Porsche steckt in einer tiefen Krise und machte im dritten Quartal fast eine Milliarde Verlust. Im bisherigen Jahresverlauf bis September schrumpfte das operative Konzernergebnis sogar von gut vier Milliarden im Vorjahr auf nur 40 Millionen Euro zusammen, wie Porsche am Freitag mitteilte. Das schlechte Quartalsergebnis liegt unter anderem daran, dass Porsche angekündigt hatte, hier rund 1,8 Milliarden Euro Restrukturierungskosten zu verbuchen. Die Aktie reagierte jedoch kaum auf die Zahlen und rangierte weiter mit 47 Euro gut drei Prozent im Plus.
Porsche-Finanzchef optimistisch für 2026
Porsche-Finanzchef Jochen Breckner sagte, dass sich in den Quartalszahlen die strategische Neuausrichtung des Unternehmens niederschlage. Denn Porsche hat sich in diesem Jahr entschieden, wieder mehr Verbrennermodelle zu bauen, den Start neuer E-Modelle zu verschieben und die eigene Batterieproduktion einzustampfen.
Das seien Investitionen für eine bessere Zukunft, so Breckner: "Wir erwarten, dass wir den Tiefpunkt in diesem Jahr durchschreiten und Porsche sich ab 2026 spürbar verbessert." Dann soll der ehemalige McLaren-Chef Michael Leiters den Porsche-Chefposten von Oliver Blume übernehmen.
Ursachen der Krise bei Porsche
Die Krise von Porsche liegt zum einen an schlechten Umsätzen in China - dort schwächelt die Wirtschaft und dementsprechend auch der Absatz an Luxusfahrzeugen. Zum anderen kosten die hohen Importzölle der USA Porsche heuer einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag, da der Autobauer nicht in den USA produziert. Die USA haben zwischen April und Juli Zölle in Höhe von 27,5 Prozent erhoben, seit August sind immerhin noch 15 Prozent.
Während das Betriebsergebnis bis Ende September um 99 Prozent einbrach, schrumpften Umsatz und Absatz nur um rund sechs Prozent. Bei 212.069 ausgelieferten Fahrzeugen erzielte die einst erfolgsverwöhnte VW-Tochter knapp 27 Milliarden Euro Umsatz. Für das Gesamtjahr bekräftigte Porsche den mehrfach gesenkten Ausblick von 37 bis 38 Milliarden Euro Umsatz und einer positiven Umsatzrendite von bis zu zwei Prozent. In guten Zeiten war Porsche mit 15 Prozent Marge der profitabelste deutsche Autobauer.
Experten: Dauer bis zur Erholung ungewiss
Autoexperten fällt eine Einschätzung schwer, wie lange Porsche unter dem neuen Chef brauchen wird, um sich von diesem Schock zu erholen. Das sei derzeit nicht absehbar, sagt Ingo Speich, Nachhaltigkeitschef bei der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Investment. "Nach mehreren Gewinnwarnungen in einem Jahr ist die Visibilität fürs Geschäftsmodell weiterhin sehr gering." Pal Skirta, Analyst der Privatbank Metzler, rechnet mit mindestens drei Jahren, ehe Porsche wieder zweistellige Umsatzrenditen erwirtschaften wird.
Mit Informationen von Reuters
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