Krebs gilt in Deutschland nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen als die zweithäufigste Todesursache. Im Kampf gegen die Krankheit meldet Siemens Healthineers jetzt eine große technische Fortentwicklung. In den USA hat der Erlanger Medizintechnikkonzern eine neu entwickelte Strahlentherapie vorgestellt. Das Gerät mit dem Namen "Accela" sei ein "Technologiesprung", heißt es. Patientinnen und Patienten könnten damit nicht nur präziser, sondern auch schneller als bisher behandelt werden. In Europa könnte die neue Strahlentherapie sogar schon vor den USA zugelassen werden. Allerdings: Keines der zwei Geräte steht in Deutschland.
Neue Strahlentherapie als "Beginn eines neuen Kapitels"?
Das Strahlentherapiesystem "Accela" ist etwa so groß wie ein Kleiderschrank und mag unscheinbar wirken. Die Technik, die darin steckt, ist aber nicht weniger als "ein Technologiesprung, wie ihn unsere Branche nur selten erlebt", sagt der medizinische Leiter bei der Healthineers-Konzerntochter Varian, Dee Khuntia. Die neue Strahlentherapie verbindet laut Siemens Healthineers hohe Präzision mit Schnelligkeit.
Krebszentren könnten durch das neue Gerät "Therapien effizienter und in größerem Umfang anbieten, als dies mit bisherigen Systemen möglich war", heißt es in einer Pressemitteilung des Konzerns. Das System läute einen "Generationswechsel in der Behandlungsplanung" ein, heißt es. Der größte Vorteil sei aber das Potenzial, "die biologische Reaktion auf die Strahlentherapie zu beeinflussen", so Khuntia weiter. Das sei "kein schrittweiser Fortschritt, sondern der Beginn eines neuen Kapitels".
Durch die kürzere Behandlungsdauer werde etwa das Blut im Körper weniger geschädigt, heißt es von Siemens Healthineers. Konkret geht es dabei um eine geringere Schädigung der sogenannten Lymphozyten, einer bestimmten Art weißer Blutkörperchen. Das sei wichtig, weil der Körper diese Abwehrzellen dringend für die Genesung brauche.
Behandlung verspricht etliche Patienten-Vorteile
Laut Siemens Healthineers bringt das Strahlentherapiesystem nicht nur präzisere Behandlungsmethoden, sondern auch darüber hinaus spürbare Vorteile für Patientinnen und Patienten. Eine Behandlung sei mit "Accela" "in einem einzigen Atemanhaltezyklus" möglich, heißt es. Das sei bislang nicht möglich gewesen, und die bisherige Behandlung für viele Patientinnen und Patienten nicht nur eine enorme Belastung gewesen, sondern teils auch schwer durchzuführen. Künstliche Intelligenz (KI) helfe Ärztinnen und Ärzten dabei, die "optimale Balance zwischen Behandlungsqualität und Behandlungsgeschwindigkeit zu erzielen", heißt es weiter.
Das Bayerische Zentrum für Krebsforschung (BZKF) stuft das neue Strahlentherapiegerät von Siemens Healthineers ebenso als wesentliche Fortentwicklung ein wie der Hersteller selbst. "Accela" sei eine "große technologische Neuerung in der Strahlentherapie", heißt es auf BR-Anfrage. "Die angekündigte Kombination aus hoher Präzision und deutlich kürzerer Behandlungszeit ist ein wichtiger Fortschritt", so das BZKF.
Neuartige Krebstherapie vorerst nur in den Nachbarländern
Die neuartige Strahlentherapie könnte in Europa sogar vor den USA zugelassen werden, sagte ein Konzernsprecher dem Bayerischen Rundfunk. Voraussichtlich ab Anfang Dezember könnten hier erste Behandlungen stattfinden.
In Europa gibt es zwei "Accela"-Systeme, die bei den klinischen Tests eingebunden waren. Eines der Geräte steht im Universitätsspital in Zürich in der Schweiz, das andere in der "Maastro Clinic" im niederländischen Maastricht. Bis wann eine Klinik in Deutschland die neue Strahlentherapie anbieten könnte, ist noch unklar.
Das Strahlentherapiesystem "Accela" der Erlanger Medizinkonzerns Siemens Healthineers.
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