Der 1. FC Nürnberg ist mit zwei Siegen in die neue Saison gestartet und thront an der Spitze der 2. Fußball-Bundesliga. Zum letzten Mal so erfolgreich war der Club am Saisonanfang 2017 - und damals stieg man am Ende der Saison sogar auf. Klar, dass die Fans in Nürnberg euphorisch sind. Sportvorstand Joti Chatzialexiou möchte das Umfeld nicht bremsen, weiß aus der Erfahrung der letzten zwei Jahre aber auch, wie schnell die Stimmung kippen kann.
Chatzialexiou will nach gutem FCN-Start "Kirche im Dorf lassen"
"In den letzten zwei Jahren sind wir der Musik immer hinterhergelaufen und jetzt haben wir einen guten Start", freut sich der Nürnberger Sportboss im BR24Sport-Interview, sagt aber auch: "So wie es in den letzten Jahren andersrum war, bin ich auch jetzt nicht jemand, der komplett euphorisch durch die Decke geht, sondern der am Ende die Ruhe bewahren und die Kirche im Dorf lassen möchte."
Frühere Kaderplanung möglich dank "anderer wirtschaftlicher Voraussetzungen"
Doch warum konnte der Club den Ligastart deutlich erfolgreicher gestalten als in der Vergangenheit? Als größter Pluspunkt gilt die frühe Kaderzusammenstellung. Während im letzten Jahr noch am Transfer-Deadline-Day wichtige Stützen der Mannschaft verpflichtet wurden, konnte Trainer Miroslav Klose mit seiner jetzigen Mannschaft schon die komplette Vorbereitung absolvieren. Man habe nach dem Jander-Verkauf in der letzten Saison in diesem Jahr "andere wirtschaftliche Voraussetzungen gehabt" und den Kader "unabhängig von gewissen finanziellen Themen aufbauen" können, erklärt Chatzialexiou.
Atmosphäre im Kader stimmt: "Wollen im Kern zusammenbleiben"
Abgesehen von der Viererkette, die komplett neu ist, konnte der FCN die Mannschaft zusammenhalten, die für die Frühphase der Saison schon sehr eingespielt wirkt. Auch Torjäger Mohamed Ali Zoma ist geblieben und soll auch nicht mehr wechseln, geht es nach Chatzialexiou. "Wir wollen mit der Mannschaft so im Kern zusammenbleiben, damit wir nicht nur die ersten beiden Spiele gewinnen, sondern auch darüber hinaus gute Resultate erzielen können in dieser Saison."
Auf der Zugangsseite sieht der Sportvorstand wenig Handlungsbedarf. "Im Moment ist es so, dass wir aus unserer Sicht jede Position mehr oder minder doppelt gut besetzt haben." Man werde höchstens auf der Sechserposition und im Angriff "vielleicht nochmal tätig". Aachens Offensivmann Mika Schroers soll ein Transferziel sein. Bisher scheiterten die Verhandlungen aber an den Ablöseforderungen des Drittligisten.
FCN ändert Transferstrategie
In diesem Jahr war der Club nicht nur früher auf dem Transfermarkt aktiv, sondern hat seine Strategie auch grundsätzlich geändert. Man habe die Leihen reduziert, erzählt der Sportvorstand. Im vergangenen Jahr blieben die Leihgeschäfte von Tarek Buchmann (FC Bayern) oder Hindolo Mustapha (Crystal Palace) erfolglos, bei Letzterem wurde die Leihe sogar abgebrochen. Auch in dieser Saison hat Nürnberg wieder Spieler ausgeliehen, sich bei Mikayil Faye und Medienberichten zufolge auch bei Javier Fernandez eine Kaufoption sichern können. Eine Strategie, die bei einem möglichen Weiterverkauf Transferwerte schafft - wie damals bei Stefanos Tzimas.
Chatzialexiou zufrieden mit Entwicklung: "Leute dürfen nicht vergessen ..."
Chatzialexiou geht in seine dritte Saison als Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg. "Die Leute dürfen nie vergessen, wie wir anfangen mussten und entsprechende Dinge abdecken mussten, die wir vielleicht in der Form vorgefunden haben, die suboptimal waren." Damit meint der 50-Jährige vor allem "Spieler, die wir oder ich persönlich weniger hier im Kader und beim 1. FC Nürnberg gesehen haben". Nun habe der Verein "zum ersten Mal" einen Kader, "wo wir wirklich eine Zufriedenheit haben, dass wir auf den unterschiedlichen Positionen mit unterschiedlichen Profilen hantieren können".
Pokal-Warnung: Euphorie darf nicht in Überheblichkeit enden
Die Stimmung in Nürnberg ist so gut wie lange nicht mehr, doch genau darin liegt ein Stück weit auch die Gefahr vor dem Pokalspiel bei Viktoria Köln. "Die Euphorie aus den zwei Spielen muss mitgenommen werden, aber darf nicht in Überheblichkeit enden", warnt Chatzialexiou. Da sei das Team aber "bodenständig und das ist auch das, was mir an unserer Mannschaft sehr gut gefällt".
Eine Mannschaft, die in dieser Saison noch Großes vorhat - auch wenn das in Nürnberg keiner aussprechen will.
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