(Symbolbild) Das Symbol von M365 Copilot auf einem Bildschirm.
(Symbolbild) Das Symbol von M365 Copilot auf einem Bildschirm.
Bild
Immer mehr Menschen nutzen die KI im Microsoft Copilot – ob sie wollen oder nicht. Aber ist das mittelmäßige Image des Copiloten gerechtfertigt?
Bildrechte: picture alliance / photothek.de | Thomas Trutschel
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / photothek.de | Thomas Trutschel
Audiobeitrag

Immer mehr Menschen nutzen die KI im Microsoft Copilot – ob sie wollen oder nicht. Aber ist das mittelmäßige Image des Copiloten gerechtfertigt?

Audiobeitrag
> Netzwelt >

Copilot: Warum tut sich Microsoft im KI-Rennen so schwer?

Copilot: Warum tut sich Microsoft im KI-Rennen so schwer?

Copilot – Microsofts Antwort auf ChatGPT – ist besser als sein Ruf. Dennoch wird das KI-Tool deutlich weniger genutzt als seine Konkurrenten. Woran liegt das, und hat Microsoft eine Top-Position im KI-Rennen verspielt?

Über dieses Thema berichtet: Der KI-Podcast am .

Ende Juli 2026 hat Microsoft seine neuen Quartalszahlen vorgestellt. Darin enthalten: 30 Millionen bezahlte Copilot-Lizenzen. Das bedeutet, 30 Millionen verschiedene Accounts nutzen die bezahlte Variante von Microsofts KI-Flaggschiff: der Microsoft 365 Copilot. Das klingt beachtlich.

Bis man aber genauer hinschaut. Denn eigentlich sollten es viel mehr sein. Microsoft zählt nämlich auch mehr als 450 Millionen bezahlte Microsoft-365-Firmenlizenzen insgesamt. Das bedeutet: Nur etwa 6,5 Prozent der Nutzer zahlen den Aufpreis für Microsofts künstliche Intelligenz (KI).

In Zeiten, in denen Konkurrenz ChatGPT mittlerweile eine Milliarde regelmäßige Nutzer zählt, scheint klar: Microsoft ist im KI-Rennen nicht mehr vorne mit dabei.

🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in "Der KI-Podcast" – dem Podcast von BR24 und SWR.

Der Konzern mit den besten Karten

Dabei hätte Microsoft zu Beginn des KI-Booms eigentlich perfekte Voraussetzungen. Schon 2019 investierte Microsoft in OpenAI, das Unternehmen, das Ende 2022 ChatGPT an den Markt bringen würde. Dazu kam ein Vertriebsapparat, von dem neue KI-Startups nur träumen können – und ein Geschäftsmodell, das wie gemacht ist für KI: Microsoft verkauft Software an Unternehmen, und Unternehmen sind deutlich eher bereit, für KI zu zahlen als Privatleute.

Weshalb liegt das Microsoft-Produkt im KI-Rennen also bislang eher zurück? Einer der Gründe könnte sein, dass es so etwas wie den "Microsoft Copilot" eigentlich gar nicht gibt. Tatsächlich gibt es mittlerweile dutzende Produkte dieses Namens.

Copilot-Wirrwarr: Ein Name, viele verschiedene Produkte

Dazu gehören der "Microsoft 365 Copilot" und "Microsoft 365 Copilot Chat", das sind die Produkte, von denen viele im Arbeitskontext schon mal gehört haben. Die sind aber nicht das Gleiche wie der "Microsoft Copilot" – eine Art ChatGPT-Konkurrent für Privatnutzer. Oder der "Copilot in Windows" – ein KI-Assistent fürs Betriebssystem. Dazu kommen zahlreiche Copilot-Plugins, etwa in Excel, PowerPoint oder Azure. Und nicht zuletzt spezialisierte Copilot-Varianten für bestimmte Geschäftsbereiche: Die heißen dann zum Beispiel "Microsoft 365 Copilot for Sales" oder "Microsoft 365 Copilot for Service".

Obwohl all diese Produkte einen Namen teilen, haben sie oft nur wenig miteinander zu tun und werden Microsoft-intern von unterschiedlichen Teams entwickelt. Eine Analyse in der aktuellen Folge von "Der KI-Podcast" zeigt das Ausmaß: Selbst wenn man sich mit dem Copilot zurechtfindet und beispielsweise mit der Einrichtung von KI-Agenten loslegen möchte, folgen die nächsten Schwierigkeiten: Beispielsweise ist ein "Excel Agent" im Copilot Studio nicht das Gleiche wie über den Copilot in Excel den "Agent"-Mode zu starten. Und so weiter.

Viele Baustellen

Aber nicht nur dieses Wirrwarr hält Microsoft zurück. Auch das Verhältnis zum wichtigsten Partner ist immer komplizierter geworden: OpenAI ist heute für Microsoft weniger ein Verbündeter und mehr ein Konkurrent.

Und anders als dieser Konkurrent muss Microsoft sich oft mit der banalen Realität des Unternehmensalltags herumschlagen. Denn ausgerechnet einige der Stärken des Copilots – etwa, dass man damit schnell und einfach Unternehmensdaten durchsuchen kann – werden schnell zum Problem. Beispielsweise kommen durch den Copilot schnell Dateien ans Licht, die versehentlich für mehr Mitarbeiter freigegeben wurden als gedacht. In der alten Welt vor KI war das kein großes Thema – man hätte sich durch hunderte Ordner klicken müssen, um die Datei zu finden.

Besser als sein Ruf?

Dennoch zeigen Tests in "Der KI-Podcast": Sein etwas angestaubtes Image hat der Copilot nicht unbedingt verdient. Meetings zusammenfassen, E-Mails und Dateien durchsuchen, mit der Notebooks-Funktion Dokumente zu einem Thema bündeln – solche Aufgaben erledigt der Copilot inzwischen ordentlich. Wichtig dabei ist vor allem aber, den "Reasoning"-Modus einzuschalten, mit dem das Modell bei komplexen Fragen länger "nachdenkt".

Vielleicht auch deshalb konnte Microsoft zuletzt auch ein starkes Wachstum beim Copilot verzeichnen: Zehn Millionen neue Lizenzen sind in den letzten Quartalszahlen dazugekommen. Auch der Aktienkurs reagiert positiv auf die aktuelle Microsoft-Strategie. Anders als OpenAI, Anthropic und Google investiert der Konzern erst einmal keine Unsummen in die Entwicklung großer Modelle. Stattdessen hält er sich erst einmal zurück – und könnte am Ende der heimliche Gewinner sein.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!