Wenn im Oktober und wie jetzt wieder in der Nacht von 28. auf 29. März auf die Uhren umgestellt werden, erinnern sich viele Menschen an eine Meldung vor einigen Jahren: Sollte die Zeitumstellung in der Europäischen Union nicht längst abgeschafft sein? Gab es da nicht einen Beschluss der EU-Kommission? Oder war es das EU-Parlament? Die kurze Antwort: Ja, die Zeitumstellung sollte schon Geschichte sein – eigentlich. Die lange Antwort: Hinter diesem "eigentlich" steckt ein Lehrstück über die komplizierten EU-Spielregeln.
Zeitumstellung: Online-Umfrage 2018 – und ihre Tücken
Der Reihe nach. "Nach etlichen Petitionen und Anfragen von Europaabgeordneten veranstaltete die EU-Kommission 2018 eine europaweite Konsultation zur Sommerzeit", erläutert ein Sprecher des Europäischen Parlaments auf BR24-Anfrage.
Rund 4,6 Millionen Teilnehmende stimmten mit ab, davon votierten 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung in der EU. Zu diesen Zahlen gibt es aber zwei wichtige Einschränkungen: Erstens kam der überwiegende Teil der Teilnehmenden aus Deutschland. Zweitens leben in der gesamten EU rund 450 Millionen Menschen, also machte nur ein Prozent bei der Online-Umfrage mit.
Auch das EU-Parlament unterstützte das Vorhaben
Trotzdem: Die EU-Kommission schlug noch 2018 vor, die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen. Laut dem Sprecher des EU-Parlaments unterstützten auch die EU-Abgeordneten 2019 mehrheitlich diese Position.
Der Parlamentsbeschluss sah vor, dass die EU-Länder selbst entscheiden, ob sie dauerhaft mit der Normalzeit (Winterzeit) oder mit der Sommerzeit leben wollen. Sogar ein konkretes Jahr nannten die Abgeordneten [externer Link]: Ab 2021 sollte Schluss sein mit der Zeitumstellung.
EU-Mitgliedsstaaten können sich bisher nicht einigen
Inzwischen, fünf Jahre später, wird weiter zweimal jährlich an der Uhr gedreht. Das liegt am komplexen Gesetzgebungsverfahren in der EU. Denn auch wenn EU-Kommission und EU-Parlament zugestimmt haben: Im nächsten Schritt bräuchte es noch eine Position des Rates der Europäischen Union. Darin sind alle Mitgliedsländer vertreten – in diesem Gremium steckt die Debatte um die Zeitumstellung seit Jahren fest. Einer Regelung zustimmen müssten mindestens 55 Prozent der Mitgliedstaaten (derzeit 15 von 27), die mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren.
Nach einer schnellen Einigung sieht es nicht aus. Im Oktober 2025 habe das EU-Parlament nochmal über das Thema debattiert und die EU-Kommission zum Stand der Verhandlungen befragt, sagt der Parlamentssprecher. "Die aktuelle zypriotische Ratspräsidentschaft hat das Ende der Zeitumstellung ebenfalls unter ihren Prioritäten aufgelistet." Geändert habe sich aber bislang nicht viel.
Regelung soll "unterschiedliche nationale Praktiken" vermeiden
Im EU-Gebiet gibt es drei unterschiedliche Zeitzonen. Die Gemeinsamkeit: Alle EU-Länder stellen im Sommer eine Stunde vor und im Winter eine Stunde zurück. Diese Regel gilt seit 1980. Und zwar, wie der Parlamentssprecher betont, "um unterschiedliche nationale Praktiken zu vermeiden und den Binnenmarkt zu schützen". Die einheitlichen Termine sollen demnach auch "sicherstellen, dass grenzüberschreitende Aktivitäten innerhalb der EU reibungslos funktionieren".
Im Video: Wie wirkt die Zeitumstellung auf unseren Körper?
Zeitumstellung 2026: Wann beginnt die Sommerzeit?
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