Es wirkt alles so dramatisch und das ist es auch irgendwie: Mit dem letzten Konzert in Vancouver in Kanada endete im vergangenen Jahr die zweijährige Eras-Tour von Taylor Swift. Und damit zugleich auch die erfolgreichste Tour aller Zeiten. Sie umfasste insgesamt 149 Konzerte und erreichte ein Publikum von zehn Millionen Menschen, wodurch über zwei Milliarden US-Dollar eingenommen wurden. Wortwörtlich geht damit für sehr viele Menschen eine Ära zu Ende. Sei es aus "Swiftonomics"-Sicht, wie das wirtschaftliche Phänomen um sie benannt wird, oder als Fan.
Die neue sechsteilige Disney-Dokumentation "The End of an Era" will diese Zeit würdigen. Zwei der sechs Folgen sind bereits erschienen. Und die liefern nicht nur interessante Einblicke in das "Life of a Showgirl", sondern schaffen es auch noch, die letzten offenen Fragen um Taylor Swift zu klären.
Terrorwarnungen, abgesagte Konzerte und ein Anschlag
Im August 2024 brachen in Wien tausende Taylor-Swift-Fans in Tränen aus. Ihr Idol sollte dort drei Konzerte spielen. Aber dazu kam es nicht. Kurz vorher wurden die Termine wegen eines geplanten Terroranschlags abgesagt. Ersatztermine gab es keine. Und um Taylor Swift wurde es für kurze Zeit überraschend still, bevor sie eine Woche später in London ihre Tour fortsetzte. Ließ sie das komplett kalt?
Bereits nach 15 Minuten der Disney-Dokumentation gibt es die Antworten darauf. Die wirken fast entschuldigend, wenn man versteht, unter welch enormen Druck die damals 35-Jährige stand, welche Verantwortung sie unweigerlich übernehmen musste. Ihre Fans und sie seien knapp einem "Massaker" entkommen. Kurz vor der Wien-Absage wurden drei junge Mädchen aus dem britischen Southport bei einem Tanzkurs zu ihrer Musik von einem 17-Jährigen erstochen.
In ihr habe sich eine neue Angst um ihre Fans breitgemacht, die sie so in ihrer fast 20-jährigen Karriere nie hatte, erzählt Swift. Während sie in der Doku darüber spricht, bricht sie in Tränen aus. Vor ihren Konzerten in London trifft sie die Familien der drei Mädchen – und muss sich Backstage weinend von ihrer Mutter trösten lassen, dass sie das Richtige tut.
Taylor Swift: "Everybody's darling" oder Fassade?
Authentische und aufrichtige Szenen, die sich gut in das Erscheinungsbild von Taylor Swift einfügen. Die des "everbody's darling". Eine, die schon immer viel gefühlt hat, die nahbar ist und sich als große Schwester inszeniert. Und tatsächlich, vertraut man den ersten beiden Folgen der Doku, ist sie das auch wirklich. Sie begegnet ihrer Konzertcrew auf Augenhöhe, schaut bei den Proben der Tänzer vorbei, nimmt die Tour nicht als Selbstverständlichkeit oder als One-Woman-Show wahr, sondern als Erfolgsprojekt jedes Einzelnen, der mit drinhängt.
Und sie zeigt sich dementsprechend dankbar: Ihre engste Tour-Crew bekommt einen handschriftlichen Brief. Und alle Involvierten, vom Lkw-Fahrer, Caterer, Techniker bis hin zum Stylisten bekommen gemeinsam Boni von insgesamt 197 Millionen Dollar ausgezahlt.
Inwiefern die restlichen vier Folgen inhaltlich nach solchen intimen Einblicken noch mithalten können, wird sich an den kommenden beiden Freitagen zeigen: Dann erscheinen die restlichen Teile.
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