Eine große goldfarbene Statue, die einen nackten US-Präsidenten Donald Trump zeigt, sorgt im EU-Parlament in Straßburg für Aufsehen. Künstler Jens Galschiøt war selbst überrascht, dass das EU-Parlament die Erlaubnis gab, seine "Orange Plage" aufzustellen: "Vielleicht sind wir alle Trump- müde, er bricht Vereinbarungen und zerstört unsere Werte", sagt er in Straßburg.
Geholfen hat wohl auch, dass der gut 70jährige dänische Künstler schon öfter im EU- Parlament ausgestellt hat, aber wohl noch keine so provokante Statue. Sie zeigt einen massigen Mann, mit nichts bekleidet als goldener Farbe. Die Figur sitzt auf den Schultern eines schmalen Mannes. Auf dem Sockel steht: "Ich sitze auf dem Rücken eines Mannes – er leidet unter meiner Last – ich werde alles tun um ihm zu helfen – außer von seinem Rücken zu gehen."
Damit kein Zweifel aufkommt, wer hier gemeint ist, hat er noch einen Golfschläger in der Hand und trägt die weltberühmte Haartolle: "Es ist ein Symbol für die, die Macht haben und die Machtlosen" sagt Künstler Galschiøt.
"Orange Plague": Detail der Statue des dänischen Künstlers Jens Galschiöt
Die zweieinhalb Meter hohe Statute steht zwischen Eingang und der sogenannten Schwanenbar, einem sehr beliebten Treffpunkt im Parlament. Viele Abgeordnete hetzen zwischen Ausschusssitzungen und Abstimmungen achtlos daran vorbei. Andere bleiben stehen, machen ein Foto und wundern sich über diesen für das Parlament doch unüblichen Anblick, hier trägt man Blazer und Laptoptasche. Latifa einer jungen Französin gefällt es: "Es ist gut, diese Kunst zu sehen, sie sensibilisiert und für die Zerstörung für den Irrsinn. Für mich ist er ein Diktator."
Künstler Galschiøt erzählt, dass es auch Kritik gab, vor allem von Vertretern rechter Parteien. Die AfD-Abgeordnete Christine Anderson kommentierte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP: Politisch stehe "kaum jemand nackter da als die EU selbst."
Der Vorsitzende der Linksfraktion im EU-Parlament, Martin Schirdewan, sagte der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, er sehe in der Statue eine "treffende Metapher" für das Verhältnis zwischen EU und den USA, könne sich aber "ästhetisch Schöneres vorstellen, als die ganze Woche am nackten Arsch von Donald Trump vorbeizulaufen".
"Orange Plague": Detail der Statue des dänischen Künstlers Jens Galschiöt
Schirdewan argumentierte, die Statue zeige den "Kaiser einmal in seiner ganzen nackten und überproportionierten Gewalt". Der Abgeordnete Lukas Sieper (Partei des Fortschritts) zeigte sich im Onlinedienst Instagram begeistert. "Ich will Euch zeigen, wie großartig diese Statue ist", sagt er in einem Video, das ihn neben dem Kunstwerk zeigt. Er hoffe wirklich, dass auch Trump die Statue sehen werde.
Metapher für das Verhältnis zwischen EU und USA
Die 2,60 Meter hohe Statue des dänischen Künstlers Jens Galschiøt zeigt einen nackten Trump, der auf den Schultern eines Mannes sitzt, der unter dem Gewicht des US-Präsidenten zusammenzubrechen droht. Trump hält in der einen Hand eine Waage, in der anderen einen Golfschläger. Das "Orange Plague" (Orangene Pest) genannte Werk war bereits am Rande der Weltklimakonferenz in Brasilien sowie bei der Münchner Sicherheitskonferenz zu sehen.
Die SPD-Abgeordnete Maria Noichl sagte AFP, sie fände es "gut und wichtig", dass die Statue im EU-Parlament ausgestellt werde. Allerdings hätte sie sich gewünscht, dass der Künstler eine weibliche Figur als Trägerin gewählt hätte. Frauen litten schließlich am meisten unter Trumps Politik. Es sei zwar zu erwarten, dass rechten Parteien das Aufstellen der Statue im Parlament kritisieren würden. Es dürfe aber deshalb "keine Schere im Kopf" geben.
Anspielung auf das Märchen "Des Kaisers neue Kleider"
Die AfD-Abgeordnete Christine Anderson kommentierte gegenüber AFP: "Über Geschmack lässt sich nicht streiten." Die Anspielung auf das Märchen "Des Kaisers neue Kleider" habe allerdings eine "unfreiwillige Ironie". Politisch stehe "kaum jemand nackter da als die EU selbst", argumentierte Anderson.
Galschiøt hat von seiner großen Figur noch hunderte kleiner Kopien mit einem 3D-Drucker nachmachen lassen. Diese hat er kostenlos im Parlament verteilt, die Nachfrage nach diesem Souvenir sei groß gewesen. Selbst aus der Küche hätten sich die Mitarbeiter die fingergroßen Figuren mitgenommen, erzählt er.
Bis Donnerstag ist die Orange Pest noch in Straßburg zu sehen, dann soll sie bei der Weltklimakonferenz in der Türkei aufgestellt werden.
Mit zusätzlichem Material von AFP.
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