Technische Anlage zur Verdichtung von Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden. Ein Mitarbeiter läuft an zahlreichen Rohren vorbei.
Technische Anlage zur Verdichtung von Erdgas auf dem Gelände des Erdgasspeichers Rehden. Ein Mitarbeiter läuft an zahlreichen Rohren vorbei.
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(Symbolbild) Ist der niedrige Füllstand der Gasspeicher ein Grund zur Sorge?
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(Symbolbild) Ist der niedrige Füllstand der Gasspeicher ein Grund zur Sorge?

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Leere Gasspeicher: Panikmache oder echte Gefahr?

Leere Gasspeicher: Panikmache oder echte Gefahr?

Die Gasspeicher sind auf einem "historisch niedrigen" Stand. Das Bundeswirtschaftsministerium steuert gegen und hat das bundeseigene Energieunternehmen Sefe angewiesen, vermehrt Erdgas einzuspeichern. Ist der niedrige Füllstand Grund zur Sorge?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Nicht mal zu 60 Prozent sind die deutschen Gasspeicher derzeit im Schnitt gefüllt. Das sind knapp 20 Prozentpunkte weniger als im vergangenen Jahr und nochmal deutlich niedriger als in den Vergleichszeiträumen der vergangenen Jahre, heißt es von der Bundesnetzagentur. Gleichzeitig steigt der Gaspreis – für Großkunden und Endverbraucher. Sind die Füllstände Anlass zur Sorge? Die wichtigsten Antworten.

Warum sind die Gasspeicher so leer?

Die Gasspeicher waren schon zu Beginn des vergangenen Winters nicht so voll, wie sie hätten sein können. Der Januar war dann sehr kalt, weshalb viel Gas aus den Speichern zum Verbrauch ins Netz gegangen ist. Durch den Iran-Krieg sind Öl und Gas teurer geworden. Bis zuletzt haben sich die Preise so entwickelt, dass es für Händler und Versorger unattraktiv war, die Speicher zu befüllen.

"Die Gashändler würden Verluste machen, wenn sie jetzt einspeichern und im Winter ausspeichern", sagt Ann-Kathrin Klaas, unabhängige Expertin für den Erdgasmarkt am Energiewirtschaftlichen Institut (EWI) der Universität Köln, im Plusminus-Podcast "Gasspeicher: Panikmache oder echte Gefahr - wer profitiert?". Denn die prognostizierten Preise für den Winter, die sogenannten Erdgas-Futures, liegen deutlich niedriger als die aktuellen Preise.

Am 1. November sollen die Speicher laut der gesetzlichen Füllstandsvorgabe eigentlich zu durchschnittlich 70 Prozent befüllt sein. Ob das Ziel erreicht werden kann, ist in diesem Jahr fraglich. Ursprünglich hieß es von der Bundesregierung, dass der Markt die Befüllung regelt. Durch die hohen Preise scheint das derzeit aber nicht ganz zu funktionieren.

Grafik: Füllstände der Gasspeicher in Deutschland

Sind die Gasspeicher im Winter die einzige Energiequelle?

Nein, die Gasspeicher sind eine Art Gasvorrat und federn Spitzen an besonders kalten Tagen ab. Wenn mehr Gas gebraucht wird, als über Pipelines und LNG-Lieferungen per Schiff hereinkommt, dann liefern die Gasspeicher zu. Laut der EU-Kommission decken sie zwischen 25 und 30 Prozent des Gasbedarfs im Winter ab. An besonders kalten Tagen kann der Anteil auch steigen: Laut Speicherbetreibern kamen an einzelnen Tagen im vergangenen Winter teils 50 Prozent des benötigten Gases aus den Speichern, über den Januar gesehen im Schnitt 38 Prozent.

Parallel laufen aber auch die durchgängigen Lieferungen – die sind wichtiger als die Speicher. Deutschland bezieht sein Gas vor allem aus Norwegen, den Niederlanden oder Belgien. Rund zehn Prozent kommen als Flüssigerdgas LNG an deutschen Terminals an, das meiste davon aus den USA. Expertin Klaas verweist darauf, dass Deutschland auch seine LNG-Importe erhöhen könnte, Kapazitäten seien frei. "Das muss aber auch der Weltmarkt hergeben und das ist natürlich auch eine Frage des Preises."

Wie teuer wird die Gasversorgung im Winter?

An der Börse ist Gas derzeit teilweise doppelt so teuer wie vor einem Jahr. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen sagte dem Handelsblatt (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt): "Wer mit Gas heizt, muss im kommenden Winter mit höheren Kosten rechnen."

Laut dem Vergleichsportal Verivox liegt der Gaspreis pro Kilowattstunde für Neukunden, die jährlich 20.000 Kilowattstunden verbrauchen, derzeit bei 12,43 Cent. Anfang August lag er noch unter zehn Cent. Aber nicht nur Menschen mit Gasheizungen sind betroffen. Auch die Industrie braucht Erdgas, in Gaskraftwerken entsteht daraus Strom. Außerdem gehört Erdgas auch zum Fernwärmemix.

Sind Sorgen vor zu wenig Gas im Winter begründet?

"Eine Versorgungsmangellage ist aktuell auch eher unwahrscheinlich", sagt Erdgasmarkt-Expertin Ann-Kathrin Klaas im ARD-Podcast Plusminus. Und: Selbst wenn eine Zeit lang gar keine Importe kämen – was nicht realistisch ist –, dann könnten die Speicher mit ihrem aktuellen Füllstand die deutsche Gasversorgung für etwa 40 Tage garantieren, bei durchschnittlichem Winterwetter, sagt Klaas.

Auch vom Bundeswirtschaftsministerium heißt es, dass die Versorgungslage grundsätzlich sicher sei. Bei der Anweisung zur zusätzlichen Gaseinspeicherung gehe es um die Krisenvorsorge. "Eine bestimmte erreichte Gasspeicherfüllstandsquote gibt nicht an, ob die Versorgung gesichert ist."

Gasspeicher: Panikmache oder echte Gefahr - wer profitiert? Darum geht es auch in der aktuellen Folge des ARD Wirtschaftspodcast Plusminus. Die Hosts Anna Planken und David Ahlf sprechen über das eine Wirtschaftsthema, das morgen euren Alltag verändert. Die besten Experten, ein klares Plus, ein klares Minus – und ein konkretes Takeaway.

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