Josia Topf ist einer der bekanntesten Schwimmer Deutschlands. Bei den Paralympischen Spielen in Paris 2024 hat er einen vollen Medaillensatz gewonnen: Gold über 150 Meter Lagen, Silber über 50 Meter Rücken, Bronze über 50 Meter Freistil. Aktuell bereitet sich der Erlanger für die Para-Schwimm-Europameisterschaften im türkischen Kocaeli vor, die von 7. bis 12. September stattfinden. Bei einem anderen Jahreshighlight hingegen hat Topf gefehlt: Bei der regulären Schwimm-EM 2026 in Paris, bei der erstmals auch Parasportler am Start waren, suchte man den 23-Jährigen vergeblich.
Der Erlanger hat sich bewusst gegen die Teilnahme in Paris entschieden. Den Grund für diesen Entschluss nannte der hochdekorierte Athlet nun im exklusiven Interview mit BR24Sport: "Ich hab große Reise-Schwierigkeiten, jede Reise muss gut kalkuliert sein. Für uns hat sich herausgestellt, dass es sich nicht so richtig lohnt."
Zu viel Aufwand, zu wenig Transparenz?
Dass Topf die Reisestrapazen nicht auf sich nehmen wollte, hat auch mit dem Modus und dem Event zu tun. "Das war am Ende zu viel Aufwand, dafür, dass man keinen Titel bekommt und dafür, dass die Regeln etwas schwierig waren", erklärt Topf.
Was der 23-Jährige mit seiner Kritik meint: In Paris waren Athleten der Deaflympics, also Gehörlosensportler, der Paralympics und der Special Olympics am Start. Viele unterschiedliche Kategorien ohne klare Regeln. "Wir wussten nicht, welches Punktesystem angewandt wird und haben uns deshalb lieber aufs Training konzentriert", so Topf.
Zudem ging es bei den Parasportlern um lediglich zwei Entscheidungen, um 50 und 100 Meter Freistil. Topf hätte sein Training unterbrechen müssen, wäre nach Paris gereist und hätte die Strapazen auf sich genommen, um am Ende zwei Wettkämpfe zu schwimmen, für die es ohnehin keinen Titel gibt. "Wenn man mehr Strecken hätte, wäre es auch nochmal interessanter gewesen", so Topf.
"Parasport hat mittlerweile eine eigene Identität"
Grundsätzlich begrüßt Topf zwar den Ansatz, die Para-Athleten bei Großevents einzubeziehen: "Die Grundidee, das miteinander zu verbinden, ist gigantisch." Doch Topf hat auch Einwände: "Es wird nie funktionieren, dass die Olympischen und die Paralympischen Sportlerinnen und Sportler den gleichen Wettkampf bestreiten. (...) Das würde zu viel Chaos verursachen, den Wettkampf unnötig in die Länge ziehen, davon hätte niemand etwas."
Die Wettkämpfe einfach zusammenzulegen, bedeutet im Normalfall einen großen logistischen Aufwand. Und ohnehin: "Der paralympische Sport hat mittlerweile auch eine eigene Identität", so Topf. "Das zu verbinden, würde den Wettkampf aufblasen und zu große Kapazitätsproblemen mit sich bringen."
Topfs Ideen: gleicher Ort, gemeinsame Staffelrennen
Doch Topf hat sich seine Gedanken gemacht. Er denkt über neue Formate, Regeln und die Zukunft des Parasports nach. "Man könnte Verbindungen schaffen", ist sich Topf sicher. So könnten EMs und WMs der Parasportler zwar am gleichen Ort stattfinden, aber erst am Ende in einem gemeinsamen Staffelrennen miteinander kombiniert werden. Im Wettkampf könnten Parasportler mit den Olympischen Sportlern also im Team antreten. "Das würde auch medial gut funktionieren. Das wäre ein Format, das zukunftssicher wäre." Doch um diese Ideen umzusetzen, brauche es Menschen, die sie koordinieren und organisieren. Die aus großen Ideen engagierter Athleten die Zukunft der sportlichen Inklusion bilden.
Im Video: Para-Schwimmer Topf vor der EM: "Man muss sich immer pushen"
Paralympics Paris 2024 - Schwimmen
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