Ein KI-generiertes Bild soll den römischen Kaiser Nero zeigen
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Historische KI-Videos – nützlich oder gefährlich?

Historische KI-Videos – nützlich oder gefährlich?

Historische KI-Videos boomen im Netz, etwa der römische Kaiser Nero – inszeniert als Netflix-Schurke. Die Filme zeigen perfekt inszenierte Welten. Schaffen sie neue Einblicke in die Vergangenheit? Wo liegt die Grenze zum Fake?

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

Tempelritter in martialischen Rüstungen auf der Brust inszeniert als Superhelden – in Zeitlupe schwingt ein muskulöser Kämpfer das Schwert. Ein Ritter kniet demütig vor dem Altar. Die Botschaft ist klar: Diese Männer bekämpfen das vermeintlich Böse – den islamischen Feind. Die Bilder: gestochen scharf. Alles wirkt so authentisch, als wäre die Kamera live dabei.

Auf TikTok und Instagram boomen KI-generierte Videos, die einen scheinbar realen Blick in die Vergangenheit werfen. Aber stimmen diese Bilder? Und welches Geschichtsbild vermitteln sie? Sylvia Rothe, Professorin für KI in der Medienproduktion an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, sieht in KI-generierten Geschichts-Videos Chancen, aber auch Risiken: "Man muss da tatsächlich aufpassen: Diese Schere zwischen Dinge interessanter zu machen, um sie auch einer neuen Nutzergruppe zugänglich zu machen, und dass die Museen nicht an Seriosität und historischer Korrektheit verlieren, das ist eine Gratwanderung."

Kaiser Nero inszeniert als Netflix-Schurke

Die Geschichte Neros erzählt als reißerischer Thriller – so inszeniert ein privater Geschichtsfreak das Schicksal des römischen Kaisers in einem TikTok-Filmchen. Der römische Kaiser, gezeigt in luxuriösem Ambiente, tötet seine eigene Mutter, fackelt Rom ab und zupft im Feuerschein seine Lyra. Ein Stoff wie aus einer Netflix-Doku – mit Nero als dem ruchlosen Schurken.

Kann man mit solchen Videos Schülerinnen und Schüler für Geschichte begeistern? Museumsbesuchern zeitlich weit entfernte Epochen sinnlich vermitteln? Tatsächlich, so die Expertin für KI in der Medienproduktion, würde die Anwendung von KI derzeit überprüft, um Museums-Objekte interaktiver zu machen, "aber man muss da sehr auf die historische Korrektheit in diesem Umfeld achten", so Rothe. "Die KI kann Dinge reproduzieren, die in den Daten vorhanden sind, aber sie dichtet auch Dinge dazu."

Einsatz von KI in Museen?

Künstliche Intelligenz könne aber nicht nur historische Daten auswerten, sondern auch historische Klischees oder Vorurteile reproduzieren, erklärt Holger Wendling, Experte für die Eisenzeit an der Archäologischen Staatssammlung, am Beispiel des Nero-Videos. Der römische Kaiser Nero werde in vielen Darstellungen – nicht zuletzt in mehreren römischen Quellen selbst – als Bösewicht gezeigt: "Nero singt vor der brennenden Stadt, die er vermeintlich selbst angesteckt hat. Die Leute machen sich ein Bild von der Vergangenheit, und das basiert eben auf diesen Klischees. Und natürlich sind diese Klischees auch in der digitalen Welt, online, überall zugänglich. Darauf greift ja die KI zurück."

In der Archäologischen Staatssammlung sind KI-Videos bislang nicht im Einsatz. Mit KI-generierten Bildern veranschaulichen die Archäologen aber durchaus schon historische Szenarien, sagt Holger Wendling: "Wir wollen kein Bild der Vergangenheit vermitteln, das rein hypothetisch ist. Und wenn wir das machen, dann schreiben wir ganz explizit dazu, das ist ein fiktives Bild. Es kann aber auch ganz anders gewesen sein."

Dystopische Zukunftsszenarien

In den sozialen Medien kursieren auch Filmchen, die KI-erstellte Zukunfts-Visionen zeigen. So stellt ein privater Account-Betreiber offensichtlich mit Künstlicher Intelligenz generierte Videos ins Netz, die europäische Hauptstädte angeblich im Jahr 2050 zeigen. In einem Mini-Film reitet etwa der Protagonist durch ein super realistisch dargestelltes München, in dem Kamele und Ziegen an der Isar grasen. Alles ist heruntergekommen und verdreckt. Dazu hört man die Stimme eines Muezzins: Welche politische Botschaft verfolgt der Autor mit diesen Posts? Die Anfrage des BR beantwortet der Account-Betreiber nicht. Kommentare unter diesen Videos zeigen aber, dass sie eindeutig migrantenfeindlich verstanden werden.

Mehr zum Thema heute Abend bei der Diskussion "KI schreibt Geschichte – Fakt oder Fiktion?" um 19 Uhr in der Archäologischen Staatssammlung in München, in Kooperation mit dem Bayerischen Rundfunk.

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