Mobilfunkverträge sind schon lange nicht mehr an einen der Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland gebunden. Schon viele Jahre bieten Discounter wie Aldi oder Lidl Mobilfunkverträge zu besonderen Konditionen an.
Banken vertreiben die Mobilfunkverträge nur
Vor gut einem Jahr kam mit N26 die erste Neobank mit einem eigenen Mobilfunkangebot auf den Markt. Etwa zeitgleich kündigte Konkurrent Revolut ebenfalls ein Engagement bei Mobilfunkverträgen an, das jetzt umgesetzt wurde.
Technisch fungieren die Banken dabei nur als Anbieter, die das Angebot vertreiben und die Rechnung stellen. Im Hintergrund sind Firmen wie 1Global, ein Mobile Virtual Network Enabler, kurz MVNE, aktiv. 1Global fungiert als Mittler zu den Netzanbietern. So telefonieren Kunden von N26 letztlich im Netz von Vodafone und Revolut-Kunden im Netz von O2.
Warum bieten Neobanken Mobilfunk an?
Bankgeschäfte mit N26 oder Revolut werden nur online in der Regel über eine App auf dem Smartphone gemacht. Die Neobanken wenden sich an eine junge, technikaffine Kundschaft. Schon länger versuchen die Banken, diese Kunden mit Zusatzangeboten wie speziellen Vorteilen beim Reisen, speziellen Versicherungsangeboten oder Sicherheiten beim Bezahlen mit Karte an sich zu binden. Da ist ein Mobilfunkvertrag, der den Zugang via Datenkontingent zum Konto auf dem Smartphone ermöglicht, nur ein weiterer Schritt, Kunden enger an sich zu binden.
Keine neue Ausweiskontrolle und eSIM
Die Bankkunden bekommen den Mobilfunkvertrag dabei schnell und unkompliziert. Weil Sie sich bei der Kontoeröffnung bereits ausgewiesen haben, müssen sie das beim Buchen des Mobilfunkvertrags nicht noch einmal tun. Der Netzzugang läuft ebenfalls unkompliziert über eine virtuelle eSIM. Man braucht aber ein Smartphone das die eSIM verarbeiten kann. Die Verträge sind monatlich kündbar. Das muss fast so sein, denn sie enden, wenn man die Bank verlässt. Die Telefonnummer darf man allerdings bei einem Wechsel mitnehmen.
Netzbetreiber: Bessere Netzauslastung
Welche Auswirkungen die neuen Player auf den deutschen Mobilfunkmarkt haben werden, ist noch nicht richtig absehbar. Für die Mobilfunknetzanbieter ist es eine Möglichkeit, ihre Netze besser auszulasten, sagt Josefine Milosevic von der Fachzeitschrift "connect". "Es lohnt sich für die Mobilfunkgesellschaften, die ja die teuren Netze ausbauen und dafür Geld reinstecken müssen."
Mögliche Auswirkungen auf die Preise
Bei den Preisen und möglichen Auswirkungen auf den deutschen Markt müsse man abwarten, so Milosevic. Das hänge davon ab, wie sich die Angebote oder die Banken mit den Mobilfunkangeboten etablieren würden. Dabei gilt der deutsche Mobilfunkmarkt im europäischen Vergleich bei Marktbeobachtern immer noch als eher teuer, bei dem durchaus Preiskorrekturen nach unten möglich wären.
Passt der Tarif?
Für Kunden der Neobanken kann der Mobilfunkvertrag ein gutes Angebot sein. Sie sollten aber vorher überprüfen, inwieweit Einschränkungen in den Tarifen zu ihren Telefon-Gewohnheiten passen. So ist beim Revolut-Tarif telefonieren im Ausland beispielsweise nur via Datenverbindung, zum Beispiel über einen Messengerdienst, möglich und im Nicht-EU-Ausland ist die Datenübertragungsrate sehr heruntergeregelt, sodass schon die Übermittlung eines Bildes sehr lange dauert.
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