Die Akte der Vorwürfe gegen die Skimo-Abteilung des Deutschen Alpenvereins (DAV) ist um einen Eintrag reicher. Nachdem der DAV das Athleten-Trio aus Felix Gramelsberger, Sophia Weßling und einem weiteren Skibergsteiger vorläufig von der Teilnahme an internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen hat, hat Gramelsberger mit einem ausführlichen Statement reagiert.
DAV-Präsident: "Atmosphäre der Angst"
Zuvor hatte DAV-Präsident Roland Stierle die Maßnahme mit Rücksichtnahme auf den Rest des Teams begründet: "Athletinnen, Athleten und Betreuer sind vor zehn Tagen auf mich zugekommen und haben eine Atmosphäre der Angst geschildert, wenn sie auf die anderen drei stoßen und sie sich dann nicht sicher sind, ob sie ihre Leistung bringen können. Somit hat sich das Präsidium verpflichtet gefühlt, die drei auszuschließen und für den Wettkampf erst gar nicht anzumelden."
Gramelsberger zeichnete dagegen ein anderes Bild. Vielmehr seien er und seine Mitstreiter aktiv an Kontakt zu anderen Skibergsteigern und der Teilnahme von Trainingslagern gehindert worden.
Gramelsberger weist Angst-Vorwurf zurück
"Ich bin darüber schockiert, dass uns vorgeworfen wird, eine Angstatmosphäre zu erzeugen. Aus meiner Sicht findet hier eine klare Täter-Opfer-Umkehr statt", wies er die Anschuldigungen zurück: "Wir haben zu keinem Zeitpunkt versucht, andere Athleten zu beeinflussen. Unser Anliegen war es stets, auf bestehende Missstände hinzuweisen, um die Situation zu verbessern und sämtliche Athleten zu schützen."
Die vorläufige Suspendierung des Trios gilt zunächst für die Dauer der Untersuchungen durch die Staatsanwaltschaft Traunstein, die die Vorwürfe von mutmaßlicher gefährlicher Körperverletzung und Nötigung bei Leistungstests überprüft. Der DAV betonte derweil, dass kein Zusammenhang zwischen dem Ausschluss von Gramelsberger und Co. und deren Anschuldigungen besteht.
DAV-Präsident "enttäuscht" und "entsetzt"
Stierle wies die Kritik zurück und erklärte: "Ich bin nicht nur enttäuscht, ich bin auch über die Verhältnisse, die jetzt herrschen, entsetzt und vor allem über die Interviews, die gegeben werden, wo es zum Beispiel auch heißt, wenn ich jetzt das neueste zitiere, dass der DAV und sein Präsident kein Interesse daran haben, Strukturen zu verändern. Da muss ich einfach sagen, das ist absolut falsch und unzutreffend."
Konkret führte der 72-Jährige ein Mediationsangebot des DAV an die Athleten Ende des vergangenen Jahres ins Feld, welches durch das Trio abgelehnt worden war.
Gramelsberger erklärt Mediationsabsage: "Drohkulisse"
Gramelsberger begründete die Absage des Gespräches mit einer fehlenden Vertrauensbasis. "Hintergrund war unter anderem eine Drohkulisse, die durch die Aussage des Geschäftsführers entstand, dass er bei Scheitern der Mediation prüfen müsste, ob er Betreuer oder doch Athleten austausche. Diese bedrohliche Ausgangslage war für uns unzumutbar", befand der Skibergsteiger.
Die Aussagen von Stierle und Gramelsberger machen indes deutlich, wie groß der Graben zwischen Verband und den ausgeschlossenen Athleten geworden ist, nachdem sich beide Seiten jeweils die Verbreitung von Unwahrheiten und fehlendes Interesse an einer Einigung vorwerfen.
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