Ein Fest fürs Auge, aufwändige Roben, schrille Outfits und Stars, Stars, Stars – das ist die Met-Gala. Allerdings gab es schon Jahre, in denen Mode-mäßig mehr gewagt wurde. Das diesjährige Motto "Fashion Is Art" war vergleichsweise allgemein, ohne Ecken und Kanten. Eine Reaktion auf Jeff Bezos, der zusammen mit seiner Frau Lauren Wendy Sánchez Hauptsponsor der Gala ist?
Kritik? Eher verhalten
Offene politische Statements auf Stoff? Fehlanzeige. Stattdessen hatten im Vorfeld einige Stars verkündet, der Veranstaltung in diesem Jahr fern zu bleiben. Wegen Bezos und seiner Nähe zu Trump. Meryl Streep soll deswegen abgelehnt haben zu kommen, auch gab es Plakate in der Stadt, die auf schlechte Arbeitsbedingungen beim Versender hingewiesen haben.
Immer noch: Viel Haut oder zumindest der Anschein
Und auch beim Thema Nacktheit, die in den USA sehr schnell zum Skandal werden kann, war man zurückhaltend. Dennoch waren sogenannte "Naked-Dresses", die das Ausziehen oder die blanke Haut inszenieren, auch in diesem Jahr wieder zu sehen, etwa bei Heidi Klum als lebende Marmorstatue oder auch Kylie Jenners Outfit: Unten ein weit ausladendes Kleid, oben ein Zwei-Lagen-Look, den Oberstoff konnte sie herunterrollen. Darunter dann ein Nude-Look, ein enges hautfarbenes Oberteil, das von weitem so aussieht, als wäre sie nackt, ohne es zu sein.
Der Hingucker: Janelle Monáe als Cyborg
Ganz anders das Kleid der Sängerin und Schauspielerin Janelle Monáe. Das wirkte in etwa so, als hätte sich der Designer Christian Siriano aus einem Laden für Elektroschrott bedient und alte Kabel, Lautsprecher und andere Elektroteile als Accessoires benutzt. Ein Arm von Monáe war ganz verborgen, stattdessen hing ein Roboterarm raus. "Fashion Is Art" – perfekt umgesetzt. Mode ist eben ein Spiel um Ideen, eine Inszenierung des Angeschaut-Werdens.
Kam als Cyborg zur Met-Gala: Sängerin Janelle Monáe
Rückkehr des Feudalen?
Beyoncé brachte ihre Tochter mit, auch Nicole Kidman. Ein neuer Trend? Eher ein uralter, der wiederbelebt wurde. In feudalen Gesellschaften waren Bälle die Möglichkeit, die Töchter in die Gesellschaft einzuführen: Ein teures Kleid zeigte, da war eine hohe Mitgift zu erwarten. Heute geht es zwar nicht mehr darum, die Frau dem Heiratsmarkt zuzuführen, aber das Ganze hat trotzdem eine Funktion: Auf Social Media garantiert das Dasein als Kind von berühmten Eltern große Aufmerksamkeit. Und vielleicht bucht nach der Gala nun ein Agent die Töchter für eine Modenschau oder eine Nebenrolle in einer Serie?
Wintour – das große Comeback?
Die große Gewinnerin des Abends ist Anna Wintour, die zuletzt den Chefposten bei Vogue räumen musste. Sie zeigte sich noch einmal als geschickte Strippenzieherin der Modebranche. Sie gewann Amazon-Chef Jeff Bezos als Hauptsponsor der Veranstaltung – egal wie umstritten, seine zehn Millionen US-Dollar dürften die Kosten der Veranstaltung getragen haben. Fraglich aber bleibt, ob Bezos Engagement nicht nach hinten losgeht: Vielleicht schreckt er andere Sponsoren ab.
Doch in diesem Jahr dürfte Wintour zufrieden sein: Gerade in New York sind spendenfreudige Superreiche eine stark umworbene Spezies. Und Wintour ist es gelungen, ihre Gala als zentrales Event zu behaupten. Das ist schon spannend, weil gleichzeitig die Umsätze der Luxusindustrie im letzten Jahr gefallen sind. Und in diesem sieht es nicht besser aus: Der Iran-Krieg führt dazu, dass die arabischen Shopping-Malls als Umsatzgaranten wegfallen. Da ist ein Event, der Mode-Labels und Starpower vereinigt, doppelt wichtig. Und damit natürlich auch deren Veranstalterin Anna Wintour.
BR24 auf TikTok: "Mode ist Kunst" lautete der Dresscode
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

