Paul Breitner wird 75 Jahre alt – eine Tatsache, die er selbst wohl ganz pragmatisch sieht. Vor fünf Jahren, anlässlich seines 70. Geburtstags, sagte er in der BR-Dokumentation "Einfach Paul" einmal: "Ich zähle nicht zu denen, die sagen: 'Ich fühle mich wie ein 20-Jähriger oder 30-Jähriger.' Nein. Ich bin 70. Ich fühle mich wie ein 70-Jähriger, ganz bewusst, weil ich mein Alter, weil ich meine Jahre akzeptiere."
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Paul Breitner: Meinungsstark, authentisch, "ein bisschen verrückt"
Die Aussage eines Menschen mit einer starken Meinung, der weiß, wer er ist. So kennt ihn die Fußballwelt seit Jahrzehnten. Und dieser oft sensationsgierigen Welt hat Breitner immer wieder Stoff geliefert. Sei es das berühmte Foto mit der Mao-Bibel, seine 17 Stunden als Bundestrainer 1998 und die Rücktrittsforderungen an seinen neuen Arbeitgeber DFB oder durch seine Zeitungskolumne – Breitner eckte immer wieder an.
"Ich glaube, der hat sich ein Stück um seine eigene Karriere geredet", sagte einmal Karl-Heinz Rummenigge, FC-Bayern-Kollege und zweite Hälfte des legendären Sturm-Duos "Breitnigge". "Aber das ist auch Paul. Paul war immer authentisch, ein Exot, ein bisschen verrückt, aber immer interessant.“
Auf dem Platz war Breitner unverwechselbar, sowohl wegen seiner äußeren Erscheinung mit hochgekrempelten Ärmeln, heruntergezogenen Stutzen, wildem Blick und wippender Afro-Mähne als auch aufgrund seines Spielstils. Er war ein offensiver Außenverteidiger und später ein selbstbewusster Mittelfeldstratege mit Köpfchen, Tempo und viel Energie.
WM-Finale 1974: Der Elfmeter, der alles veränderte
Die wohl bekannteste Geschichte, die den Fußballer und den Menschen Paul Breitner vereint, ist die vom Elfmeter. "Wenn ich auf'm Sterbebett lieg', na kommt irgendoana daher und sagt: 'Hey Paul, bevorst obkratzt, bitt'schön, erzähl mir nochmal die G'schicht vom Öifmeta!' Hundert pro", sagte Breitner in der BR-Doku.
Die "G'schicht" geht so: Es ist das WM-Finale 1974. Deutschland liegt 0:1 gegen die Niederlande zurück, als Bernd Hölzenbein im Strafraum gefoult wird. Weil Bundestrainer Helmut Schön vorab keinen Elfmeterschützen berufen hatte, schnappt sich Breitner den Ball.
Auf Wolfgang Overaths Frage, ob er jetzt schießen wolle, antwortet der damals 22-Jährige nur: "Des siggsd du ja, den hau i jetzt nei und jetzt schleich di!" Gesagt, getan. Breitner erzielt den Ausgleich, Gerd Müller den Siegtreffer und Deutschland ist Weltmeister. Dieses Tor veränderte seine Karriere.
Zehn Jahre Streit mit FC-Bayern-Legende Uli Hoeneß
Seine scharfe Zunge handelte ihm aber auch Streit ein. Mit seinem ehemaligen Zimmerkollegen Uli Hoeneß sprach er jahrelang kein Wort. Bei der Trauerfeier von Bayern-Legende Gerd Müller 2021 kam es zur Versöhnung. "Im Moment", sagte Hoeneß am Montag, sei das Verhältnis "sehr gut. Er weiß, wenn er mich braucht, bin ich da." Denn die beiden verbinden viele gemeinsam erkämpfte Erfolge mit dem FC Bayern München und der Nationalmannschaft.
Paul Breitners Titel sprechen für sich. Europameister 1972, Weltmeister 1974, dazu einer von nur fünf Spielern, die in zwei WM-Finals trafen. Fünf deutsche Meisterschaften mit dem FCB, zweimal Pokalsieger, der Gewinn des Europapokals der Landesmeister und Fußballer des Jahres 1981. Dazu zwei spanische Meisterschaften und ein Pokalsieg mit Real Madrid.
Engagement bei der Münchner Tafel
Trotz der Erfolge und trotz der vielen Legenden, die sich um ihn ranken, ist er Mensch geblieben. Auch dank seiner Frau Hilde, die ihn zur Arbeit bei der Münchner Tafel brachte. Seit fast 20 Jahren packen die beiden dort jeden Montag mit an.
Geboren vor 75 Jahren im oberbayerischen Kolbermoor, hat Paul Breitner sportlich und menschlich die Fußballwelt geprägt wie kaum ein anderer.
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