Russische Soldaten schauen bei einem Drohnenpiloten-Lehrgang auf dem Truppenübungsplatz Alabino auf einen großen Bildschirm, der eine Landkarte zeigt.
Russische Soldaten schauen bei einem Drohnenpiloten-Lehrgang auf dem Truppenübungsplatz Alabino auf einen großen Bildschirm, der eine Landkarte zeigt.
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Russische Soldaten beim Drohnenpiloten-Lehrgang nahe Moskau.
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Russische Soldaten beim Drohnenpiloten-Lehrgang nahe Moskau.

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"Ohrenbetäubender Alarm": Putins Armee von Starlink gekappt

"Ohrenbetäubender Alarm": Putins Armee von Starlink gekappt

Mangels eigener technischer Möglichkeiten setzte Putins Armee zunehmend auf das amerikanische Starlink-Satellitennetzwerk, um Drohnen und Artilleriegeschosse zu lenken. Jetzt wurde die Verbindung getrennt; die Wut der Militärblogger ist groß.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Mastodon am .

"Elon Musk ist ein wahrer Friedensstifter. Er weiß, wie man Kriege beendet", spottete der russische Militärblogger Roman Saponkow (137.000 Fans) auf seinem Telegram-Kanal [externer Link]. Grund dafür: Der Zugang zum amerikanischen Starlink-Satellitensystem, das von Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX betrieben wird, wurde der russischen Armee offenbar unmöglich gemacht. Das betrifft nicht nur nach Saponkows Beobachtung "ausnahmslos alle" Frontabschnitte. Entsprechend groß ist die Aufregung quer durch die russische Politologen- und Ultrapatrioten-Szene.

Die mangelnde Satelliten-Ortung sei die "Achillesferse" der russischen Armee, so Kriegsblogger Alexander "Sascha" Kots [externer Link] unter Berufung auf einen erfahrenen Frontkommandeur: "Er hat Glasfaser-Internet bis zum Gefechtsstand verlegen und WLAN in den einzelnen Stellungen installieren lassen. Hoffentlich ist er nicht der Einzige, der so vorausschauend denkt."

Kreml-Propagandist Sergei Markow meinte grimmig [externer Link]: "Die ukrainischen Streitkräfte und Musk haben die Umstände geändert und versuchen nun, die russische Armee massiv von der ukrainischen Grenze fernzuhalten. Es scheint, als ob sie Erfolg haben. Starlink ist ein Supernetzwerk. Diese Satelliten machen 65 % aller künstlichen Erdtrabanten aus. Der Kampf geht weiter."

"Massives Versagen an der Front"

Zu Starlink gebe es derzeit einfach "keine Alternativen", heißt es düster [externer Link] bei den "Zwei Majoren" (1,2 Millionen Abonnenten): "Das könnte das massive Versagen an der Front erklären. So half das von den Liberalen beschimpfte 'Genie' [Elon Musk] den ukrainischen Streitkräften einmal mehr dabei, unsere Soldaten zu töten. Tatsache ist, dass die russischen Streitkräfte mangels Alternativen auf grauimportierte Starlink-Technik zurückgreifen, um die Kommunikation an der Front zu organisieren. Die Gefahr besteht darin, dass das der einfachste Weg war, verglichen mit einer eigenen Lösung im All. Jetzt bleibt uns nur die Wahl: entweder weiter den altbewährten Weg gehen oder dringend etwas Eigenes entwickeln."

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Infotafel

Blogger Roman Aljechin fürchtete [externer Link], Starlink werde der Ukraine den "entscheidenden Vorteil" verschaffen, und forderte deshalb Angriffe auf US-Satelliten im Weltraum: "Hier muss dringend etwas unternommen werden. Wenn Musk begreift, dass er alles verlieren könnte und die USA ihre vielversprechendste Waffe im Kommunikationskrieg einbüßen könnten, werden sie ihre Politik bezüglich der Starlink-Aktivitäten in der Ukraine überdenken."

"Ohrenbetäubender Alarm"

"Egal, welche brillanten Entscheidungen die Kommandeure vor Ort treffen, wir verlieren dadurch schlichtweg an Geschwindigkeit bei der Entscheidungsfindung und -umsetzung", jammert etwa Kommentator Pawel Gubarew [externer Link]: "Es ist, als würde man Michael Schumacher ans Steuer eines Lada und einen Durchschnittsfahrer ans Steuer eines Ferraris setzen. Schumacher würde das Rennen so oder so verlieren, weil die technologischen Voraussetzungen unterschiedlich sind – es gibt keine Alternative."

Selbstkritisch hieß es beim "Militärinformanten" (620.000 Fans), das Problem liege keineswegs bei Elon Musk [externer Link]: "Er ist nicht derjenige, der die gesamte Frontarmee an die Technologie eines direkten Feindes angebunden und die russischen Streitkräfte von einer zentralen Schaltstelle in Washington abhängig gemacht hat." Jahrelang sei dieser Zustand als "selbstverständlich hingenommen" worden: "Selbst wenn jetzt eine temporäre Zwischenlösung gefunden werden kann, ist diese ganze Situation nicht nur ein Weckruf, sondern ein ohrenbetäubender Alarm."

"Pornhub kann gesperrt werden"

Kriegsentscheidend werde Starlink wohl nicht sein, so ein weiterer Kommentator [externer Link], warnte jedoch: "Natürlich besteht Hoffnung auf russische Satelliten, die als 'russisches Äquivalent zu Starlink' angepriesen werden, aber niemand weiß, wann diese Satelliten in Betrieb gehen werden (sie sind noch nicht einmal montiert, geschweige denn ins All gestartet)."

Politologe Georgi Bovt spottete [externer Link]: "Wir sind dem Rest der Welt in Sachen flächendeckender Internetzensur voraus. Diese Anstrengungen sollten in eine andere Richtung gelenkt werden."

An bizarren Aspekten herrscht in dieser Debatte übrigens kein Mangel. So schlug einer der russischen Kriegsblogger vor [externer Link], die "Angst vor uns selbst zu überwinden" und übergangsweise Starlink durch 4G-Mobilfunk-Antennen zu ersetzen, um die "Kommunikationssicherheit zu verbessern": "Pornhub kann, zusammen mit YouTube, sofort gesperrt werden, da andernfalls Kriegsvideos produziert und die Inhalte versaut werden."

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