Symbolbild: Ein Teenager spielt das Online-Action-Game Fortnite und ärgert sich
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Symbolbild: Ein Teenager spielt das Online-Action-Game Fortnite und ärgert sich
Bildrechte: picture alliance / abaca | Domine Jerome/ABACA
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Zocken Computerspiele die heutige Gamer-Generation stärker ab?

Zocken Computerspiele die heutige Gamer-Generation stärker ab?

Eine US-Psychologin sagt: In den 90ern waren Spiele fordernder und haben so die Zielstrebigkeit gefördert. Heute böten Games vor allem Belohnungen, um die Gamer länger im Spiel zu halten und abzuzocken. Stimmt – zum Teil, sagt ein Games-Experte.

Über dieses Thema berichtet: Bayern 2 Die Welt am Morgen am .

In pixeliger Grafik rennt der Held im 90er-Jahre Action-Computerspiel "Doom" durch kantige Räume und viele in sich abgeschlossene und teils ziemlich happige Level. Games waren damals bewusst schwer und fordernd. Einer der Gründe: Speicherplatz und Rechenkapazität waren knapp, die Spiele deswegen recht kurz und ziemlich schwer, um einigermaßen lange Spielzeiten zu gewährleisten.

Milliardengewinne durch "Free-to-play"

Heute gibt es viele Spiele, wie zum Beispiel das Battle-Royal-Spiel "Fortnite", das in hervorragender Grafik-Qualität sogar kostenfrei gespielt werden kann. Der Einstieg ist leicht, das Spielen ist geprägt von Erfolgserlebnissen, es gibt immer wieder neue Abenteuer oder Herausforderungen und die Spiele-Entwickler versuchen alles, um die Gamer im Spiel zu halten.

Allerdings werden in solchen "Free-to-Play-Games" überall gegen Geld Abkürzungen, bessere oder hübschere Ausrüstung und ähnliches angeboten. Mit diesen "In-Game-Käufen" verdient die Spieleindustrie jedes Jahr Milliarden – Tendenz steigend.

US-Psychotherapeutin: Teufelskreis für Sucht

Doch das hat laut der US-Psychotherapeutin Veronica Lichtenstein Auswirkungen auf die Psyche gerade junger Spieler. Im US-Magazin Newsweek [externer Link, englisch] sagt sie: "All das schafft einen perfekten Teufelskreis für Sucht."

Es gäbe kein wirkliches Ende der Games, man finde nie einen Abschluss. Es sei ein Dopamin-Kick ähnlich wie Junkfood – schnelle Kicks, die fast sofort wieder verschwinden und Kinder darauf trainierten, ständige Stimulation zu suchen, anstatt die langsame, stetige Befriedigung, wie die Kinder sie in den 90er-Jahre erlebt hätten.

Griff in den Geldbeutel des gläsernen Gamers

Das sei in Teilen richtig, bestätigt Games-Experte Markus Schwerdtel aus der Chefredaktion der Zeitschrift GamesStar: "Heutzutage sind die Spiele viel komplexer, man spielt sehr oft mit anderen Leuten und vor allem: sie spielen online."

Die Daten, die die Spieler beim Spielen erzeugten, könnten bis ins Detail ausgewertet werden, erklärt Schwerdtel. Auf diese Art wüssten die Spielefirmen genau, was die Spieler machen und könnten so dafür sorgen, dass sie möglich lange von einem Spiel gefesselt werden, sich in dieser Welt wohlfühlen und so bereit sind, Geld auszugeben.

Nur bestimmte Game-Genres betroffen

Insoweit seien die Ergebnisse Lichtensteins durchaus nachvollziehbar. Allerdings, schränkt Schwerdtel ein: Es sind bei weitem nicht alle Spielegenres betroffen. "Nach wie vor gibt es die ruhigen Singleplayer-Titel, es gibt Aufbau-Strategie-Spiele, wo all das einfach nicht zutrifft", sagt er.

Deswegen sollten Eltern darauf achten, was ihre Kinder spielen, rät der Games-Experte. Die Spiele, auf die das Model Lichtensteins deutlich zutreffe, seien vor allem Online-Actionspiele, "schnelle Multiplayer-Spiele, bei denen man ein Abo abschließt, im Spiel Sachen kaufen kann und immer dranbleiben muss, bei denen es tägliche Events gibt, die man absolvieren muss."

Schnelle Reize zum Abzocken nicht nur in Spielen

Games seien dabei nur Teil einer grundsätzlichen Entwicklung in der gesamten Medienwelt. Die Entwicklung bei einem Teil der Spiele sei Ausdruck einer generellen Beschleunigung, einer "Verhäppchenisierung" von Inhalten, die man überall sehe.

"Irgendwelche Short-Video-Services – TikTok ist da ein Paradebeispiel dafür – funktionieren ja ganz genauso", betont Schwerdtel. "Immer was Neues, immer schnelle Reize, eins nach dem anderen, zack, zack, zack." Letztlich ist immer das Ziel, möglichst viel Aufmerksamkeit und in der Folge möglichst viel Geld zu bekommen.

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