Mit einem leise gehauchten "Ja" auf die Frage, ob es sein letztes Spiel mit dem Adler auf der Brust gewesen sei, endete Manuel Neuers Rückkehr in der Nationalmannschaft. Eine Rückkehr, die noch so viel länger hätte andauern sollen - am besten noch bis zum Finale von New York am 19. Juli - und die nun bereits drei Wochen früher nach der Blamage im WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay beendet ist. Zurück bleibt die Frage, ob dieses Comeback und die Unruhen, die es auslöste, wirklich nötig waren. Am Ende war es ein unwürdiges Intermezzo für den ehemaligen Welttorhüter.
Neuers parierter Elfmeter reicht nicht gegen Paraguay
Dabei hatte Neuer im Elfmeterschießen sogar einen Elfmeter gehalten, der die DFB-Elf nach den Fehlschüssen von Kai Havertz und Nick Woltemade zurückgebracht hatte. Der Fehlschuss von Tah war dann aber auch für den Schlussmann des FC Bayern nicht mehr zu korrigieren. In den 120 Minuten zuvor habe die deutsche Mannschaft die Paraguayische "Mauer zu wenig durchbrochen", analysierte Neuer hinterher und befand: "Es ist extrem bitter, so aufzuhören."
Nagelsmann holte Neuer wegen seiner "Aura" zurück
Eigentlich hatte Neuer seine Karriere in der Nationalmannschaft ja schon einmal beendet. Nach der Heim-EM 2024 klang er ähnlich, auch wenn man damals mit viel Pech am späteren Europameister Spanien gescheitert war. Diesmal reichte schon der Weltranglisten-41. aus Paraguay.
Bundestrainer Julian Nagelsmann hatte Neuer zu einer Rückkehr überredet. Den 40-Jährigen umgebe eine besondere "Aura", argumentierte der Ex-FCB-Coach Neuers Nominierung, die zugleich die Degradierung von Oliver Baumann bedeutete. Der Hoffenheimer war in der WM-Qualifikation die klare Nummer eins gewesen und hatte überzeugen können. Dennoch musste er sich zum Turnier hinten anstellen. Professionell habe er die Herabstufung angenommen, sagte Nagelsmann damals. Es war aber zugleich der erste Unruheherd.
Auch Neuer kann die deutsche Defensive nicht stabilisieren
Neuer verleihe der Defensive mehr Stabilität als Baumann, glaubte Nagelsmann. Wie die Situation mit Baumann gewesen wäre, ist hinterher müßig zu diskutieren. Im Testspiel gegen die USA, das Neuer aufgrund von Wadenproblemen noch verpasste, zeigte Baumann einige Topparaden. Im Turnier in den USA blieb Neuer in keinem einzigen Spiel ohne Gegentor - wie übrigens in jeder WM-Partie seit dem Finale 2014, das damals mit dem Titel endete.
Grobe Fehler waren ihm in den letzten Wochen nicht nachzuweisen, auch wenn er nach Meinung vieler Experten beim Siegtreffer der Ecuadorianer nicht gut aussah. Gegen Paraguay ließ ihn seine Hintermannschaft besonders beim Gegentor im Stich. Zur Stabilisierung der Abwehr konnte Neuer aber nur bedingt beitragen, strahlte nicht die Sicherheit aus vergangenen Tagen aus.
Neuer ist 40 Jahre alt geworden in diesem Jahr. Die Gegner schienen zuletzt nicht nur im Nationaltrikot nicht mehr den Respekt vor dem Schlussmann des FC Bayern zu haben als in der Vergangenheit, als die bloße Präsenz Neuers gegnerische Stürmer zum Zittern brachte.
Neuers Verdienste bleiben unbestritten
So bleibt unter dem Strich nach dem WM-Aus eine eher misslungene Rückkehr, die aber nicht über die Verdienste Neuers für den DFB hinwegtäuschen darf. Der WM-Titel von Rio de Janeiro war zu einem großen Teil sein Verdienst, schließlich wäre ohne "Manu den Libero" wohl schon im Achtelfinale Endstation gewesen. Im Anschluss wurde er zum Welttorhüter ernannt.
Seit 2010 stand Neuer bis zu seinem Rücktritt 2024 nahezu ununterbrochen zwischen den Pfosten. Auch nach seinem Unterschenkelbruch im Nachgang der WM 2022, die schon nach der Vorrunde für Deutschland beendet war, kämpfte er sich ins DFB-Tor zurück.
Dass seine Karriere mit dem nächsten frühzeitigen Scheitern endet, ist eines Manuel Neuers eigentlich unwürdig. Ein drittes Comeback darf diesmal wohl ausgeschlossen werden.
Tabellenführung und Abstiegskampf, aktuelle Spielpaarungen, Ergebnisse und Liveticker, Torjägerlisten, Laufleistung- sowie Zweikampfstatistiken und noch viel mehr: Fußball im Ergebniscenter von BR24Sport.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
