Zwei Versuche für einen elektrischen Senkrechtstarter sind in Deutschland gescheitert, und beide Male sind die Start-ups infolgedessen insolvent gegangen. Nun will es ein drittes Unternehmen versuchen: Die junge Firma ERC System aus Ottobrunn bei München. Am Fliegerhorst Erding hat der Prototyp mit dem Namen "Romeo" mehrere erfolgreiche Testflüge absolviert. In den kommenden Jahren soll der Senkrechtstarter in der Gesundheits-Modellregion Memmingen-Unterallgäu den Testbetrieb für Patiententransporte aufnehmen.
E-Flieger für Krankentransporte geplant
Die jetzige Erprobung "bringt vor allem Daten", um Annahmen aus Flugsimulationen zu überprüfen und "die wir nutzen, um unser Flugzeug zu verbessern", sagte Maximilian Oligschläger aus der Geschäftsführung von ERC System dem BR nach einem Testflug.
Der E-Flieger könnte zum Beispiel Kranke transportieren – deshalb kooperiert das Unternehmen mit der Luftrettung DRF. Geplant sind zunächst keine Rettungsflüge, sondern Patiententransporte von Krankenhaus zu Krankenhaus. "Wir gehen davon aus, dass wir deutlich mehr Patiententransporte sehen werden", sagte Christian Müller-Ramcke, Leiter Unternehmensentwicklung der DRF. Dies hänge unter anderem mit den Finanzproblemen vieler Krankenhäuser, den damit einhergehenden Schließungen und den Reformplänen der Bundesregierung zusammen. So geht die Fachwelt davon aus, dass künftig in kleineren Krankenhäusern ohne spezielle chirurgische Expertise weniger operiert werden wird.
"Schneller als ein Rettungswagen, günstiger als ein Hubschrauber"
In der Gesundheits-Modellregion Memmingen-Unterallgäu, einem vergleichsweise dünn besiedelten Gebiet, gebe es genau die Probleme, die der E-Flieger lösen soll, sagt Dr. Rupert Grashey, Leiter der Notfallmedizin am Klinikum Memmingen. Wenn es etwa darum gehe, Unfallopfer schnell zu versorgen und aus dem ländlichen Raum in eine Klinik zu transportieren, habe man "den großen Vorteil eines Luftrettungsmittels, wir können Luftlinie von A nach B fliegen und das natürlich in erheblich kürzerer Zeit, als ich es am Boden bewerkstelligen kann". Etwa dreimal schneller als mit dem Rettungswagen könnten Patienten demnach transportiert werden. Gleichzeitig seien die Kosten für Anschaffung und Betrieb ungefähr dreimal niedriger als bei einem Rettungshubschrauber, heißt es vom Hersteller ERC System.
Landeplatz auf Klinik-Neubau wird E-Flieger-tauglich
Auch der Landeplatz auf dem Dach des neuen Klinikums, das derzeit in Memmingen für rund eine halbe Milliarde Euro entsteht, wird schon auf den Einsatz des E-Fliegers vorbereitet: Entsprechende Ladeinfrastruktur für das elektrische Fluggerät sei dort bereits vorgesehen, sagt Notfallmediziner Grashey. Eine Zulassung für den Flugverkehr strebt das Unternehmen für das Jahr 2031 an. Dann sollen auch die ersten Testflüge im Allgäu starten.
Prototyp noch als Drohne konzipiert
Der Prototyp ist erstmal noch eine ferngesteuerte Drohne, später aber soll der Senkrechtstarter von Piloten geflogen werden. "Romeo" kann bisher nur schweben und nicht vorwärts fliegen, das Schweben sei aber das komplexere Problem als der Vorwärtsflug, so ERC-Chef David Löbl.
Elektrische Senkrechtstarter heißen im englischen Luftfahrtjargon eVTOL (electric Vertical Take-Off and Landing aircraft). In den vergangenen beiden Jahren hatten die zwei eVTOL-Entwickler Lilium und Volocopter Insolvenz angemeldet, weil es an willigen Kapitalgebern fehlte. Lilium stellte den Betrieb ein, Volocopter wurde schließlich von einem chinesischen Unternehmen übernommen.
Im Audio: E-Flieger für Krankentransporte geplant
Der Senkrechtstarter wiegt 2.735 Kilo und hat eine Spannweite von 16 Metern. Hier bei einem Testflug am Fliegerhorst Erding.
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