Wer im Internet etwas sucht, verwendet dafür meistens Google. Kostenlose Videos werden überwiegend auf YouTube geschaut. Und bei sozialen Netzwerken dominieren Instagram und Facebook. Hinter all den Plattformen stehen zwei Unternehmen: Meta und Alphabet. Zusammen vereinen die Konzerne 40 Prozent der digitalen Aufmerksamkeit auf sich. Zu diesem Ergebnis kommt der Medienwissenschaftler Martin Andree in seinem Buch "Vermessung der digitalen Welt".
Medienkonzentration als Gefahr für die Demokratie
In der Medienkonzentration sieht Andree eine Gefahr für die Demokratie. Wenige Medienmonopole bekämen dadurch die Möglichkeit, den öffentlichen Diskurs zu beeinflussen. "Die Monopolisierung, die wir in der digitalen Welt sehen, die ist meilenweit entfernt von allem, was wir jemals in der analogen Welt hatten", erzählt Andree im Podcast BR24 Medien.
Dort gelten im Gegensatz zum digitalen Raum klare Regeln. So darf zum Beispiel kein Unternehmen mehr als 30 Prozent des Fernsehens kontrollieren. Wenn diese Regeln online fehlen, sei das die größte Bedrohung der Pressefreiheit, so Andree.
Techkonzerne als politische Akteure
Für Andree zeigt sich die politische Macht großer Plattformen auch daran, dass ihre Eigentümer selbst zu politischen Akteuren werden. Zum Beispiel, wenn Tech-Milliardär Elon Musk dem AfD-Spitzenkandidaten in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, zum Wahlsieg gratuliert. Gerade auf sozialen Medien sieht Andree die Gefahr, dass Konzerne ihre Reichweite ausnutzen können, um politischen Einfluss zu üben: "Die Monopole zensieren die Mitte, das heißt, moderate, differenzierte Positionen werden nicht sichtbar. Die radikalen Positionen werden nach vorne geschoben und da sehen wir auch eine Bevorzugung der rechten Seite."
Beeinflussen Plattformen unser Wahlverhalten?
Die Plattformen seien nicht neutral. Sie filtern Inhalte, wählen aus, was wir zu sehen bekommen, so Andree. Können sie durch diese Kontrolle über den digitalen Diskurs auch unser Wahlverhalten beeinflussen?
Jakob Ohme leitet das Projekt "Dein Feed, Deine Wahl" am Weizenbaum-Institut. Er möchte herausfinden, welchen Einfluss soziale Netzwerke auf politische Meinungsbildung haben könnten. Dazu untersuchen Ohme und sein Team, wem welche Inhalte auf der Plattform TikTok ausgespielt werden und welche Rolle Empfehlungsalgorithmen dabei spielen.
Erste Beobachtungen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt zeigen laut Jakob Ohme, dass die AfD aufgrund hoher Interaktionszahlen und polarisierender Inhalte während des Wahlkampfes auf TikTok sehr präsent war. Ihre Beiträge tauchen in vielen Feeds als "Grundrauschen" auf. Gleichzeitig stellt Ohme aber auch eine Vielfalt an anderen Inhalten fest: "Was die Leute dort [auf TikTok] bekommen, ist diverser, als man sich das vielleicht vorstellt."
Viele Faktoren für unsere Wahlentscheidung relevant
Beim laufenden Projekt und auch in früheren Studien sieht Ohme bislang kaum Hinweise darauf, dass soziale Medien allein für die Wahlentscheidungen relevant sind. Dafür gebe es zu viele weitere Einflussfaktoren: "Wie ich aufgewachsen bin, was in meinem Elternhaus los ist, was meine Freunde sagen, was meine berufliche Situation ist, was meine private Situation ist."
Soziale Medien sind für Ohme daher weniger Ursache gesellschaftlicher Probleme als deren Spiegel. Kritisch sind für ihn vielmehr die ökonomischen Strukturen hinter den Plattformen: Ähnlich wie Martin Andree sieht er vor allem die Geschäftsmodelle und die Besitzstrukturen der Plattformen als demokratische Herausforderung.
Erste aussagekräftige Ergebnisse des Forschungsprojekts "Dein Feed, Deine Wahl" soll es ab Mitte Oktober geben. Damit könnte der Einfluss von Plattformen für politische Meinungsbildung besser eingeschätzt werden.
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