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Krawietz vor Derby: Warum Tennisprofis die Bundesliga lieben

Krawietz vor Derby: Warum Tennisprofis die Bundesliga lieben

Weltranglistenpunkte gibt es keine zu gewinnen. Trotzdem gehört die Tennis-Bundesliga für viele Profis zu den Höhepunkten des Jahres. Vor dem Derby zwischen Großhesselohe und Rosenheim erklärt Kevin Krawietz, warum.

Über dieses Thema berichtet: BR24Sport am .

Toronto, Cincinnati oder New York. Für Tennisprofis besteht der Alltag meist aus Flughäfen, Hotels und Turnieranlagen. Woche für Woche geht es um Weltranglistenpunkte, Preisgeld und den nächsten Turniererfolg.

An diesem Wochenende steht für Kevin Krawietz jedoch etwas anderes im Fokus. Der zweimalige French-Open-Sieger tritt mit dem TC Großhesselohe im bayerischen Derby der Tennis-Bundesliga gegen Rosenheim an. Ausgerechnet ein Wettbewerb ohne Weltranglistenpunkte gehört für den Doppelspezialisten zu den besonderen Terminen im Jahr.

Warum die Bundesliga etwas Besonderes ist

Die Bundesliga bietet etwas, das selbst erfahrene Profis nur selten erleben. Zwar ist Kevin Krawietz als Doppel-Spezialist an Teamarbeit gewöhnt. Doch auch auf der ATP-Tour stehen meist das eigene Abschneiden und die persönliche Saisonplanung im Mittelpunkt.

In der Bundesliga verschieben sich die Prioritäten. Plötzlich geht es darum, gemeinsam Punkte für den Verein zu holen, Mitspieler anzufeuern und als Mannschaft erfolgreich zu sein. "Davis Cup macht mir unglaublich viel Spaß, weil es einfach ein Teamwettbewerb ist. Und so ist die Bundesliga auch", sagt Krawietz im Exklusivinterview mit BR24Sport.

Für den 34-Jährigen ist die Bundesliga deshalb "ein kleines Highlight im Jahr". Während auf der Tour jeder in erster Linie seinen eigenen Kalender und seine eigenen Ziele verfolgt, zählt hier der Erfolg des gesamten Teams.

Zurück in Großhesselohe

Dass Krawietz heute ausgerechnet für den TC Großhesselohe aufschlägt, ist kein Zufall. Nach mehreren Jahren in Mannheim ist er zum Münchner Traditionsverein zurückgekehrt. Im Interview lobt er das Engagement der Verantwortlichen und die Atmosphäre rund um die Mannschaft.

"Man merkt schon, wie wichtig das denen ist", sagt Krawietz über das Umfeld des Vereins. Spieler und Verantwortliche verbringen die Bundesliga-Wochenenden gemeinsam. Auch abseits des Platzes entsteht ein Gemeinschaftsgefühl, das im internationalen Tennisgeschäft eher selten geworden ist. "Man fühlt sich schon sehr, sehr wohl", beschreibt der deutsche Davis-Cup-Spieler seine Rückkehr nach Großhesselohe.

Weltklassespieler auf bayerischen Anlagen

Sportlich muss sich die Bundesliga nicht verstecken. Krawietz verweist darauf, dass gerade zu Saisonbeginn zahlreiche Top-100-Spieler in Deutschland antreten. Die Vereine investieren viel, um starke Mannschaften zusammenzustellen.

Für Tennisfans ist das eine ungewöhnliche Chance. Während große ATP-Turniere meist nur einmal im Jahr in Deutschland Station machen, können Zuschauer bei Bundesliga-Spielen regelmäßig internationale Spitzenspieler aus nächster Nähe erleben. "Du kannst gute Top-100-Leute sehen", sagt Krawietz. Gerade Heimspiele böten Tennis auf hohem Niveau und eine Nähe zu den Profis, die bei den großen Tour-Events oft verloren geht.

Das Bundesliga-Paradox

Gleichzeitig lebt die Liga von einem ungewöhnlichen Widerspruch. Die Vereine verpflichten internationale Topspieler, wissen aber oft erst wenige Tage vorher, wer tatsächlich zur Verfügung steht.

Der Grund ist der dichte Turnierkalender. Wer auf der ATP-Tour erfolgreich spielt, fehlt möglicherweise am Bundesliga-Wochenende. Wer früher ausscheidet, wird plötzlich verfügbar. "Für die Bundesliga brauchst du Glück, dass deine Spieler im Turnier verlieren", sagt Krawietz.

Für Teammanager bedeutet das einen ständigen Balanceakt. "Man kann nie fünf Tage vorausplanen, mit welcher Mannschaft man dann am Freitag oder Sonntag spielt", erklärt Krawietz. Vieles werde erst kurzfristig entschieden.

Vor dem Derby zwischen Großhesselohe und Rosenheim steht deshalb nicht nur sportliche Qualität auf dem Platz. Die Tennis-Bundesliga zeigt auch, warum sie selbst für Weltklassespieler ihren festen Platz im Kalender behalten hat: Weil hier etwas entsteht, das im internationalen Tennis selten geworden ist. Ein echter Mannschaftswettbewerb.