Ein Teller mit Käsespätzle
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Käsespätzle im Wirtshaus
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Mehrwertsteuersenkung: Wird es 2026 im Wirtshaus günstiger?

Mehrwertsteuersenkung: Wird es 2026 im Wirtshaus günstiger?

Wirtinnen und Wirte hatten lange darauf gehofft: Ab 2026 sinkt die Mehrwertsteuer auf Speisen auf sieben Prozent – eine spürbare Entlastung für die Gastronomie, von der sich viele Gäste auch etwas versprechen. Doch die Branche dämpft die Erwartungen.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Mit viel Optimismus dürfen Gastronomen ins Jahr 2026 blicken. Denn dieses bringt ihnen eine deutliche Steuersenkung – statt 19 Prozent müssen sie künftig nur sieben Prozent auf Speisen abführen. Doch niedrigere Preise auf der Speisekarte werde es bei ihm eher nicht geben, sagt Gregor Lemke, Wirt des "Augustiner Klosterwirt" und Sprecher der Münchner Innenstadtwirte. "Es geht nicht darum, dass man Preise senkt, sondern dass man in der Lage ist, nicht schon wieder Preise erhöhen zu müssen, um die Personalkosten und die Warenkosten aufzufangen", so Lemke.

Auch Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rechtfertigt die Steuersenkungen mit deutlich gestiegenen Kosten für die Gastronomie. Essen im Restaurant sei wichtig für den Zusammenhalt im Land, daher sei die Steuerbegünstigung, die Bund und Länder neben der Erhöhung der Pendlerpauschale finanziell tragen müssen, richtig.

Fastfoodketten dürften Gewinne verbessern

Die Steuersenkung hat aber auch für viel Kritik gesorgt. Linke und Grüne sprachen bei der Verabschiedung im Bundestag von einem wirtschaftlich unsinnigen Steuergeschenk. 

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) erwartet bei Fastfoodketten kaum sinkende Preise durch die Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie. Damit sei "nicht zu rechnen", sagte NGG-Chef Guido Zeitler der "Augsburger Allgemeinen" vom Freitag. "Wir gehen davon aus, dass die Branche insbesondere ihre Gewinnmargen verbessern wird." Gerade die Systemgastronomie mit ihren gesteuerten Prozessen über Einkauf und Verarbeitung bis hin zur optimierten Personalplanung werde von der niedrigeren Umsatzsteuer profitieren.

Weniger Mehrwertsteuer – Schnitzel wird eher nicht günstiger

Wie die Wirtinnen und Wirte mit der Steuererleichterung umgehen wollen, zeigt eine Dehoga-Umfrage aus dem Juli 2025. Darin wurden Gastronomiebetriebe gefragt, auf welche Bereiche sich die geplante Mehrwertsteuersenkung ab 2026 auswirken würde. 86,3 Prozent sehen einen positiven Effekt auf die Stabilisierung ihrer betriebswirtschaftlichen Situation und damit auch auf den Erhalt der Wirtshauskultur, die durch Preisexplosionen massiv unter Druck geraten ist.

Über 73 Prozent erwarten positive Effekte auf die Sicherung und den Ausbau von Arbeitsplätzen, sowie auf die Steigerung der Investitionstätigkeit, etwa durch Modernisierung, Kapazitätsausbau oder Digitalisierung. Genau diese Investitionen seien, so die Dehoga, eine Art Investitionsbooster mit positiven Effekten für die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Nur 51,6 Prozent sehen dagegen einen positiven Effekt auf das Preis-Leistungs-Verhältnis für die Gäste.

Dehoga: Investitionen sinnvoller als Preissenkung

Dehoga-Landesgeschäftsführer Thomas Geppert betont: Würden die Wirte die Mehrwertsteuersenkung eins zu eins in den Schnitzelpreis geben, hätte der Staat am Ende kaum etwas davon. Entscheidend sei vielmehr, dass die Betriebe den finanziellen Spielraum nutzen, um zu investieren, ihre Mitarbeiter ordentlich auszustatten und den Betrieb zu erhalten. Das stärke die Wirtschaftskraft – und bringe langfristig Vorteile für alle.

Gastronom zeigt: Es geht auch anders

Für den Münchner Gastronom Sobi Darcal vom Restaurant "Le Hygge" dagegen ist es eine Selbstverständlichkeit, seine Freude über die Steuererleichterung auch mit seinen Gästen zu teilen. Er hat die Preise sogar bereits zwei Monate vor der Gesetzesänderung gesenkt: Für Hauptspeisen und Salate zahlen die Gäste nun zwei bis zweieinhalb Euro weniger. Für ihn ist klar: Auch in einer teuren Stadt wie München müssen sich die Menschen das Essengehen wieder leisten können. Es sei ein wichtiger Teil der Kultur. "Wahnsinnig viele Leute haben das mitbekommen und finden es toll", sagt Darcal, der sich jetzt über deutlich mehr Gäste freut als zuvor. Sein Lokal ist inzwischen an den Wochenenden fast immer ausgebucht.

Am Ende zeigt sich: Die Mehrwertsteuersenkung wird das Essen nicht überall billiger machen. Sie gibt aber vielen Wirtinnen und Wirten die Chance weiterzumachen, zu investieren und ihre Betriebe zu erhalten. Davon profitieren nicht nur die Gastronomen, sondern auch die Gäste – und letztlich die Innenstädte auch im ländlichen Raum, die hoffentlich wieder lebendiger werden.

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