Die Bundesregierung will das Wohngeld deutlich zurückfahren. Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) plant, die Leistung ab 2027 zu kürzen und so schrittweise knapp zwei Milliarden Euro einzusparen. Nach Einschätzung des Bundesbauministeriums könnte etwa ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte künftig leer ausgehen. "Sehr bitter, aber nicht anders machbar", sagt Hubertz zu den Reformplänen. Wie viele Menschen in Bayern betrifft das und welche Auswirkungen hätte die Reform hierzulande? Die wichtigsten Fragen und Antworten:
Wer bekommt Wohngeld?
Wohngeld unterstützt Menschen, deren Einkommen nicht ausreicht, um die Wohnkosten zu tragen. In Bayern bezogen im vergangenen Jahr knapp 120.000 Haushalte die Leistung, besonders viele in den teuren Ballungsräumen in Oberbayern, Schwaben und Mittelfranken. Im Schnitt lag die Unterstützung bei fast 300 Euro pro Monat. Besonders häufig beziehen Familien, darunter viele Alleinerziehende und Rentner die staatliche Unterstützung.
Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist der Anteil der Haushalte mit Wohngeld in Bayern am geringsten. Dennoch ist die Zahl der Anträge in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Grund ist die Wohngeld-Reform von 2023, durch die sich der Kreis der Berechtigten erweitert hat.
Was soll sich ändern?
Nach den Plänen des Bundes sollen vor allem Haushalte ihren Anspruch verlieren, die bislang nur knapp die Voraussetzungen für Wohngeld erfüllen. Der Bayerische Städtetag rechnet damit, dass auch im Freistaat etwa ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte aus der Förderung fallen könnte. Genaue Zahlen gibt es bislang nicht.
Bei einzelnen Städten nachgefragt, ergibt sich jedoch ein differenziertes Bild. Erlangen rechnet damit, dass von derzeit 1.283 Wohngeldhaushalten nur 73 betroffen wären. In Augsburg beziehen knapp 5.500 Haushalte Wohngeld. Nach einer ersten Schätzung würden dort rund 20 Prozent, also gut 1.000 Haushalte, ihren Anspruch verlieren, teilt die Stadt BR24 mit. Die Prognose sei jedoch unsicher, weil Details der Reform noch fehlten. München nennt bislang keine Schätzung.
Was passiert mit den Betroffenen?
Sozialverbände befürchten, dass viele Betroffene künftig Grundsicherung beantragen müssen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern kritisiert: "Das Ministerium verlagert das Problem, löst es aber nicht. Es spart beim Wohngeld und schiebt die Kosten in die Grundsicherung." Während das Wohngeld von Bund und Ländern finanziert wird, tragen die Kommunen bei der Grundsicherung die Kosten für Unterkunft und Heizung.
Finanziell könnte die Grundsicherung für manche Haushalte sogar höher ausfallen als das bisherige Wohngeld. Gleichzeitig gelten strengere Voraussetzungen. Wer Grundsicherung bezieht, muss Einkommen und Vermögen offenlegen und Erspartes nutzen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband bemängelt das Verfahren als "bürokratisch aufwendiger, stigmatisierend und den Verlust von Eigenständigkeit".
Der Verband befürchtet zudem, dass sich vor allem ältere Frauen aus Scham scheuen könnten, Grundsicherung zu beantragen. Dadurch drohe mehr Armut statt einer Entlastung der öffentlichen Haushalte.
Werden die Kommunen entlastet?
Wohngeld wird von Bund und Ländern finanziert. Die Kommunen bearbeiten die Anträge und zahlen die Leistung aus. Der Bayerische Städtetag und der Bayerische Landkreistag begrüßen die Reform grundsätzlich. Weniger Fälle könnten den Verwaltungsaufwand senken, so die Hoffnung. Der Sozialstaat müsse "zukunftsfähig, leistungsfähig und bezahlbar bleiben". "Alles, was dazu beiträgt, die heftig explodierenden Sozialausgaben zu senken", sei positiv zu bewerten.
Mehrere Städte erwarten jedoch kaum Entlastung. Augsburg rechnet frühestens ab 2028 mit geringeren Verwaltungskosten, weil zunächst viele Fälle nach altem Recht weiterlaufen. Erlangen sieht bei rund 70 wegfallenden Fällen keinen spürbaren Effekt. München befürchtet sogar Mehrkosten durch den Wechsel vom Wohngeld in die Grundsicherung. Dadurch könnten die kommunalen Sozialbudgets zusätzlich belastet werden.
Wie bewerten Fachleute die Pläne?
Ökonomen halten eine Reform des Wohngelds grundsätzlich für sinnvoll. Das ifo-Institut schlägt vor, Wohngeld, Bürgergeld und Kinderzuschlag zu einer einheitlichen Leistung zusammenzuführen und gleichzeitig bessere Hinzuverdienstmöglichkeiten für Geringverdienende zu schaffen. Das bisherige Wohngeld könne Arbeitsanreize verringern, weil mit steigendem Einkommen der Anspruch entfalle.
Neben Sozialverbänden lehnt auch der Deutsche Mieterbund die geplante Wohngeldkürzung ab. Sie sei "weder nachvollziehbar noch sozial" – vor allem weil "mehr als die Hälfte der Wohngeldbezieher Rentner und Alleinerziehende" seien. Anstatt diese Gruppen zu schützen, drohe ihnen zusätzliche finanzielle Belastung und der Wechsel in die Grundsicherung
Wie geht es mit der Wohngeld-Reform weiter?
Die Reform befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren. Der Gesetzentwurf soll im Herbst im Bundestag beraten werden, Änderungen sind möglich. Bereits ausgestellte Wohngeldbescheide sollen bis zu ihrem Auslaufen gültig bleiben.
Dieser Artikel ist erstmals am 29. Juli 2026 auf BR24 erschienen. Das Thema ist weiterhin aktuell. Daher haben wir diesen Artikel erneut publiziert.
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