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Skibergsteigen: DAV schließt drei Athleten vorläufig aus

Skibergsteigen: DAV schließt drei Athleten vorläufig aus

Der DAV zieht Konsequenzen im Skimo-Skandal: Drei Athleten werden vorläufig von der Teilnahme bei internationalen Wettkämpfen ausgesetzt. Eine Untersuchung stellt Verunsicherung bis hin zu einer "Angstatmosphäre" fest. Die Aufarbeitung läuft weiter.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Der Deutscher Alpenverein (DAV) hat Konsequenzen aus dem Skimo-Skandal gezogen: Das Präsidium beschloss einstimmig, die Teilnahme von drei Athleten, die zuvor Vorwürfe erhoben hatten, an internationalen Wettkämpfen im Rahmen des DAV-Kaders vorläufig auszusetzen. Die Entscheidung verkündete der DAV in einer Pressemitteilung.

Auslöser der Entscheidung sei eine seit Wochen eskalierende Situation innerhalb des Skimo-Teams. Nach Angaben des DAV hätten sowohl Athleten als auch Mitglieder des Trainer- und Betreuerstabs eine deutliche Verschlechterung des Teamklimas gemeldet. Unter den aktuellen Bedingungen sei ein geregelter Trainings- und Wettkampfbetrieb nicht mehr verlässlich möglich.

Betroffener Athlet spricht von "nachweislichen Unwahrheiten"

"Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Aber wir tragen Verantwortung für das gesamte Team. Leistungssport braucht ein Umfeld, in dem Vertrauen und Zusammenarbeit möglich sind", erklärt DAV-Präsident Roland Stierle.

Felix Gramelsberger, einer der drei betroffenen Athleten, sagte der Deutschen Presse-Agentur in einer ersten Reaktion: "Das Statement des DAV enthält aus unserer Sicht mehrere nachweisliche Unwahrheiten und wir werden mit rechtlichen Schritten dagegen vorgehen."

Einflussnahme junger Athleten?

Zuvor war bereits der Sportliche Leiter Skimo des DAV, Hermann Gruber, zurückgetreten. Zur Klärung der Vorfälle hatte der DAV eine unabhängige Kanzlei eingeschaltet. Die nun vorliegende vorläufige Einschätzung zeichne ein deutliches Bild der Lage, so heißt es in der Pressemitteilung: Demnach werde innerhalb des Teams eine "Verunsicherung" bis hin zu einer "Angstatmosphäre" wahrgenommen, die auf das Verhalten der drei Athleten zurückgeführt werde.

In der Analyse heißt es zudem, dass im Team die Sorge bestehe, Gespräche könnten aufgezeichnet und interne Kommunikation "selektiv (und teils sinnentstellt) an die Presse weitergegeben" werden. Auch wird berichtet, dass versucht worden sei, insbesondere jüngere Athleten im Konflikt zu beeinflussen oder gegen Teammitglieder aufzubringen. Darüber hinaus steht der Vorwurf im Raum, Verletzungen könnten einzelnen Athleten "eingeredet" worden sein.

Als Folge beschreiben die Gutachter eine zunehmende psychische Belastung im Team: "Selbst eher als mental und psychisch resilient eingeschätzte Athletinnen und Athleten seien aufgrund des Verhaltens der Vorwürfe erhebenden Personen sowie der medialen Berichterstattung inzwischen auf psychischer Ebene sichtbar angeschlagen."

Maßnahme ausdrücklich keine Bewertung der Vorwürfe

Der DAV betont, dass die Suspendierung keine inhaltliche Bewertung der ursprünglichen Hinweise der drei Athleten darstellt. Ebenso sei sie nicht als Reaktion auf deren Vorwürfe zu verstehen. Hinweisgeber sollen sich weiterhin ohne Angst vor Konsequenzen äußern können.

"Unser Ziel ist es, die Situation sachlich aufzuarbeiten und gleichzeitig sicherzustellen, dass sich unsere Athletinnen und Athleten wieder auf ihren Sport konzentrieren können", so Stierle.

Entscheidung gilt bis Abschluss der Aufarbeitung

Die Maßnahme sei vorläufig und gelte bis zum Abschluss eines laufenden Klärungsprozesses, der unter externer juristischer Begleitung fortgeführt wird. Auf dieser Grundlage soll anschließend über die weitere sportliche Zusammenarbeit entschieden werden.

Hintergrund der Causa sind Anschuldigungen und eine Strafanzeige der drei Athleten gegen den Ex-Bundestrainer sowie den Sportlichen Leiter im DAV. Die Staatsanwaltschaft Traunstein ermittelt unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung, Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung und Nötigung. Der Coach hatte die DAV-Skibergsteiger schon davor verlassen, der Sportchef wurde jüngst dann freigestellt. Für beide gilt die Unschuldsvermutung.