Wie eingefroren stand Lena Dürr an der Piste und konnte es nicht fassen. "Man kann es noch gar nicht realisieren hier im Ziel. Da meint man, man bekommt noch einen Re-Run und es geht noch mal von vorne los", sagte die Germeringerin nach ihrem Ausscheiden.
Déjà-vu von Peking 2022
Nachdem sie im ersten Durchgang einen starken Lauf gezeigt hatte und auf Rang zwei die Medaille schon zum Greifen nah war, platzte ihr Olympia-Traum nach nur zwei Sekunden. Beim ersten Tor fädelte sie ein und schied aus. Bei einem FIS-Rennen vor 15 Jahren sei ihr das zuletzt passiert. "Katastrophe, worst-case", waren ihre Worte danach.
"Ich weiß noch genau vor vier Jahren, wie der Tag war", erinnerte sich die 34-Jährige an die Olympischen Winterspiele in Peking 2022 zurück. Damals war sie als Führende in den zweiten Lauf gestartet, hatte dann auf Rang vier die Medaille knapp verpasst.
Mitgefühl von Olympiasieger Wasmeier
In Cortina wurde sie im Ziel von ihren internationalen Rivalinnen in Empfang genommen. Die Schwedin Sara Hector habe sie bei der Siegerehrung getröstet: "Schade Lena, du hättest auch eine von denen sein können."
Auch der zweimalige Olympiasieger Markus Wasmeier äußerte sein Mitgefühl nach dem geplatzten Traum von ihrer ersten olympischen Einzel-Medaille: "Dieser Sport kann ganz schön gnadenlos sein", sagte Wasmeier. In die Athletin hineinversetzen kann er sich gut, war ihm doch bei den Winterspielen in Calgary 1988 ebenfalls ein Einfädler beim ersten Tor passiert. "Du kommst dir vor, als wenn du irgendwo im Weltall ausgesetzt wärst"
"Trotzdem ein kleiner Sieg" - Lena Dürr blickt aufs Positive
Wasmeier weiß, was in so einem Moment im Kopf eines Athleten vor sich geht: "Jetzt wird absolute Leere drin sein in ihr und Traurigkeit und das ist halt eine schreckliche psychische Situation." Von Leere und Traurigkeit berichten auch einige andere Athleten nach einem Saison-Highlight wie Olympia in der Doku "Die Last der Spiele - Druck. Leere. Post-Olympia-Depression?". Doch nach dem letzten Alpin-Rennen der diesjährigen Spiele versucht Lena Dürr auch das Positive aus ihrer Olympia-Erfahrung mitzunehmen.
"Es ist wahrscheinlich trotzdem so ein kleiner Sieg für mich und alle, die mit mir zusammenarbeiten, dass es das einfach wert ist, dass man sich immer wieder reinbeißt und immer wieder kämpft. Und man dann auch zumindest mit den Emotionen belohnt wird", sagte sie nach ihrem letzten Auftritt unter olympischen Ringen im ZDF.
Aus der Krise zurückgekämpft
Vor allem das Gefühl nach dem ersten Durchgang sei das, was den Sport so unglaublich mache. Denn die Saison vor dem Highlight in Italien lief für sie alles andere als rund. Im Weltcup suchte sie lange nach ihrer Form, konnte im Slalom nur einen Podestplatz in Copper Mountain feiern. "So um Weihnachten herum wusste ich nicht, was ich hier eigentlich anstellen soll und wie ich das hier genießen soll."
Rechtzeitig zu Olympia fand sie dann allerdings zu ihrem besten Skifahren zurück. "Dann bin ich angereist und ich wusste ganz genau, was zu tun ist und das ist schon einfach ein cooles Gefühl." Darauf sei sie auch "wirklich stolz".
Nicht nur das ist ein tröstender Gedanke für die Oberbayerin. Auch die Unterstützung von ihren Rivalinnen, den Zuschauern, Freunden und Familie lässt sie positiv auf das Erlebte zurückblicken. "Es ist schon schön zu sehen, wer da alles mit einem mitfiebert und wer es mir alles gönnen würde. Vielleicht ist es auch das, was es dann ausmacht danach", sinnierte die 34-Jährige.
