Rund 90 Meter weit fliegt Sina Herpich durch die Luft. Sie landet auf dem schneebedeckten Auslauf der Schattenbergschanze, fährt einen kleinen Schlenker, kommt an der Bande zum Stehen. Dann klemmt Sina ihre neongelben Skier wieder unter die Arme und stapft die Treppen der Schanze nach oben – für den nächsten Trainingssprung.
Junge Skispringerinnen trainieren sechs Tage die Woche
Sina gehört dem Bayerischen Landeskader im Skisprung an, dem Profi-Nachwuchs im Skisport. Seit sie sechs Jahre alt ist, steht die Allgäuerin auf den Skiern. Heute ist Sina 15 Jahre alt, besucht die 10. Klasse einer Realschule und trainiert in Oberstdorf an sechs Tagen die Woche für ihren Traum: Selbst einmal im Weltcup springen. "Und wenn ich richtig gut bin, vielleicht irgendwann mal Olympia", sagt Sina.
Um ihren Alltag neben Schule und Training meistern zu können, wohnen einige der Nachwuchssportlerinnen im Skiinternat Oberstdorf. Mila Twarok kommt aus Brandenburg, sie ist vor einem halben Jahr hierher gezogen. Die 15-Jährige fiebert im Internat regelmäßig mit ihren Idolen bei Olympia mit. "Dann kann man auch gucken, wo es mal hingehen könnte", sagt Mila. "Das ist natürlich nochmal eine große Motivation."
Videoanalyse der Sprünge
Begleitet werden die jungen Sportlerinnen von Daniel Kremer, Landestrainer im Skisprung der Damen. Insgesamt fünf Mädchen im Alter von 15 bis 20 Jahren gehören der Trainingsgruppe an. Auf dem Programm steht für sie alle neben dem Springen auch Krafttraining und die Videoanalyse der Sprungtechnik. "Der Moment an der Kante beim Absprung ist ganz entscheidend“, sagt Kremer, der seine Springerinnen ganz genau beobachtet. "Aber wir haben danach auch noch drei oder vier Sekunden in der Luft, da kann man ganz viel gewinnen oder kaputt machen“. Wichtig deshalb: Die Aufsteh-Bewegung müsse einen "Fluss" ergeben, sie dürfe nicht "eckig" sein oder auf einen Punkt fixiert. "Dann wird es ein guter Sprung."
Knapp die Hälfte der Olympia-Athleten ist weiblich
Zum ersten Mal sind bei den Olympischen Spielen die Frauen auch auf der Großschanze dabei. Über alle Sportarten hinweg sind 47 Prozent der Athletinnen weiblich, das ist der höchste Wert bisher. Für Sina und die anderen Mädchen ist der Wettkampf damit greifbarer geworden – und doch noch weit weg. Ihr Trainer Daniel Kremer rät ihnen, sich Zeit zu lassen und den Leistungsdruck nicht zu groß werden zu lassen. "Der nächste Wettkampf ist nicht das Allerwichtigste auf der Welt, sondern das Wichtigste ist eine stetige Entwicklung, dass die Mädchen auf ihrem langen Weg irgendwann mal ankommen", sagt er.
Olympische Jugend-Winterspiele stehen bevor
Kremer hat schon Talente begleitet, die es bis zu Olympia geschafft haben: Die Allgäuerin Agnes Reisch sprang auf der Großschanze gerade auf Rang 10, war damit sogar beste Deutsche. Genug Gesprächsstoff für das Training seiner Nachwuchsathletinnen: "Es wird da einfach auch von den jungen Mädels schon gefachsimpelt, was einfach immer ganz cool ist. Man merkt als Trainer auch, die interessieren sich richtig", sagt Kremer.
Und auch, wenn es für den großen Sprung zu Olympia noch nicht reichen sollte: In zwei Jahren stehen die Olympischen Jugend-Winterspiele an, wieder in Italien. Bis dahin trainieren Sina und Mila hier, auf den Oberstdorfer Schanzen, fleißig weiter.
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