Natalia Padilla Bidas (FC Bayern, re.) bejubelt einen Treffer gegen den 1. FC Nürnberg.
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Natalia Padilla Bidas (FC Bayern, re.) bejubelt einen Treffer gegen den 1. FC Nürnberg.
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Natalia Padilla Bidas (FC Bayern, re.) bejubelt einen Treffer gegen den 1. FC Nürnberg.

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Haifischbecken Frauenbundesliga: FCN beklagt unfaire Bedingungen

Haifischbecken Frauenbundesliga: FCN beklagt unfaire Bedingungen

Der Frauenfußball boomt. Immer mehr Männer-Bundesligavereine gründen deshalb Frauen-Abteilungen und die kommen nach und nach in der ersten Liga an. Finanzschwächere Vereine wie der 1. FC Nürnberg drohen hinten runter zu fallen.

Über dieses Thema berichtet: Stadt Land Leute am .

Der Frauenfußball ist in Deutschland längst kein Nischensport mehr. Immer mehr Männer-Bundesligaklubs gründen eigene Frauen-Abteilungen und fördern diese gezielt. Mit Borussia Dortmund, dem VfB Stuttgart, Mainz 05 und Schalke 04 drängen finanzstarke Teams in die Liga. Was machen kleinere monetär beschränktere Teams wie der 1. FC Nürnberg? Die Clubfrauen haben trotz der Niederlage gegen den Hamburger SV am vergangenen Freitag noch alle Chancen auf den Klassenerhalt. In den nächsten Jahren wird es aber immer schwerer, sich in der ersten Liga zu halten.

Immer mehr Frauen-Abteilungen der Männer-Bundesligateams

Der Sportliche Leiter der Nürnbergerinnen, Osman Cankaya, bewertet es im BR24Sport-Interview grundsätzlich positiv, "dass sehr viele Vereine gemerkt haben, dass es 2026 ist, und dass der Fußball der Frauen mit Sicherheit nicht nur eine soziale Daseinsberechtigung hat, sondern auch tatsächlich Zuschauerinnen und Zuschauer ins Stadion und vor die Fernseher lockt". Die Nürnbergerinnen sind aktuell der einzige Männer-Zweitliga-Vertreter in der Frauen-Bundesliga. Ansonsten heißen die Teams Leipzig, Bremen, Frankfurt, Wolfsburg oder Bayern München - alles Ableger von Männer-Bundesligisten.

Cankaya: "Dürfen kein Spiegelbild der Männer-Bundesliga sein"

Die SGS Essen ist das letzte verbliebene Frauenteam in der höchsten Spielklasse, dem allerdings der Abstieg droht. Zwar könnte mit dem SC Sand eine weitere Frauenmannschaft zurückkehren, dennoch betrachtet Cankaya diese Entwicklung mit Sorge: "Wir dürfen in kein Fahrwasser abrutschen, in dem die Frauen-Bundesliga irgendwann das Spiegelbild der Männer-Bundesliga ist." Die FBL dürfe nicht "die kleine Schwester" von der Männer-Bundesliga sein, warnt der Sportliche Leiter.

Frauen-Bundesliga will 800 Millionen Euro investieren

Vor der Saison wurde die Liga von 12 auf 14 Teams aufgestockt. Im vergangenen Dezember gründeten die Vereine einen Interessensverband. Die Klubs wollen in den nächsten acht Jahren bis zu 800 Millionen Euro investieren. Es geht darum, die Lücke zu Ländern wie England oder den USA zu schließen, in denen so gut wie alle Spielerinnen von ihrem Sport leben können. In Deutschland ist das aktuell nur bei den Topteams aus München, Wolfsburg und Frankfurt der Fall. "Es gibt im Vergleich zu WSL (England) und NWSL (USA) auch etwas aufzuholen und Deutschland darf sich mit seiner Historie im Frauenfußball nicht hinter solchen Ligen verstecken", glaubt Cankaya.

Schwieriger Balanceakt für Nürnberg im "Haifischbecken"

Die ehemalige Nürnbergerin Lea Paulick, die inzwischen für den Hamburger SV aufläuft, begrüßt diese Entwicklung, mahnt aber zugleich: "Man darf nicht sagen, 'Es müssen erstmal mehr Zuschauer kommen, dadurch kommen mehr Gelder." Der Frauenfußball sei aktuell noch ein Investment, das sich aber in der Zukunft auszahlen werde, ist Paulick zuversichtlich. Osman Cankaya gibt zu bedenken, dass Geld allein der Liga langfristig nicht helfen wird. Dieses müsse zur Verbesserung der Bedingungen eingesetzt werden. "Es wird nichts helfen, die teuersten Spielerinnen der Welt in die Bundesliga zu holen. Du musst eine Form der Aufmerksamkeit schaffen und eine Marke bilden", fordert Cankaya.

Sorgen, dass sein 1. FC Nürnberg auf der Strecke bleibt, macht er sich nicht. Seine Strategie gilt vor allem für den Transfermarkt: "Wir versuchen sehr früh, Spielerinnen zu finden, die ein Stück weit unter dem Radar fahren. Anders kann man in diesem Haifischbecken nicht überleben." Aus Sicht Cankayas bleibt es aber auch angesichts der finanziellen Möglichkeiten ein "unfair game".

Kein Wechsel nach Wolfsburg: Cankaya bleibt in Nürnberg

Nürnberges Kapitänin Luisa Guttenberger ist überzeugt von einer Zukunft der Clubfrauen in der Bundesliga: "Ich glaube, dass wir mit dem Support des Vereins auch in der Zukunft konkurrenzfähig bleiben können."

Beinahe wäre Cankaya nach Wolfsburg und damit zu einem großen Klub gewechselt. Der VfL soll ihn als Nachfolger für Ralf Kellermann auserkoren haben, der wiederum Borussia Dortmund in die Bundesliga führen will. "Wenn da was dran war, dann ehrt mich das natürlich, aber ich weiß, was ich am 1. FC Nürnberg habe." Er bleibe bei den Clubfrauen, stellt Cankaya klar - und damit auf der Seite der "Kleinen".

Das Überleben in der Bundesliga wird für Teams wie die Nürnbergerinnen in den nächsten Jahren dennoch nicht einfacher.

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