Johannes Rydzek hat sich im exklusiven Interview mit BR24Sport tief traurig über das vom IOC beschlossene Olympia-Aus der Nordischen Kombination bei den Winterspielen 2030 gezeigt.
Rydzek: "Musste mich wirklich hinsetzen"
"Man kann das erst einmal gar nicht begreifen. Im ersten Moment zieht es einem den Boden unter den Füßen weg. Ich musste mich wirklich hinsetzen", sagte der Oberstdorfer und fügte hinzu: "So eine Entscheidung ist einfach schockierend."
Mit den Emotionen bei seinen Erfolgen und Niederlagen, die er in seiner Karriere erlebt habe, sei das gegenwärtige Gefühl "nicht vergleichbar. Im Sport kann man immer irgendwie aufstehen. Es gibt ein nächstes Rennen. Man kann und muss selbstkritisch sein, aber das ist einfach etwas, wo Unverständnis herrscht. Es wird etwas über den eigenen Kopf hinweg entschieden, auf das man - wenn überhaupt - nur bedingt Einfluss nehmen kann."
Rydzek: "Noch so viel Herzblut in der Kombination"
Aktuell gingen sogar ihm als zurückgetretenem Athleten Zukunftsängste durch den Kopf, erzählte Rydzek: "Im ersten Moment fragt man sich natürlich schon: Wie sieht jetzt meine Zukunft aus? Auch wenn ich jetzt nicht mehr aktiv bin. Ich habe trotzdem in der Kombination noch so viel Herzblut."
Der Beschluss des IOC habe ihn kalt erwischt, so der 34-Jährige: "Die Entscheidungsprozesse im IOC waren für Außenstehende schon undurchsichtig, sodass man nicht sagen konnte, wohin die Tendenz geht. Es gab Vorzeichen wie den Umstand, dass Skimountaineering im olympischen Programm bleibt. Man weiß, dass die Anzahl der Wettbewerbe begrenzt ist. Insofern war es klar, dass das nicht so positiv ist. Trotzdem rechnet man nicht damit."
Rydzek: Folgen von Kombinationsaus "schwer vorherzusagen"
Eigentlich habe ihm die Entwicklung der "Kombinationsfamilie" Hoffnung gemacht, berichtete Rydzek. "Die Frauen haben sich extrem entwickelt, ohne olympisch zu sein und ohne die Vorteile, die fördertechnisch dahinterstecken. Wir haben einen Weltcup aufgebaut, der fast jedes Wochenende beide Geschlechter am gleichen Ort beinhaltet. Es sind viele Schritte passiert, weswegen in den letzten Monaten diese kritischen Stimmen auch weniger wurden und gesagt wurde, dass wir auf einem guten Weg sind", dachte der zweimalige Olympiasieger zurück.
Die Folgen für die Athletinnen und Athleten "kann man Stand jetzt nicht abschätzen", befand Rydzek: "Die WM in Falun - auch die anderen Weltmeisterschaften - was die FIS angeht, ist auf jeden Fall noch mit der Kombination geplant. Ob sich da etwas ändert, was sich dann entwickelt, wie die Fördervoraussetzungen sind, wie die Verbände reagieren, ist noch schwer vorherzusagen."
Planungssicherheit für deutsche Kombinierer - vorerst
Immerhin im Deutschen Ski-Verband (DSV) bestehe zumindest kurzfristig Planungssicherheit für die Kombinierer: "Wir auf Seiten des DSV haben auf jeden Fall die Zusicherung, dass es bis zu den kommenden Weltmeisterschaften so weitergeht." Dennoch sei es unklar, wie lange man noch mit der staatlichen Förderung rechnen könne.
Rydzek musste allerdings eingestehen, dass nach dem Olympia-Aus der Kombinierer ein Übergang zur Tagesordnung nicht einfach möglich sei, obwohl die Verantwortlichen sich nach wie vor zu der Sportart bekennen würden.
Rydzek: "Es ist Kombination in der DNA"
"Ich glaube – und da spreche ich auch für den Deutschen Ski-Verband und den Stützpunkt Oberstdorf – es ist Kombination in der DNA. Und es wird auch alles gemacht, um das am Leben zu erhalten. Trotzdem geht es auch um Geld und da werden Herausforderungen auf uns zukommen, die wir aber noch nicht in Gänze vorhersehen können", sagte der siebenmalige Weltmeister.
Nordische Kombination bei Olympia
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