In den vergangenen Tagen haben sich Medien, Funktionäre und Athleten intensiv mit der Ära von FIS-Chef Johan Eliasch auseinandergesetzt. Kritik, Schlagzeilen und Personal-Eklats bestimmten die Debatte. Dabei geriet der Neue beinahe in den Hintergrund: Alexander Ospelt hat am Donnerstag die Präsidentschaftswahl des Weltverbands FIS mit nur einer Stimme Vorsprung gewonnen.
Bei seinem ersten Medientermin machte der 58-jährige Liechtensteiner deutlich, welche Schwerpunkte er setzen will. Er wolle die verschiedenen Interessengruppen wieder näher zusammenbringen, "Freude verbreiten" und die FIS weiterentwickeln. Ospelt fand dabei klare Worte: "Wir müssen unsere Situation deutlich verbessern. Das ist eine Herausforderung, aber für mich in erster Linie auch eine Chance."
Anwalt, Ex-Präsident des LSV, Ski-Enthusiast
Doch wer ist der neue FIS-Präsident? Ospelt ist Anwalt und führt eine eigene Kanzlei. Zudem war er als Mitarbeiter bei der Ständigen Vertretung Liechtensteins bei den Vereinten Nationen tätig. Von 2016 bis 2023 stand er dem Liechtensteinischen Skiverband (LSV) als Präsident vor, seit 2024 gehört er dem FIS-Council an.
Auf seinen persönlichen Bezug zum Skisport angesprochen, sagte Ospelt: "Für einen guten Skifahrer hat mein Talent nicht gereicht, aber ich war mal Skilehrer. Und vor allem war ich immer ein großer Fan von dieser Sportart". In Liechtenstein lerne man das Skifahren schließlich, "bevor dir das Laufen beigebracht wird."
Ospelt, der Menschenfänger?
Große Hoffnungen in den neuen Präsidenten setzt auch der Deutsche Skiverband. Für DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach liegt Ospelts Stärke vor allem im Umgang mit Menschen. Genau dort möchte auch der neue FIS-Präsident ansetzen. Er kündigte an, die Anliegen und Sorgen aller Nationen anzuhören und zu verstehen. "Wir alle sind FIS", sagte Ospelt.
Der DSV beschäftigt sich schon lange mit dem Neu-Präsidenten. Im exklusiven BR24Sport-Interview sagte Schwarzbach: "Ich kenne Alexander Ospelt seit einigen Jahren. Er hat das Herz am rechten Fleck, weiß, wie der Skisport funktioniert, hat einen juristischen Background." Gerade bei komplexen Themen wie der Zentralisierung der Medienrechte könne ihm diese Expertise zugutekommen.
FIS-Athletensprecher Ginnis: "Wir hatten super Gespräche"
Vor allem aber wird Ospelt vielerorts zugetraut, unterschiedliche Interessen zusammenzuführen. "Wir glauben, dass mit Alexander Ospelt ein Präsident an der Spitze steht, der insbesondere eines kann: Die Menschen mitzunehmen", sagte Schwarzbach.
Auch AJ Ginnis, Athletensprecher des Weltskiverbands, äußerte sich positiv über die Zusammenarbeit mit dem neuen Präsidenten. Im exklusiven Interview mit BR24Sport sagte er: "Wir hatten super Gespräche. Er hat die Probleme der FIS verstanden, er hat gute Lösungen, wie wir nach vorne kommen. Er war sehr freundlich, sehr gesprächig, es war immer ein guter Dialog. Ich glaube und hoffe, er wird ein guter Präsident sein."
DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach (l.), der neue FIS-Präsident Alexander Ospelt (m.) und Franz Steinle
Auf Ospelt wartet Mammutaufgabe
Einfach wird der Start in die neue Aufgabe nicht. Ospelt übernimmt einen gespaltenen Verband, einen Sport vor großen Herausforderungen, ein Amt mit einer Riesenverantwortung. Ein zentrales To-do wird sein, die FIS finanziell auf Vordermann zu bringen. FIS-Athletensprecher AJ Ginnis hat in den Wochen vor der Wahl herausgefunden, dass das Vermögen des Weltskiverbands unter Eliasch von 130 auf 43 Millionen Franken geschrumpft ist.
Es gilt in den kommenden Jahren also, Geld zu generieren – über Sponsoren, Investoren und andere Einnahmequellen. An Ideen mangelt es Ospelt jedenfalls nicht: "Es laufen viele Diskussionen. Wir müssen ein TV-Format finden, welches nicht länger als eine Stunde und 50 Minuten geht. Wir müssen die Athleten sichtbarer machen. Wir müssen sie besser promoten. Die Leute wollen Stars sehen."
Erstmal aber gilt es, das Vertrauen wieder aufzubauen. Schwarzbach glaubt: "Ohne dieses Vertrauen werden wir keine Lösungen finden. Wir stehen mit dem Skisport vor großen Herausforderungen und die können wir nur bewältigen, wenn wir im Schulterschluss agieren."
Im Video: Athletensprecher AJ Ginnis über den neuen FIS-Präsidenten Alexander Ospelt
Athletensprecher AJ Ginnis


