Im Halbfinale gestoppt: Thomas Tuchel und Englands Torschütze Anthony Gordon
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Experten zetern: Hat Tuchel Englands WM-Finaleinzug vercoacht?

Experten zetern: Hat Tuchel Englands WM-Finaleinzug vercoacht?

In der Nachspielzeit geben Englands Fußballer die WM-Finalteilnahme aus der Hand. Für Experten ist das die Schuld von Trainer Tuchel und dessen Defensivtaktik. Sie erinnert an Fehler, die er schon beim FC Bayern München begangen hat. Eine Analyse.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport im Radio am .

In England äußern sowohl die Presse als auch die Experten bisweilen schnell vernichtende Kritik an scheiternden Fußballern und ihre Trainern. Und so überraschte es wenig, dass nach dem WM-Scheitern der "Three Lions" um den Münchner Harry Kane und den gebürtigen Krumbacher Trainer Thomas Tuchel im Halbfinale gegen Argentinien am Mittwoch schnell knallharte Urteile gezogen wurden.

Im Kreuzfeuer der Kritik: Thomas Tuchel und seine defensive Taktik nach der zwischenzeitlichen Führung für die Engländer durch Anthony Gordon zur Mitte der zweiten Hälfte. Die Taktik, befeuert etwa durch die Einwechslung des Innenverteidigers Ezri Konsa für Flügelstürmer Gordon, nannte der Ex-Stürmer Chris Sutton eine "Coaching-Katastrophe". Die Boulevardzeitung "Sun", die nie ein Blatt vor den Mund nimmt, schrieb: "Die Fans schimpfen: 'Das geht auf Tuchels Konto' - der englische Nationaltrainer wird wegen 'feiger' Auswechslungen bei der Niederlage im WM-Halbfinale scharf kritisiert." "The Telegraph" legte nach: "Die Vorwürfe werden noch Jahre anhalten."

Joe Hart: "Tuchel hatte nicht genug Glauben ans Team"

Hat Tuchel also den ersten englischen WM-Finaleinzug nach dem Triumph 1966 daheim höchstselbst noch vercoacht? Nach einer bislang fast tadellosen WM als Nationalcoach – wenn man mal den kurzen Zwist mit Führungsspieler Jude Bellingham ausnimmt? Zur Wahrheit gehört ja auch, dass er als Coach zuletzt auch hymnisch gelobt wurde.

Nur steht halt jetzt dieser letzte Eindruck: "Dass Tuchel so früh in der zweiten Halbzeit umgestellt und auf Defensive gesetzt hat, war seine Art zu sagen, dass er nicht genug Glauben ans Team hatte. Und dass er dachte, wir hätten einfach nicht die Mittel, Argentinien weiter in Bedrängnis zu bringen", sagte der BBC-Experte Joe Hart.

Tuchels defensive taktische Umstellung als Knick im Spiel

In der Tat ist da etwas dran, wenn man sich die Statik des Spiels im Anschluss an Gordons Auswechslung, aber auch die späteren Hereinnahmen von Abwehrturm Dan Burn oder Nico O'Reilly ansah. Tuchels Umstellungen wirkten sich aufs Spiel aus - allerdings nicht wie von ihm beabsichtigt positiv, sondern negativ.

Plötzlich war es nicht mehr ein Schlagabtausch zwischen zwei großen Fußball-Nationen. Plötzlich dominierte da nur noch der amtierende Weltmeister Argentinien, schlug Flanke um Flanke. Und lieferte in den Personen Lionel Messi als Vorlagengeber und Enzo Fernandez und Lautaro Martinez als Torschützen ein formidables Comeback mit dem Sieg in der Nachspielzeit ab.

Argentiniens Comeback-Könige der WM schocken auch England

Fakt ist: Die Argentinier sind ohnehin die Comeback-Könige dieser Fußball-WM, nach zwei Siegen in der Verlängerung und einem späten 3:2 nach 0:2 gegen Ägypten. Zuletzt wirkte es so, als wollten sie fast schon in Rückstand geraten, um dann umso stärker zurückzukommen, das hat auch Tuchel beobachtet: "Sie spielen am besten, wenn sie in Rückstand sind. Dann gehen sie mehr Risiko. Sie hatten nichts mehr zu verlieren und investierten mehr."

Seine Mannschaft hatte dagegen viel zu verlieren, es ging ja um die erste WM-Final-Teilnahme seit 60 Jahren. Natürlich dürfte das in den Köpfen von Harry Kane und dessen Mitspielern, aber auch von Tuchel mitgeschwungen sein, selbst die wenigen Konter spielten sie nur äußerst vorsichtig aus. Dass dem 39-jährigen Superstar Messi aber entgegenkam, dass er sich nur noch um den Strafraum der Engländer aufhalten musste, das ist nicht von der Hand zu weisen.

Tuchel hat mit Kane auch als FC-Bayern-Coach Finalteilnahme spät aus der Hand gegeben

Für Münchner Anhänger und Kane dürfte die Partie zudem zum Déjà-vu taugen - und die Frage aufwerfen, ob Tuchel aus Fehlern lernen kann. Tuchel und ein spät verpatztes Halbfinale - das hat eine Vorgeschichte: Vor zwei Jahren lief die Champions-League-Partie bei Real Madrid samt spätem Halbfinalaus nach einem ähnlichen Muster ab.

Auch damals war die Kritik an Tuchels Wechseln und seiner äußerst defensiven Taktik groß, in den Schlussminuten igelten sich die Münchner nur noch um den Strafraum ein und kassierten zwei Gegentore zum 1:2. Tuchel musste die Münchner im Sommer darauf verlassen. Englands Verband will übereinstimmenden Medienberichten zufolge nun an ihm festhalten. Bei der Heim-EM in zwei Jahren könnte also doch noch sein ganz großer Triumph mit den "Three Lions" gelingen: der erste große Titel seit 1966 - wenn Thomas Tuchel aus der Vergangenheit lernt.

Im Audio: Die Analyse von Englands Scheitern gegen Argentinien

Thomas Tuchel in der Mitte seiner Spieler
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Thomas Tuchel in der Mitte seiner Spieler

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