Es ist ein Weg, den sie gemeinsam gehen: Zum zweiten Mal fahren die Oberstdorfer Coletta und Johannes Rydzek zu den Olympischen Spielen. Coletta im Langlauf und Johannes in der Nordischen Kombination. Schon bei den Spielen 2022 waren sie zusammen vor Ort. Zum Glück. Denn die emotionale Unterstützung war damals besonders wichtig.
Im Langlauf der NoKo wurde Johannes auf den letzten 500 Metern unter anderem von dem Teamkollegen und späteren Olympiasieger Vinzenz Geiger eingeholt. Der Traum von der fünften Olympischen Medaille war geplatzt.
Coletta Rydzek: "Ich war froh, da zu sein"
Im Ziel wartete seine Schwester auf ihn: "Zwei Minuten vorher dachte ich noch, das wird es. Wir können diesen Erfolg zusammen genießen", erinnert sie sich im Gespräch in "Blickpunkt Sport" im BR Fernsehen. Am Ende wurde es ein fünfter Rang für Rydzek. Die Enttäuschung im Ziel war riesig.
"Trotzdem war ich unglaublich froh, da zu sein und diesen Moment mit ihm zu erleben", erzählt Coletta. "Es geht bei Olympia um Medaillen, aber trotzdem - dieser Moment zählt genauso." Und wie wichtig das war, weiß Johannes noch heute: "Für mich ist eine Welt zusammengebrochen. Da jemanden zu haben, wo man loslassen kann und seine Gefühle zeigen kann, war ganz wichtig."
Coletta und Johannes Rydzek
Johannes Rydzek: "Das gibt viel Energie"
Aber es ist nicht nur diese Geschichte, die zeigt, wie besonders und wertvoll die Geschwister vom SC Oberstdorf füreinander sind. Wenn sie nicht bei den Wettkämpfen vor Ort sind, dann verfolgen sie sie am Smartphone. "Das ist unglaublich schön und gibt wirklich viel Energie", sagt Johannes. "Man spricht nochmal anders und tiefer als mit einem Teamkollegen. Das ist schön das mit Coletta so teilen zu dürfen."
In Cortina nimmt er an seinen fünften Spielen teil. Nach Bronze in Vancouver, Silber in Sotschi und Doppel-Gold in Pyeongchang schielt er auf die nächste Medaille. Dass er das Zeug dazu hat, zeigte er beim Weltcup in Otepää. Gleich zweimal landete er auf dem Podest.
Spätzünderin Coletta
Während Johannes schon mit 18 im Weltcup durchstartete, brauchte Coletta etwas länger, um sich endgültig in der Langlauf-Weltspitze zu etablieren. "So viele Erfolge wie Johannes durfte ich noch nicht feiern. Aber Langläufer kommen ja eh immer etwas später", sagt sie.
Und sie behält recht: In der vergangenen Saison feierte sie ihr erstes Einzelpodest. Mit 28 zeigt sie sich in diesem Winter so stark wie nie zuvor. Dreimal landete sie auf dem Podium. Am Samstag in Goms holte sie im Team mit Laura Gimmler den Sieg. Beste Voraussetzungen für die Olympischen Spiele.
Schlickenrieder: "Coletta hat Charakterstärke"
Auch Bundestrainer Peter Schlickenrieder setzt auf sie: "Sie kann Podestplätze, sie kann Top-Drei-Plätze einheimsen", sagt er. "Sie hat Charakterstärke, Mut und taktisches Gespür." Und dazu kommt auch noch ein Vorbild, dass sie seit ihrer Kindheit hat: "Das war immer Johannes. Ich war 12, als er das erste Mal im Weltcup war. Das war etwas ganz Besonderes, das jedes Wochenende zu schauen."
Jetzt ist sie da, wo auch ihr großer Bruder ist. Zwar noch nicht mit ganz so vielen Titeln wie er, aber auf dem allerbesten Weg dahin. Ein Weg, den die Rydzeks gemeinsam gehen.

