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Schiedsrichtermangel im Amateurfußball: Bayern dreht den Trend

Schiedsrichtermangel im Amateurfußball: Bayern dreht den Trend

In Bayern kehrt der Nachwuchs an die Pfeife zurück. Nach Jahren mit Schiedsrichtermangel zeigen Aktionen wie das "Jahr des Schiris" Wirkung: Immer mehr Ehrenamtliche leiten wieder Spiele im Amateurfußball.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Die Stimmung im Vereinsheim des DJK Steinberg am See ist angespannt. Nach zwei Tagen Unterricht müssen die 15 Personen im Raum heute ihre finale Prüfung absolvieren. Ihr Ziel: Sie wollen Fußball-Schiedsrichter werden. "Es ist dieses Jahr eine durchmischte Gruppe. Von zwölf bis 48 Jahren, es ist alles dabei", freut sich der Lehrwart der Gruppe Schwandorf Florian Fleischmann. Doch die Jugendlichen können ihren letzten Kurstag noch nicht so richtig genießen. "Das ist bisher meine wichtigste Prüfung. Deshalb bin ich nervöser als in der Schule", sagt der zwölfjährige Benedikt.

Ehrenamt mit Imageproblem

Mit 15 Teilnehmern ist der Neulingskurs in der Oberpfalz dieses Jahr gut besucht. "Wir hatten auch schonmal nur fünf Leute hier. Aber in den letzten Jahren sind es wieder mehr geworden", sagt Fleischmann. Das Ehrenamt Schiedsrichter hatte ein Imageproblem. Der Schiri sei immer der absolute Buhmann gewesen. "Da haben sich schon viele gefragt: Warum soll ich das noch machen, wenn ich die ganze Zeit eh nur auf die Fresse kriege", erklärt Fleischmann.

Diese Frage stellten sich in den letzten Jahren so viele Schiedsrichter, das die Zahlen im Jahr 2022 einen dramatischen Tiefpunkt erreicht hatten. Themen wie Gewalt und Beleidigungen dominierten die Schlagzeilen. Gab es in Bayern im Jahr 2000 noch 13.379 aktive Unparteiische, nahmen 2022 nur noch 9.856 regelmäßig eine Pfeife in den Mund. "Wir konnten irgendwann nicht mehr alle Spiele mit Schiedsrichtern besetzen. Und da haben wir gemerkt, wir müssen was tun. Und das haben wir", sagt Florian Fleischmann.

Erfolgsgeschichte "Jahr des Schiris"

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) und die Vereine reagierten, riefen das Jahr 2023 zum "Jahr des Schiris" aus. Mit Werbeaktionen und Social-Media-Kampagnen wollten sie auf das Ehrenamt aufmerksam machen. Auch Profis wie Anton Stach und Nils Petersen griffen - von Deniz Aytekin angeleitet - zur Pfeife. Das Ziel: mehr Wertschätzung und Akzeptanz für Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Bereits im ersten Jahr stiegen die Zahlen bereits wieder auf 10.254 Unparteiische. Heute gibt es in Bayern sogar 12.386 aktive Schiedsrichter und Schiedsrichterinnen.

"Die Vereine haben gemerkt, dass sie selbst aktiv werden müssen", erklärt Fleischmann die Entwicklung. "Außerdem tragen aktive Schiedsrichter ihr Hobby wieder mehr nach außen und stellen es auf Social Media positiv dar. Das hat enorm geholfen", so der 39-jährige Schiedsrichter weiter. Besonders den Nachwuchs erreiche man über Social Media sehr gut.

Mehr Geld, mehr Schiedsrichter

Der BFV hob im "Jahr des Schiris" auch die Spesen für Unparteiische an. Bekamen Schiedsrichter früher durchschnittlich 33 Euro pro Spiel, sind es seit drei Jahren 53 Euro. Das lockt besonders Jugendliche an. "Ich wollte Schiedsrichter werden, weil ich mein Taschengeld aufbessern wollte und Fußball aus einer anderen Sicht sehen wollte, nicht bloß als Spieler", sagt Moritz im Neulings-Kurs in Steinberg am See. "Ich will nicht immer nur Karten bekommen, sondern auch mal Karten geben", ruft Ben dazwischen und grinst. Die Motivationen sind also unterschiedlich.

Den Kurs bestehen am Ende aber trotzdem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Nach 30 theoretischen Fragen und einem Lauftest ist Florian Fleischmann sehr zufrieden mit seinen Schützlingen. Und die Vereine im Kreis Schwandorf können sich auf 15 motivierte, neue Schiedsrichter freuen.