Ein Schmähgedicht mit direkten Bezügen zur Politik der früheren Grünen-Minister Annalena Baerbock und Robert Habeck sorgt im Auswärtigen Amt für Wirbel. Das Berichten mehrere Medien. Der Text war im Mitarbeitermagazin "InternAA" erschienen und kritisiert deutlich den politischen Kurs unter der Außenministerin und dem Vizekanzler der Ampel-Koalition.
Die "Bild"-Zeitung hat Screenshots von dem Gedicht mit dem Titel "Ken & Barbie" veröffentlicht. Einen Tag lang war es online zu sehen. Inzwischen ist es durch eine Entschuldigung ersetzt worden. "Uns ist hier ein unschöner Fehler passiert", zitiert der "Spiegel" die "InternAA"-Redaktion. Demnach wurde schon im Sommer entschieden, den Text nicht zu veröffentlichen. Wie er jetzt trotzdem erscheinen konnte, ist offiziell unklar.
"Mit Hochglanzschminke um die Welt, das Haar immer perfekt gewellt"
In dem Gedicht heißt es unter anderem, "Die Außenwelten, feministisch gedacht, die Welt zu retten, doch nicht jeder, hat gelacht." Und: "Mit Hochglanzschminke um die Welt, das Haar immer perfekt gewellt, Hochglanzreden, ohne Geschick, hatte die Menschen, nicht mehr im Blick."
Mit Blick auf Baerbocks Posten als Präsidentin der UN-Vollversammlung schreibt der Verfasser: "Und sie, die Heimat verlässt, auf zum Big Apple, welch ein Fest, ein Job ergaunert, ganz elegant, das Volk frohlockt, nun ist sie verbannt."
Offenbar mit Bezug auf das sogenannte Heizungsgesetz schreibt der Autor, "Heizung aus, Pullover an, selbstgestrickt, von Mann zu Mann". Und weiter: "Ein Kinderschreck im Höhenflug, Politik, ganz wie ein schlechtes Buch." Eine Anspielung auf Habecks Vergangenheit als Kinderbuchautor.
Scharfe Kritik von der Gleichstellungsbeauftragten
Laut "Spiegel" handelt es sich bei dem Verfasser um Siegfried Geilhausen, den stellvertretenden deutschen Konsul im rumänischen Temeswar. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa, "InternAA" sei ein rein internes Magazin von Angehörigen des Auswärtigen Dienstes für Angehörige des Auswärtigen Dienstes. Die Redaktion treffe Entscheidungen über den Inhalt des Magazins unabhängig.
Intern war die Aufregung im Auswärtigen Amt aber wohl groß. Der "Spiegel" zitiert die Gleichstellungsbeauftragte Anne Glumm: "Es ist rückwärtsgewandte Polemik in Reimform, die stereotypische, sexistische und misogyne Narrative bedient." Die Mitarbeiterzeitung sei kein Ort für die "infame Diffamierung ehemaliger Regierungsmitglieder".
Sprecher: Wadephul hat nichts mit Text zu tun
Laut "Bild" sind auch Außenexperten der Union nicht begeistert vom Erscheinen des Textes. Ein Sprecher des Ministeriums versicherte dem "Spiegel", die Hausleitung um Minister Johann Wadephul (CDU) habe weder mit der Veröffentlichung noch der Löschung etwas zu tun.
Baerbock hatte im September ihren Posten als Präsidentin der UN-Vollversammlung angetreten. Ursprünglich war dafür die deutsche Top-Diplomatin Helga Schmid vorgesehen. Der frühere Vizekanzler und Ex-Wirtschaftsminister Habeck hatte nach dem Ausscheiden aus dem Amt zum 1. September auch sein Bundestagsmandat zurückgegeben. Er arbeitet für ein Forschungsinstitut in Dänemark.
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