antwortvorschlag auf die wohl häufigste Frage, nämlich warum es Krieg überhaupt gibt.

Bücher können ebenfalls helfen, über Themen wie Krieg oder Gewalt mit Kindern altersgerecht zu sprechen. Eines hat zum Beispiel die Psychologin Raffauf geschrieben. "Wann ist endlich Frieden?" heißt es. Auch Medienangebote erklären die Geschehnisse für jüngere Menschen. Dazu gehört etwa "logo!", die Kindernachrichten-Sendung des ZDF (externer Link).

Die Redaktion überlegt gezielt, welche Fragen Kinder zu Themen wie dem Iran-Krieg haben könnten, erklärt Redaktionsleiterin Constanze Knöchel im Gespräch mit BR24 Medien (Link zum Podcast), dem Medienpodcast des Bayerischen Rundfunks.

"Eine der wichtigsten Regeln ist außerdem, dass wir versuchen, Bilder zu vermeiden, die Kindern noch mehr Angst machen könnten." Stattdessen setzt "logo!" auf Erklärgrafiken und Animationen, die Zusammenhänge anschaulich machen und das Tempo der Nachrichten reduzieren. Auch die Sprache ist einfacher, um verständlicher zu sein. Und noch etwas ist bei "logo!" fest eingeplant, sagt Knöchel: Ein Witz am Ende der Sendung. Trotz grausamer Nachrichten und Sorgen sollen Kinder immer auch Leichtigkeit spüren.

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