Ein Auto biegt um die Ecke, auf dem Dach ein Sensorturm, am Steuer ein Mann in gelber Warnweste. Seit dem Spätsommer bereitet die Google-Schwester Waymo in München ihren Robotaxi-Dienst vor, noch mit Fahrern am Steuer. Ende 2027 soll dann der Betrieb selbstfahrender Autos starten. Solche Fahrzeuge erfassen ihre Umgebung permanent, mit Lidar, Radar – und auch mit Kameras.
Sie sind nicht die Einzigen. Mehr als sieben Millionen smarte Brillen hat Meta 2025 verkauft. Seit dem Jahr 2023 sind die Brillen mit eingebauter Kamera im Handel. Dass diese filmt, verrät nur ein kleines leuchtendes Licht am Gestell.
Aus Bildern werden Daten
Neu ist nicht nur die Zahl der Kameras, sondern auch das, was danach passiert. Die Tage, in denen ein Ermittler stundenlang von Hand Bildmaterial von öffentlichen Kameras auswerten musste, indem er immer wieder das Video vor- und zurückspulte, sind lange vorbei. Heute durchsucht KI riesige Mengen an Bildern und Chats automatisch, in Ländern wie China per Gesichtserkennung in Echtzeit.
🎧 Wie verändert KI unser Leben? Und welche KI-Programme sind in meinem Alltag wirklich wichtig? Antworten auf diese und weitere Fragen diskutieren Gregor Schmalzried, Marie Kilg und Fritz Espenlaub jede Woche in "Der KI-Podcast" – dem Podcast von BR24 und SWR.
Auch in privater Kommunikation und digitaler Bilderspeicherung ist automatische Bilderkennung prinzipiell möglich. In Ländern wie den USA müssen Tech-Firmen etwa Missbrauchsdarstellungen auf ihren Plattformen verpflichtend den Behörden melden. Das Durchsuchen allerdings ist freiwillig. In der EU wurde im Juli die sogenannte Chatkontrolle 1.0 bis 2028 verlängert: eine Ausnahmeregel, nach der Meta oder Google unverschlüsselte Chats freiwillig nach Missbrauchsdarstellungen scannen dürfen.
Überwachung als Geschäftsmodell
Wie Überwachung im öffentlichen Raum zum Geschäft wird, zeigt die US-Firma Flock. Die Firma stellt Kameras her, die an öffentlichen Straßen in den USA automatisch Autokennzeichen scannen. Mehr als 5.000 Polizeibehörden sind Kunde, Investoren bewerten Flock mit über acht Milliarden Dollar. Die Technologie ist, gelinde gesagt, kontrovers: Immer wieder gibt es Berichte über Polizisten, die die Kameras missbrauchen, um etwa privaten Kontakten nachzustellen. Vielerorts ist das Zerstören und Besprühen von Flock-Kameras in den USA zu einer Art Volkssport geworden.
Wo Ausweichen endet
Auch anderswo regt sich Widerstand: Künstler und findige Unternehmer verkaufen T-Shirts mit speziellen Mustern oder reflektierendes Make-up, das gegen automatisierte Gesichtserkennung schützen soll. Doch nicht immer ist es möglich, sich der Überwachung zu entziehen: So müssen beispielsweise seit Ende 2025 alle Nicht-US-Bürger bei Ein- und Ausreise in die USA ihr Gesicht scannen lassen – widersprechen können nur US-Bürger.
Die Debatte um die Spannung zwischen Überwachung und Bürgerrechten ist nicht neu. Die Gewichtung zwischen Gütern wie Privatsphäre auf der einen Seite und Verhinderung und Aufklärung von Verbrechen auf der anderen gehört zu den großen politischen Fragen, die immer wieder neu ausgehandelt werden müssen. Mehr darüber, wie der technologische Wandel diese Debatten beeinflusst, hören Sie in der aktuellen Folge von "Der KI-Podcast".
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