Das deutsche Skispringen hat ein neues Top-Duo. Felix Hoffmann als Dritter und Philipp Raimund als Fünfter des Auftaktspringens der Vierschanzentournee bestätigten in Oberstdorf ihren starken Start in den Winter.
Dass es so kommen würde, war vor einem Jahr noch nicht absehbar. Beim damaligen Wettkampf in Oberstdorf stand Hoffmann nicht einmal im durch die nationale Gruppe erweiterten Kader und Raimund musste sich bereits im ersten Durchgang verabschieden und landete letztlich auf Rang 39.
Deutsche Skisprung-Welt steht Kopf
In dieser Saison steht die Welt plötzlich auf dem Kopf. Während die langjährigen Erfolgsgaranten Karl Geiger und Andreas Wellinger seit der Einführung der neuen Anzugregeln hinterherspringen, läuft es für Hoffmann und Raimund rund.
Hoffmanns dritter Rang in Oberstdorf kam zwar erst durch die nachträgliche Disqualifizierung des eigentlich zweitplatzierten Slowenen Timi Zajc zu Stande, doch der Deutsche braucht keine Podestplatzierungen, um mit sich im Reinen zu sein.
Hoffmann: Vom Interview aufs Treppchen
"Vierter wäre auch zufriedenstellend gewesen, vor allem mit den beiden Sprüngen", spielte der 28-Jährige im Anschluss am ARD-Mikrofon seinen Erfolg herunter. Auch das Chaos rund um den Ausschluss von Zajc schien Hoffmann nicht zu beeindrucken.
"Ich war gerade noch Interviews geben. Auf einmal kam der Ralph (DSV-Pressesprecher Ralph Eder, Anm. d. Red.) angerannt: 'Es gab wohl eine Disqualifikation. Du musst vor. Schnell! Siegerehrung, Podest. Hast du die Startnummer noch?' Ja, dann waren wir jetzt noch schnell bei der Siegerehrung", erinnerte sich der Spätstarter mit einem lässigen Grinsen im Tonfall eines x-maligen Weltcup-Siegers.
Hoffmann und Raimund in Schlagdistanz: "Ein Riesenvorteil"
Zwar scheint der erste deutsche Tournee-Triumph seit Sven Hannawalds Grand Slam 2002 angesichts der Form des Überragenden Domen Prevc (schon jetzt rund zehn Meter Vorsprung auf Rang zwei), noch mindestens ein weiteres Jahr warten zu müssen. Trotzdem befindet sich Hoffmann in absoluter Schlagdistanz zu Vorjahressieger Daniel Tschofenig, der nur 1,9 Pünktchen bzw. knapp einen Meter vor dem Wahl-Rosenheimer liegt.
Und dann ist da noch das zweite Ass im Ärmel von Bundestrainer Stefan Horngacher: Philipp Raimund. Der Mann des SC Oberstdorf lauert 1,7 Zähler hinter Hoffmann als Fünfter ebenfalls auf einen Podestplatz in der Gesamtwertung. Für Horngacher eine nahezu perfekte Konstellation. "Das ist ein Riesenvorteil, wenn du zwei Leute da drin hast, die sich gegenseitig begleiten können. Das hilft schon viel", freute sich der 56-Jährige.
Raimund lacht: "Gewalt ist da keine Lösung"
Dabei könnte das neue Spitzen-Tandem des Deutschen Ski-Verbandes (DSV) kaum unterschiedlicher sein, was das öffentliche Auftreten angeht. Während Hoffmann sich eher zurückhaltend gibt, trägt Raimund sein Herz auf der Zunge.
Er sei mit seinem Ergebnis zufrieden, dennoch wolle er mehr, gestand der 25-Jährige. Der Schlüssel sei "genügend Ruhe. Wenn man probiert, es gewalttätig zu machen, funktioniert es meistens nicht", sagte er lapidar in der ARD und schob lachend hinterher: "Gewalt ist da keine Lösung."
Horngacher: "Schanze in Garmisch liegt ihnen"
Nun reisen Raimund und Hoffmann durchaus als Anwärter fürs Tournee-Podest zur zweiten bayerischen Station nach Garmisch-Partenkirchen, wo es noch besser laufen soll als in Oberstdorf.
Horngacher sieht seine beiden Schützlinge für das Neujahrsspringen auf einem exzellenten Weg. "Sie können jetzt frei aufspringen und haben eigentlich keinen Druck mehr. Jetzt kommt Garmisch, die Schanze liegt ihnen. Sie können definitiv noch etwas drauflegen", kündigte der Österreicher an.
Raimund mit guten Erinnerungen an Garmisch-Partenkirchen
Raimund sieht es ähnlich und geht mit großem Optimismus in die zweite Tournee-Etappe: "Ich werde mit einem guten Gefühl nach Garmisch reisen. Die Sprünge hier waren auf einem guten Niveau. Ich habe in Garmisch dieses Jahr auch gute Trainings-Lehrgänge gehabt. Ich bin entspannt und lasse die Tournee jetzt einfach so weiterlaufen."
Tatsächlich verbesserte sich Raimund im Vorjahr in Garmisch um stolze 21 Plätze gegenüber seinem 40. Rang in Oberstdorf. Als Fünfter am Schattenberg in diesem Winter wird ein ähnlicher Sprung nach vorne nicht möglich sein, aber es soll in dieselbe Richtung gehen.
Tipps vom "Domenator" Prevc
Damit es wirklich so kommt, holt sich Raimund Tipps von "Domenator" Prevc. "Ich habe ihn gerade in der Kontrolle gefragt, ob er mir ein paar Tipps geben kann. Er hat gesagt: 'Einfach beweglich in der Hüfte sein'", berichtete Raimund am Montagabend.
Dabei wäre Raimund nicht Raimund, wenn er mit dem Ratschlag des Überfliegers nicht auf seine eigene Art und Weise umgehen würde. Mit einem Augenzwinkern schob er hinterher: "Naja, wenn es so leicht ist, probiere ich das mal."
