Der Wintersport kämpft um seine Zukunft - und diese entscheidet sich zum großen Teil in den Köpfen und Herzen der jungen Generation. Am vergangenen Donnerstag (9. Juli) bildete die Frage, wie man Kinder und Jugendliche für Sport im Schnee faszinieren kann, eine der zentralen Debatten im Rahmen der DSV-Initiative "Dein Winter. Dein Sport" in Fischen im Allgäu. Ski-Star Linus Straßer brachte dahingehend ein äußerst erfolgreiches Vorbild ins Spiel, DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach und Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg sehen die Sozialen Medien als große Chance.
Straßer begeistert von Paradebeispiel Norwegen
Laut Straßer sieht sich nicht nur der Wintersport, sondern der gesamte Sport mit einer herausfordernden Zukunft konfrontiert. "Es ist ein ziemlich komplexes, gesellschaftliches Thema", merkte der gebürtige Münchner im Interview mit BR24Sport an. "Sport ist unfassbar wichtig und ein großer Grundbaustein für ein gesundes Miteinander."
Als Paradebeispiel, an dem sich Deutschland orientieren könne, führte der fünfmalige Weltcupsieger Norwegen an. Die Skandinavier gelten im Wintersport als eine Macht sondergleichen, in der jüngeren Vergangenheit begeistert das Land mit seinen knapp 5,6 Millionen Einwohnern auch in der schneefreien Hemisphäre.
"Norwegen ist ein relativ kleines Volk, dafür aber unglaublich erfolgreich. Man sieht es bei der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft", so Straßer. "Man hat das Gefühl, dass dort ein außergewöhnlicher Zusammenhalt in der Bevölkerung herrscht, sie leben gemeinsam den Sport. Und da müssen auch wir als Gesellschaft wieder hin."
Schwarzbach: "Sehnsucht nach authentischen Erlebnissen"
Als Fundament für eine solche Wende bietet sich vor allem eine sportbegeisterte Jugend an. Ausgerechnet dieser Trumpf hatte in den vergangenen Jahren einen Dämpfer erfahren. Vor allem während der Corona-Pandemie wurde in den Mitgliederzahlen in Wintersportvereinen in der Altersgruppe bis 17 Jahre eine große Delle verzeichnet. Laut einer Statistik des Bayerischen Landes-Sportverbandes (BLSV) zeigte die Kurve jedoch wieder nach oben und stieg in den vergangenen vier Jahren von etwa 79.800 auf knapp 84.800 Mitglieder. Eine Momentaufnahme?
"Ich glaube, dass ein gewisser Trend spürbar ist", meinte DSV-Vorstandsmitglied Stefan Schwarzbach. Eine große Rolle bei dieser Entwicklung spielen die Sozialen Medien. "Wenn man sich das Userverhalten in den Sozialen Medien anschaut und den Einfluss der Künstlichen Intelligenz sieht, dann merkt man, dass gerade bei jungen Menschen die Sehnsucht nach authentischen Erlebnissen wächst", so Schwarzbach. "Man versucht wieder etwas gemeinsam zu erleben - und was bietet sich da mehr an als der Skisport?"
Im Video: Stefan Schwarzbach im Interview
Stefan Schwarzbach spricht über die Zukunft des Wintersports
Soziale Medien: Ein Fluch und ein Segen zugleich
Gemeinhin gilt Social Media als Fluch und Segen zugleich. Mit Blick auf die Zukunft des Wintersports handelt es sich um eine ähnliche Realität. Einerseits wächst die junge Generation damit auf, ein nicht zu vernachlässigender Teil der Freizeit findet auf diversen digitalen Plattformen statt. Doch genau hier kann angesetzt werden, die Sozialen Medien können auch eine Chance sein. "Und zwar als Türöffner, um die Menschen neugierig zu machen", hob Schwarzbach hervor.
Eine Ansicht, die auch die ehemalige Skirennläuferin Viktoria Rebensburg teilt. "Man weiß, wo die Kinder sind", sagte die Riesenslalom-Olympiasiegerin aus Kreuth. "Wenn man es dann schafft, ansprechende Formate und Videos zu gestalten und das Schöne unseres Sports vermittelt, dann ist das unsere Chance, um sie genau dort abzuholen. Es gibt so viele Influencer, bei denen so viel funktioniert. Warum soll das der Wintersport nicht auch schaffen?"
Ertl: "Erste Initiative geht von Eltern aus"
Allein damit lässt sich die ersehnte Wende aber nicht herbeiführen. "Es liegt an den Eltern und Vereinen, auf die jungen Menschen zuzugehen und sie aktiv dafür zu gewinnen", äußerte sich die zweimalige Ski-Weltmeisterin Martina Ertl dazu. "Im Endeffekt würde ich jedem raten: Probiert es aus. Der Wintersport ist sehr besonders und ich glaube, dass es jedem Kind gefallen würde, sich draußen in der Gemeinschaft zu bewegen", führte die 52-Jährige aus. "Aber die erste Initiative geht von den Eltern aus. Sie müssen schauen, dass ihre Kinder in Vereine kommen."
Im Video: Linus Straßer im Interview
Linus Straßer


